Gewalt, Drogen, Suizidversuche: Lage im Kinder- und Jugendnotdienst eskaliert
Dramatische Lage beim Kinder- und Jugendnotdienst KJND: Bedrohungen, Körperverletzungen, Übergriffe auf Betreuer, gar Suizidversuche – eine Anfrage der Linken bringt erschütternde Zahlen ans Licht. 350 „Vorkommnisse“ hat die Einrichtung an der Feuerbergstraße in diesem Jahr bereits gemeldet, 280 mal rückte die Polizei an – an manchen Tagen mehrmals. Erst kürzlich hatte eine Gruppe Mädchen aus der Feuerbergstraße im Kinderkrankenhaus Altona randaliert. Und ein elfjähriger Junge aus der Einrichtung sorgt als Serieneinbrecher für Schlagzeilen. Die Linke spricht von einer „katastrophalen Lage“.
Der Job der pädagogischen Fachkräfte ist hart: Alleine im Juni sei es in der Einrichtung an der Feuerbergstraße (Alsterdorf) zu 19 Übergriffen auf Betreuer gekommen, schreibt der Senat auf Anfrage der Linken. Dazu kommen zahlreiche Körperverletzungen (etwa 70) in diesem Jahr, Drogenmissbrauch (allein im Juni 23 Fälle), Sachbeschädigungen, Überfälle. Aber auch unter den jungen Bewohnern ist der Druck enorm: Im ersten Halbjahr gab es fünf Suizidversuche, ständig versuchen Jugendliche, aus der Einrichtung in Alsterdorf wegzulaufen. Der elfjährige Serieneinbrecher, untergebracht als minderjähriger Flüchtling, soll mehr als 100 Mal entwischt sein.
Die meisten Bewohner sind unbegleitete Flüchtlinge
Er ist kein Einzelfall: Mehr als die Hälfte der untergebrachten Kinder und Jugendliche sind minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, zumeist Jungen, die in Containern auf dem Gelände leben. Um diese Jugendlichen in weiterführende Einrichtungen zu vermitteln, brauchen sie einen Amtsvormund – den viele aber nicht haben. Dazu kommt die desolate Personallage: vier Betreuer sind langzeiterkrankt, zwölf pädagogische Vollzeitstellen sind unbesetzt – und es gibt keine einzige Bewerbung auf diese freien Stellen.
Außerdem ist die Einrichtung überbelegt: Auf 102 Plätzen sind zwischen 114 und 120 Kinder und Jugendliche untergebracht. Die genaue Zahl wird aus Datenschutzgründen nicht genannt. Unter den jüngeren Bewohnern befinden sich auch wenige in Obhut genommene Kinder unter zwölf Jahren, für die eigentlich die Unterbringung in den kleineren Kinderschutzgruppen vorgesehen ist. Die Inobhutnahme ist eine Notmaßnahme, um Kinder schnell aus den Familien zu holen, wenn akute Gefahr droht. Sie sollen möglichst schnell von der Feuerbergstraße in andere Einrichtungen umziehen. Tatsächlich aber bleiben die Kinder einen Monat, Jungen im Schnitt sogar zwei Monate dort. Die längste Verweildauer betrug 13 Monate.
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Sabine Boeddinghaus, familienpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, ist „fassungslos über das Schweigen des Senats“. Die Lage in der Feuerbergstraße sei „katastrophal“: „Statt dieser Masseneinrichtung brauchen wir eine dezentrale Jugendhilfe, direkt im Sozialraum der Kinder. Es gibt genug fundierte Konzepte aus der Fachwelt zu der Frage, wie das gelingen kann. Ich frage mich, was im KJND noch alles passieren muss, damit sich etwas verändert.“