Gigantische Pläne, neue Gebäude: So schick soll Altonas Trostlos-Bahnhof werden
Der Bahnhof Altona ist ein liebloser Betonklotz, der mit seinem Vorgänger, einem eindrucksvollen Backsteinbau, noch nie viel gemein hatte. Letzterer wurde in den 70er Jahren trotz massiver Proteste abgerissen und durch das heutige Gebäude ersetzt. Jetzt steht nicht nur für den Bahnhof, sondern für das gesamte Umfeld erneut eine riesige Veränderung an: Zwei Architekturentwürfe konnten die Jury in einer ersten Runde überzeugen. Die MOPO stellt die gigantischen Visualisierungen und Pläne vor.
Wer die beiden vorläufigen Siegerentwürfe anschaut, dem wird klar: Rund um den Altonaer Bahnhof soll kein Stein auf dem anderen bleiben. Vielleicht fällt es deshalb sogar täglichen Nutzern des Bahnhofs auf den ersten Blick schwer, die Visualisierungen sofort ins bestehende Stadtbild einzuordnen.
Diese Bedingungen gab es für den Umbau des Bahnhof Altona
Für die fünf Architekturbüros gab es im Vorfeld einige Rahmenbedingungen: So musste unter anderem ein neuer und größerer Busbahnhof in den Planungen mitgedacht werden. Der muss aber nicht zwingend an seinem alten Standort am Paul-Nevermann-Platz bleiben. Außerdem wird die Rampe, die vom S-Bahnhof in Richtung Platz der Republik führt, auf jeden Fall verschwinden.
Mitgedacht werden musste statisch auch der denkmalgeschützte Schellfischtunnel, der vom Bahnhof Altona bis zu den unterhalb des Geesthangs an der Elbe gelegenen Gleisanlagen der ehemaligen Altonaer Hafenbahn führt. Unberührt von den Planungen sollten die S-Bahn-Gleise und das Intercity-Hotel bleiben.
Das ist der erste Gewinner-Entwurf für den neuen Bahnhof Altona
Der erste Entwurf, der die Jury unter Vorsitz des renommierten Architekten Stefan Behnisch überzeugt hat, stammt vom dänischen Architekturbüro „C.F. Møller Architects“ in Zusammenarbeit mit den Züricher Landschaftsplanern von „Vogt Landschaft“. Dieser Entwurf setzt auf mehrere Neubauten und einen Boden in Rotklinker-Optik.
Der neue Busbahnhof soll hier direkt neben die S-Bahn-Gleise verlegt werden, wo heute noch ICE und Regionalzüge halten. Letztere sollen (wenn alles klappt) ab Ende 2029 zum neuen Fernbahnhof am Diebsteich umziehen. Dieser Termin wurde allerdings schon mehrfach verschoben. Direkt neben dem neuen Busbahnhof sehen die Architekten eine riesige, parkähnliche Grünfläche vor.
Auf der Fläche des heutigen Busbahnhofs am Paul-Nevermann-Platz soll stattdessen ein großer Platz mit Cafés, Bäumen und einer Wasserstelle in der Mitte entstehen. Rechts und links davon stehen zwei große Neubauten mit Platz für zum Beispiel Wohnungen, Sport und Freizeit, Bildungseinrichtungen, Kitas, Gastro, Büros oder Einzelhandel.
Das ist der zweite Gewinner-Entwurf für den Bahnhof Altona
Die Jury entschied sich ebenfalls für den Entwurf des Architekturbüros „Team Noto“ aus Hamburg in Zusammenarbeit mit den Berliner Landschaftsarchitekten von „Studio Erde“. Diese setzen weniger auf Neu-, sondern auf Umbau der bestehenden Gebäude. Das heutige Bahnhofsgebäude wird zu einem bislang nicht näher definierten „Stadthaus“ inklusive einem Vorplatz mit Sitzmöglichkeiten.
Der Busbahnhof bleibt hier an seinem ursprünglichen Platz, wird aber saniert und nach Süden erweitert, wo sich heute noch die Fußgänger-Rampe von der S-Bahn in Richtung Platz der Republik befindet. Das Auto-Parkhaus neben dem Bahnhofsgebäude wird ebenfalls umgestaltet: Auf der Visualisierung ist auf dem obersten Deck ein Markt mit Ständen zu erkennen. Dort, wo heute noch die Regios und ICEs halten, haben die Architekten einen großen Park eingeplant.
„Aus fünf guten Beiträgen werden wir zwei sehr unterschiedliche Arbeiten vertiefen, die beide das Potenzial haben, dem Zentrum Altonas eine neue Identität zu geben“, sagt Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing, der ebenfalls in der Jury saß. Laut Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) werden die beiden Entwürfe jetzt auf Umsetzbarkeit geprüft. „Hierbei sollen auf meinen Vorschlag hin in beiden Entwürfen mindestens 400 Wohnungen direkt am Zentrum ermöglicht werden“, kündigt er an.
So geht es jetzt weiter – Arbeiten werden öffentlich ausgestellt
Sicher ist bislang, dass auf dem frei werdenden Gleisfeld des heutigen Kopfbahnhofs in Altona ab 2030 der zweite Teil des Quartiers Neue Mitte Altona entsteht. Rund 1900 Wohnungen sind dort geplant. Der unterirdische S-Bahnhof bleibt erhalten, während die Regional- und Fernzüge ab Ende 2029 am neuen Fernbahnhof Diebsteich halten sollen. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass so ab den 2030er-Jahren mit dem Umbau des Altonaer Zentrums begonnen werden kann.
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Alle Wettbewerbsarbeiten werden in den kommenden Wochen öffentlich ausgestellt: Zum einen im Rathaus Altona vom 18. Mai bis zum 5. Juni, montags bis freitags jeweils von 8 bis 20 Uhr. Zum anderen an drei ausgewählten Tagen im „Mitmachladen“. Dieser befindet sich im Erdgeschoss des Altonaer Bahnhofsgebäudes, gegenüber Gleis 11/12 (ehemalige „Arko“-Filiale) und ist geöffnet am Dienstag, den 21. April (15 bis 19 Uhr), am Donnerstag, den 23. April (15 bis 19 Uhr) und am Samstag, den 25. April (11 bis 15 Uhr).