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Goodgame-Brüder: Sind das Hamburgs schlimmste Chefs?

Goodgamebrüder

Angst vor den eigenen Mitarbeitern: Die Brüder Christian (35 ,r.) und Kai (39) Wawrzinek gründeten 2009 das Spieleunternehmen „Goodgame Studios“ mit Fabian Ritter und schufen eine coole Scheinwelt. Hinter der Fassade wurde gnadenlos ausgebeutet. Jetzt wollten Mitarbeiter sich zur Wehr setzen – und wurden gefeuert.

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hfr

Ein Schwimmbad für die Mitarbeiter, Gratis-Müsli am Morgen und Freibier am Abend – so schön ist die Fassade von „Goodgame Studios“. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Bahrenfelder Spielefirma hat 28 Mitarbeitern fristlos gekündigt – offensichtlich, weil sie dabei waren, einen Betriebsrat zu gründen. 

Das Flugblatt war gedruckt, der Info-Stand  vor dem Aufbau – nach monatelanger Vorbereitung wollten Karsten R. (Name geändert) und seine Mitstreiter die 1.300 Kollegen über ihre Pläne informieren.

Die Sommer-Terasse

Das Image nach außen ist wichtiger als alles andere: Auf dem Dach in Bahrenfeld lockt eine großzügige Terrasse. Damit die Mitarbeiter sich bei der Arbeit ganz wie zu Hause fühlen.

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Florian Quandt

Doch so weit kam es nicht. „Wir wurden alle einzeln in ein Besprechungszimmer gerufen, wo uns die fristlose Kündigung überreicht wurde“, erzählt Karsten R.

Der 31-Jährige durfte noch nicht einmal seine persönlichen Dinge holen oder sich verabschieden. „Wir wurden wie Schwerverbrecher aus dem Gebäude geleitet.“ Eine Begründung gab es nicht. Doch für R. liegt die Sache auf der Hand.

Es könne kein Zufall sein, dass die Kündigung genau am Tag des Aufrufs zu Bestellung eines Wahlvorstands kam. Wie die Geschäftsführung davon Wind bekommen hat, kann R. nur vermuten: „Wir hatten ein internes Chat-Tool, über das wir uns immer ausgetauscht haben.“

Wahrscheinlich sei das geknackt worden – ein Leichtes für die IT-Profis.

Swimmingpool bei Goodgame

Den Mitarbeiten von Goodgame steht sogar ein Swimmingpool zur Verfügung.

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Florian Quandt

Laut Karsten R. war die überraschende Kündigungswelle eine „Kurzschlussreaktion“ der Geschäftsführung. Denn: „Als Betriebsrat hätten wir Einsicht in die Gehaltslisten gekriegt.“ Und da hätten sich, so vermutet der Spieleentwickler, Abgründe aufgetan. „Gleiches Geld für gleiche Arbeit gibt es bei Goodgame nicht.“

Jeder verhandele sein Gehalt selbst, die Qualitätssicherer hätten bis vor kurzem noch weniger als den Mindestlohn verdient und lägen auch jetzt bei nur 1.450 Brutto-Einstiegsgehalt. Er selbst habe trotz fünfjährigem Masterstudium mit 2.300 Brutto begonnen. Überstunden würden nicht abgegolten.

Einem Mitarbeiter, der wegen einer Verletzung länger ausgefallen war, wurde deshalb eine Gehaltserhöhung verweigert. Zuletzt seien viele Osteuropäer und Russen beschäftigt worden – „die sind billiger“, sagt R.  „Ich habe eine soziale Ader und wollte mich für andere einsetzen.“

Goodgame bestreitet die Vorwürfe. „Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen entschieden, sich aus betrieblichen Gründen, wie z.B. Leistungsdefiziten, von 28 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen mit umgehender Wirkung zu trennen.

Fitnessstudio bei Goodgame

Die Mitarbeiter können sich im eigenen Fitnessstudio fithalten.

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Entgegen anderslautender Behauptungen haben diese Kündigungen nichts mit dem Ansinnen einer Betriebsratsgründung zu tun“, so Sprecher Dirk Hensen.

Vor Gericht hätte das Unternehmen laut Gewerkschaft Ver.di, die die Gekündigten unterstützt, mit dieser Begründung keine Chance. „Es hat bei keinem Mitarbeiter zuvor Gespräche gegeben, auch Abmahnungen lagen nicht vor“, so Gewerkschaftssekretärin Gabriele Weinrich-Borg. Und die Begründung „betrieblich“ gebe es gar nicht.  „Betriebsbedingt“ könne auch nicht gemeint sein, schließlich habe Goodgame alle Stellen sofort wiederbesetzt und auf seiner Internetseite aktuell 100 Job-Angebote stehen.

Karsten R. und seine Mitstreiter haben beim Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage eingereicht. Und sie bleiben kämpferisch: „Wir wollen die Bestellung des Wahlvorstands trotzdem nächste Woche durchziehen. Noch sind wir ja betriebszugehörig!“