Von Winddieben und einem Urlaubsproblem

Campingplatz auf Rügen
Ein Campingplatz auf Rügen (Symbolfoto)

In die Timeline meiner Facebook-Seite wurden mir direkt hintereinander zwei Beiträge gespült, die zu einer Frage führen. Der erste war eine blaue „Wut-Kachel“ eines Kreisverbandes der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, der „Wind-Klau auf Hoher See“ beklagt. Kein eigenartiger Humor, das stand da wirklich, ohne einen Hauch Ironie: „Wind-Klau auf Hoher See“!

Es ging um Offshore-Windparks, die in der Interpretation der AfD irgendwem den Wind stehlen und überhaupt „desaströs“ sind. Wer kennt sie nicht, diese miesen, gemeinen Winddiebe! Was davon zu halten ist, regenerative Energie sogar inmitten der größten fossilen Energiekrise seit Jahrzehnten zu bekämpfen – das mag jeder selbst überlegen, der in der Lage ist, einen Klodeckel eigenständig hochzuklappen.

Der zweite Beitrag war ernster: Die völkisch-nationalistische AfD führt in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin in den Meinungsumfragen zur Landtagswahl im Herbst. Womit wir bei der Frage wären – dem Thema Urlaub.

Eigentlich könnte dieser Sommer wegen der Politik von Trump und Netanjahu und Putin ein Fest für den Tourismus an der deutschen Küste sein, nach zuletzt eher mauen Jahren. Denn wohin soll man reisen? In die USA, mit Aussicht, wegen eines Trump-Scherzes oder Kritik im Abschiebeknast zu landen? Fernreisen scheiden aus, weil man nicht weiß, ob der nächste Krieg oder eine Kerosin-Krise den Urlaub von zwei Wochen auf zwei Monate verlängern.

Stefan Krücken
Stefan Kruecken

Der Autor: Stefan Kruecken, Jahrgang 1975, leitet mit seiner Frau Julia den von ihnen gegründeten Ankerherz Verlag (www.ankerherz.de). Vorher war er Polizeireporter für die „Chicago Tribune“, arbeitete als Reporter für Zeitschriften wie „Max“, „Stern“ und „GQ“ von Uganda bis Grönland. Sein neues Buch „Das muss das Boot abkönnen“ gibt es im MOPO-Shop unter mopo.de/shop. Weitere Bücher gibt es im Ankerherz-Shop – zum Beispiel „Das kleine Buch vom Meer – Helden“ oder „Mayday – Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze“.

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Bleibt als Alternative das Meer vor der Tür, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel Rügen. Ich mag die Insel. Doch als ich zuletzt dort war, fühlte ich mich äußerst unwillkommen. In Speisekarten von Restaurants, in denen ich eigentlich nur Fisch essen wollte, las ich politische Botschaften für „Bar-Zahlung“ und gegen „unsere tolle Regierung“.

Auf Heckscheiben zu vieler Autos klebten Botschaften von „Widerstand“ in Frakturschrift, Reichskriegsflaggen baumelten in Vorgärten, und ein Kiosk an einer Strandpromenade in Binz wies ein Sortiment an Zeitschriften auf, das wirkte, als habe der Betreiber direkt beim Verfassungsschutz bestellt.

Dabei blühen die Orte, verglichen mit dem Zustand nach dem Fall der Mauer allemal, auch dank üppiger EU-Fördermittel. Auch dank vieler Fremder, die bislang auf der Insel Urlaub machten. Bei der Bundestagswahl stimmte dennoch fast jeder Zweite für eine Partei, die Fremde nicht mag.

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Möchte ich dort meinen Urlaub verbringen? Möchte ich Geld ausgeben bei Menschen, die mir ansonsten nahelegen, mit meiner Familie „anderswo politisches Asyl“ zu beantragen und das Land zu verlassen?

Vielleicht fahren wir mit Kindern und Hund in die Niederlande und hocken uns in Noordwijk in eine Strandbar. Oder wir schauen in der Normandie vorbei, sofern es noch Sprit gibt. Oder wir bleiben dieses Jahr einfach zu Hause.