„Wir sind überall. Wir werden dich finden und töten“ – Vermieter bedrohte Mieter

Man schaut durch zwei Beine auf eine am Boden kauernde Person, die ihr Gesicht mit den Händen schützt.
Mehrere Opfer berichteten, dass sie von Cedric S. und seinen zwei Komplizen fast 30 Minuten geschlagen wurden. (Symbolbild)

Gemeinsam mit zwei gewaltbereiten Komplizen hat Cedric S. (36) im Jahr 2019 mehrere Untermieter in einer Wohnanlage in der Wilstorfer Straße in Harburg bedrängt. Die Opfer schilderten, dass sie fast eine halbe Stunde lang verprügelt wurden und der Vermieter sie mit Pistolen, Messern und Zangen bedroht habe. Jetzt stand der 36-Jährige vor dem Amtsgericht Harburg und gab sich reuig.

C. sitzt im Saal des Amtsgerichts zurückgelehnt auf dem Stuhl, in ordentlichem Hemd, die Miene entspannt. Er ist gelernter Hotelfachmann und hat als solcher mehrere Jahre gearbeitet. Schließlich macht er sich mit seinem Vater selbstständig. Das Geschäftsfeld: Wohnraum vermieten – teils zu horrenden Preisen. In der Wilstorfer Straße mieten sie mehrere Wohnungen an und vermitteln die Zimmer einzeln weiter. Häufig an Menschen mit Migrationshintergrund, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben.

Opfer schildert Gewalt

Die Staatsanwaltschaft wirft Cedric S. Betrug, Bedrohung und gefährliche Körperverletzung in mehreren Fällen vor. 12- bis 15-mal habe er einem Mieter in dessen Zimmer ins Gesicht geschlagen, während dieser von zwei Mittätern festgehalten wurde. Es gibt mehrere Opfer, die in einem Zeitraum von sechs Monaten Anzeige gegen Cedric S. erstattet haben. Eines der Opfer sagt als Zeuge aus.

Mohamed A. wirkt unruhig, als er den Saal betritt. Er nimmt neben einer Dolmetscherin für Somali Platz und beginnt zu erzählen. A. kommt ursprünglich aus Somalia, arbeitet in Winsen für Amazon und war auf der Suche nach einer Wohnung. Über einen Kontakt kommt er an Cedric S. Der bietet ihm ein Zimmer in einer Wohnung in Harburg an. 10 Quadratmeter für 430 Euro monatlich. Sieben Menschen wohnen insgesamt in der Wohnung, teilen sich Dusche, Klo und Küche.

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Am Morgen des 15. März 2019 schläft Mohamed A. noch, als es plötzlich an seiner Zimmertür klopft. Er öffnet und vor ihm stehen Cedric S. und zwei Handlanger. „Ich habe gefragt, was los ist. Sie meinten nur: Du musst jetzt zahlen.“ Die Miete sei immer am 15. in bar an den selbst ernannten „Vermieter“ Cedric S. zu geben. Doch an dem Morgen hat Mohamed A. noch kein Bargeld abgehoben, er hatte Nachtschicht. Das scheint Cedric S. nicht zu gefallen und die Situation eskaliert.

Mohamed A.: „Ich stehe immer noch unter Schock“

„Ich wurde mehrfach geschlagen. Sie haben mir ein Messer an den Hals gehalten und er hat mir eine Pistole auf die Brust gesetzt“, beschreibt Mohamed A. die Szene mit brüchiger Stimme. Man habe ihm das Handy abgenommen und ihn gezwungen, das Geld sofort zu besorgen. Die drei Angreifer führten A. zu einem Bankautomaten, ließen ihn die Monatsmiete abheben und gaben ihm erst später sein Handy zurück.

Mohamed A. habe starke Schmerzen im Oberkörper gehabt, schleppte sich an dem Tag aber dennoch zur Arbeit. Sein Arbeitgeber schickt ihn nach kurzer Zeit ins Krankenhaus. „Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt er – knapp sechs Jahre später. Er erstattete Anzeige, bat aber die Beamten, seine Vermieter nicht zu informieren. „Ich hatte Angst, dass die Männer zurückkommen“, sagt er. Mittlerweile wohnt A. nicht mehr in der Wilstorfer Straße, doch die Erinnerungen sind geblieben.

Ähnliches hat Cedric S. laut Anklage auch bei anderen Opfern durchgezogen: Einen Mieter drohte er zu töten, sollte dieser zur Polizei gehen, nachdem er vermöbelt wurde. Dabei habe S. dem Opfer eine Zange an einen Finger gehalten. Ein anderes Opfer sei erst mit einer ausländerfeindlichen Aussage von einem von S. Leuten bedroht – und danach ins Gesicht geschlagen worden. Mehrere Männer schilderten, dass der „Vermieter“ sie rund 30 Minuten geschlagen und getreten habe. Einem anderen Mieter drohte S.: „Wir sind überall. Wir werden dich finden und töten.“

Cedric S. entschuldigt sich bei Mohamed A.

Seine Taten, so der Angeklagte, bereue er. Durch seinen Verteidiger lässt er verkünden, dass er die Fälle der Anklage einräumt. Auch bei Mohammed A. möchte er sich entschuldigen. Dieser wirkt verwirrt, nimmt aber die Entschuldigung (einen Händedruck und ein kurzes: „Es tut mir leid“) an.

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Von dem Amtsgericht Harburg wird Cedric S. zu einem Jahr und 11 Monaten auf Bewährung verurteilt. Dass er die Taten gestehe und sich reuevoll zeige, habe sich strafmildernd ausgewirkt, so der Richter.