Gewalt, Diktatur & Gebärmaschinen: So düster sieht sie Hamburgs Zukunft
Hamburg, in 30 Jahren. Auf den Straßen skandieren Nazis ihre Parolen, Polizisten schießen auf Demonstranten und Frauen sind nur noch Gebärmaschinen: Dieses düstere Bild zeichnet die Autorin Nora Burgard-Arp aus Ottensen in ihrem Debütroman „Wir doch nicht“. Erschreckend ist, wie viel von unserer Gegenwart in dieser Dystopie mitschwingt, denn inspiriert wurde die Autorin vom Wahlprogramm der AfD.
Was passiert, wenn eine rechtsradikale Partei – in diesem Fall die LfD („Lösungen für Deutschland“) – in der Bundesrepublik an die Macht kommt, schildert Nora Burgard-Arp eindrucksvoll in ihrem Roman. Es ist ein schleichender Prozess: Langsam werden Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Land gedrängt, die Digitalisierung soll gestoppt und sogar umgekehrt werden und Frauen wird das Recht zu arbeiten abgesprochen. Burgard-Arp hat ihre Geschichte etwa 30 Jahre in die Zukunft verlegt, und sie arbeitet immer wieder mit Rückblenden, die die stetige Radikalisierung der politischen Lage zeigen.
Frauen sollen sich in dieser Zukunft um den Haushalt kümmern und vor allem möglichst viele Kinder bekommen. Auf Abtreibung steht lebenslange Haft. Doch die Protagonistin Mathilda will kein Kind bekommen – und greift zu einem Kleiderbügel.
Buch-Idee kam beim Lesen des AfD-Wahlprogramms
„Die Idee für das Buch hatte ich beim Lesen des AfD-Wahlprogramms zur Bundestagswahl 2017“, sagt die 37-jährige Nora Burgard-Arp, die Germanistik, Anglistik und Philosophie in Köln und Journalismus in Hamburg studiert hat und als Journalistin unter anderem für ZEIT Online schreibt. „Vor allem die Pläne zur Migrations-, Bildungs- und Familienpolitik haben mich schockiert. Die Positionen habe ich nach und nach weiterentwickelt und radikalisiert, sodass das Buch jetzt eine Warnung vor dem ist, was bei einem Erstarken der AfD mit Deutschland passieren könnte.“
Mathildas Ehemann profitiert enorm von den politischen Entwicklungen und steigt als Lehrer auf. Und so wird der anfangs liberale Demokrat zum Mitläufer und fängt an, mit der Ideologie zu sympathisieren. „Dieses Wegschauen ist besonders gefährlich“, sagt Nora Burgard-Arp. „Und das können wir auch jetzt schon beobachten. Corona-Leugner? Trans-Menschen, die zu Tode geprügelt werden? Faschismus in Italien? Wir denken uns: Wird schon nicht so schlimm werden. Wir doch nicht.“
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„Wir doch nicht“ von Nora Burghard-Arp: eindrucksvoller Debütroman
In dem Buch werden Regime-Gegner schließlich von der Polizei niedergeschossen, Mathilda wird von Ärzten verfolgt, die ihr den illegalen Schwangerschaftsabbruch nachweisen wollen, ihre Nachbarin wird von Sicherheitskräften weggesperrt.
Was passiert, wenn Faschisten an die Macht kommen, was passiert, wenn staatlich verordnetes Misstrauen in eine Gesellschaft einsickert, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt. Ob ihr entworfenes Szenario wirklich in dieser drastischen Form Realität werden kann, sollen Politikwissenschaftler oder Zukunftsforscher entscheiden, sagt Nora Burgard-Arp. Sie wolle die Menschen nur vor Naivität warnen. Und damit will sie weitermachen: Für die nächsten Bücher gibt es bereits Ideen.