Geschichten vom Meer
Seehund-Ranger: Helgolands Vermittler zwischen Wildtieren
Seehund-Ranger Michael Janßen ist Mediator zwischen Kegelrobben und Seehunden auf der einen und den Touristen auf der anderen Seite. Was ihn am meisten ärgert.
Der Ranger wartet am Anleger und für einen Augenblick überlege ich, ob das Börteboot eine ganz andere Abfahrt im Raum-Zeit-Kontinuum genommen hat. Der Guide trägt einen Cowboyhut, eine Pilotenbrille, den Bart zum Hufeisen rasiert, silberne Ohrringe, dazu Hemd und Hose in Khaki. Ein Texas-Ranger?
„Willkommen auf Helgoland“, sagt Michael Janßen, der Dünenranger.
Auf seinem Ärmel steht „Seehundjäger Schleswig-Holstein“, doch die Bezeichnung führt in die Irre. Jäger ist Janßen nicht. Er schießt nur im Notfall, wenn ein verletztes oder krankes Tier nach langer Beobachtung von Qualen erlöst werden muss. Er ist so etwas wie ein Mediator zwischen verschiedenen Gattungen von Wildtieren, die Ruhe suchen: Kegelrobben und Seehunde auf der einen, Touristen auf der anderen Seite.
Seehunde sind im Wasser bis zu 40 km/h schnell
Das Problem wird klar, als wir nach einem kurzen Spaziergang am Strand ankommen. Urlauber fläzen sich in Körben und zwei große Robben im Sand, an einer Stelle, an der sie eigentlich nicht liegen sollten, weil hier der vorgesehene Raum für Touristen ist. Wildtiere halten sich eher selten an Hinweistafeln und Flatterband. In diesem Fall muss der Ranger nichts unternehmen: Wie auf Kommando, als hätten sie den Cowboyhut gesehen, machen sie sich auf in die See.
„Im Meer sind sie bis zu 40 km/h schnell“, erklärt Janßen, „und an Land schaffen sie auch Tempo 20.“ Die meisten Touristen wären also leichte Beute für Deutschlands größte Raubtiere. Bis zu 300 Kilo werden sie schwer, bis zu 2,60 Meter lang. Gebissen werden möchte man nicht.
Robert Habeck entschied: Seehunde-Schilder dürfen bleiben
Genau hier liegt das Problem für den Ranger, der ahnt, wie groß das Geschrei bei einem Unfall wäre. Ihn ärgert ohnehin, was über die Tiere berichtet wird: Dass sie den Fischern den Fang wegfressen und den Gästen den Platz wegnehmen, weil die Population stark gewachsen ist. 1968 Tiere, die unter Schutz stehen, lebten laut einer Zählung im Winter auf der Insel. „Es ist genug Platz für alle da“, meint Janßen.
Als er vor einigen Jahren ein Schild aufstellte, das den Grund für den Sicherheitsabstand von 30 Metern illustrieren sollte – das Foto zeigte eine Robbe mit weit aufgerissenem Maul und scharfen Zähnen –, gab es Ärger mit der Lokalpolitik. „Zu abschreckend!“, hieß es. Der Streit eskalierte, bis sich der damalige Umweltminister Schleswig-Holsteins einschaltete. Robert Habeck entschied: Die Schilder bleiben.
Seehunde-Ranger: Miteinander auf Düne muss gepflegt werden
Dabei wäre doch allen geholfen, wenn es gelingt, das Miteinander auf der Düne zu pflegen. „Helgoland hat einfach großartige Natur zu bieten“, schwärmt Janßen, der hier seit 1993 zu Hause ist. Eine echte Chance für Deutschlands einzige Hochseeinsel, die derzeit mit einigen Problemen zu kämpfen hat.
Auch im Winter, sonst die einsame Zeit, reisen immer mehr Gäste an, um die neugeborenen Robbenbabys zu beobachten. Dafür wurde ein eigener Weg samt Aussichtspunkt angelegt. Damit niemand auf der Jagd nach süßen Fotos übertreibt, dafür gibt es auf der Insel einen Mann: den Ranger.
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