Giftköder adé: Neues Verbot kann vielen Hunden und Katzen das Leben retten
Hundehalter kennen das gefährliche Problem: Bisher konnte jeder private Kunde einfach so im Baumarkt oder im Internet für recht wenig Geld Rattengift kaufen und es auslegen. Ein neues Gesetz erschwert es jetzt, an solche Giftköder heranzukommen. Kunden werden die Veränderung bald im Baumarkt zu spüren bekommen. Die MOPO fragte beim Hamburger Tierschutzverein und bei Obi nach.
Wer in Zukunft Probleme mit Ratten oder Mäusen hat, der muss erst einmal einen Schädlingsbekämpfer ins Haus rufen und den Befall prüfen lassen. Denn Privatpersonen dürfen bald nicht mehr selbst zum Gift greifen. Die EU verbietet ihnen den Gebrauch sogenannter Rodentizide ab Sommer. Diese Mittel nutzen Gerinnungshemmer, sodass die Nager qualvoll innerlich verbluten. Daher werden sie in den Baumärkten nicht mehr verkauft und auch online wird es schwierig.
Rattenköder lassen Tiere langsam innerlich verbluten

Die MOPO fragte bei Obi nach. Aus der Pressestelle heißt es: „Das Verkaufsverbot wird zur Folge haben, dass Privatanwender keinen Zugang mehr zu den fraglichen Produkten haben werden, sondern die betreffenden Rodentizid-Sortimente ausschließlich Fachanwendern vorbehalten bleiben.“ Im Klartext: Nichts geht mehr ohne Schädlingsbekämpfer, die fachmännisch mit den Giften umgehen. Und die sind teuer, nehmen ein paar hundert Euro für eine Maßnahme.
Tierschützer sprechen von einem großen Erfolg. So komme es hoffentlich zu weniger Vergiftungen von Hunden, Katzen und Greifvögeln. Denn die Gerinnungshemmer im Gift wirken bei den Nagern nur mit Verzögerung, die Tiere werden zunächst langsamer, können aber noch tagelang überleben. In dieser Zeit sind sie leichte Beute für Hunde, Katzen und Greifvögel, die dann schwere Vergiftungen erleiden und daran sterben können.
Giftköder gegen Ratten: für Privatleute bald verboten
Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) hat eine klare Position zum Verbot: „Rattengift gehört nur in fachkundige Hände – und sollte, wenn überhaupt, nur so eingesetzt werden, dass es keine Gefahr für Menschen und andere Tiere darstellt. Daher begrüßen wir das Verbot für Privatleute sehr“, sagt die HTV-Vorsitzende Janet Bernhardt.
Gerade in Haus und Hof lasse sich mit präventiven Maßnahmen viel gegen unerwünschte Nager ausrichten: Futter fest verschlossen halten, Abfälle stets entsorgen, Essensreste im Kühlschrank lagern und Schlupflöcher und Ritzen verschließen.
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Ende 2025 wurde bei mehreren tot aufgefundenen Rotmilanen in Lübeck und im Kreis Plön Rattengift nachgewiesen. Laut Landesamt für Umwelt und Rotmilan-Projekt Schleswig-Holstein haben sich die Greifvögel vergiftet, weil sie im Rahmen einer legalen Rattenbekämpfung vergiftete Tiere gefressen haben.
Die Gesetzesänderung sollte in Deutschland ursprünglich bereits zum Jahresbeginn greifen und wurde nun auf Juli verschoben. Wer dann ein echtes Rattenproblem hat, der muss tiefer in die Tasche greifen. Statt für 30 Euro Rattengift im Baumarkt zu kaufen, müssen Hausbesitzer ein paar Hundert Euro für einen professionellen Schädlingsbekämpfer ausgeben. Die Kommunen selbst sind davon aber ausgenommen.
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