„Wildes Rumgeballer“ auf dem Steindamm: Am Schluss wird im Gericht fröhlich gewunken
Drei Männer sitzen in einer Shishabar am Steindamm. Einer hat einen Revolver dabei, ein zweiter steckt sich eines der Besteckmesser in die Tasche. Sie warten, beobachten einen Mann, der nicht an ihrem Tisch sitzt. Als er aufsteht, folgen sie ihm. Kurze Zeit später fallen draußen auf der Straße mindestens vier Schüsse. Der Schütze Ahmed A. ist bereits verurteilt, von „Rumgeballer wie im Wilden Westen“ war die Rede. Jetzt sind seine mutmaßlichen Mittäter dran.
In weißem Hemd sind Ibrahim E. (38) und Yousif H. (36) am Dienstag zu ihrem Prozessauftakt erschienen. Die beiden Männer kommen aus der Untersuchungshaft. Am 30. Januar sind sie festgenommen worden, fast zwei Jahre, nachdem sie auf dem Steindamm (St. Georg) versucht haben sollen, Bashir H. (Name geändert) zu töten.
Prozess um Schießerei am Steindamm – Angeklagter soll Besteckmesser gezückt haben
Der vierte Mann in der Geschichte ist Ahmed A. Er trug den Revolver bei sich und feuerte mindestens vier Schüsse auf das Opfer ab. Im April 2025 wurde er bereits zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Während der Verkündung sprach die Richterin von „Rumgeballer wie im Wilden Westen“.
Nun sind gut ein Jahr später die mutmaßlich anderen beiden Täter an der Reihe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Totschlag vor. Am 31. März 2024 sollen sie gegen 4.30 Uhr morgens auf dem Steindamm in einer Shishabar auf das spätere Opfer getroffen sein. Gemeinsam mit Ahmed A. folgten sie ihm aus dem Lokal, so der Vorwurf. Zuvor soll einer der Angeklagten ein Besteckmesser mitgehenlassen haben.
Das Ganze soll keine Handlung im Affekt, sondern geplant gewesen sein. Es gab wohl schon länger Unstimmigkeiten zwischen Bashir H. und Ahmed A., vermutlich wegen Drogengeschäften. In dem Prozess von Ahmed A. ließ sich nichts Näheres feststellen. Die meisten Zeugen schwiegen, aus Angst oder weil sie das Rechtssystem ablehnten.
An der Straße fielen die Schüsse
Zurück zur Tatnacht im März 2024: Draußen wurde das Opfer in ein Streitgespräch verwickelt, in dessen Verlauf das Messer gezückt wurde. Bashir H. schlug zu, dann schoss Ahmed A. laut Anklage mindestens viermal auf ihn. Eine Kugel verfehlte die Lunge knapp und blieb in der Leber stecken. Zudem erlitt er einen Oberarmdurchschuss, Verletzungen an der Hüfte, am Oberschenkel und im Gesäßbereich.
Die Täter flüchteten, das Opfer schleppte sich in Richtung Hauptbahnhof, wo es zusammenbrach – seinen herbeieilenden Begleitern befahl er, nichts zu sagen. Wegen seiner lebensgefährlichen Verletzungen musste Bashir H. noch am selben Tag in der Asklepios Klinik St. Georg notoperiert werden.
Angeklagte sagen zum Prozessauftakt kein Wort
In dem Prozess, der jetzt am Dienstag gegen Ibrahim E. und Yousif H. gestartet ist, zeigen sich die Angeklagten wortkarg. Ruhig sitzen sie neben ihren Verteidigern, den Rücken dem Publikum zugewandt. Noch ist unklar, ob, wann und in welchem Maße Einlassungen folgen werden. Der Verteidiger von Yousif H. erklärt, zum nächsten Termin am 16. Juni solle ein Opening Statement folgen.
Am selben Tag ist auch der bereits verurteilte Ahmed A. als Zeuge geladen. Das Opfer tritt vor Gericht als Nebenkläger auf, doch persönlich erscheinen wird der Mann nicht, so sein juristischer Vertreter.
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Der erste Prozesstag ist bereits nach 30 Minuten beendet. Langsam stehen die Angeklagten auf, ihre Blicke suchen das Publikum. Eine Frau, die gerade dabei ist, den Saal zu verlassen, lächelt ihnen zu, hebt die Hände und winkt. Yousif H. winkt fröhlich zurück. Dann wird er gemeinsam mit Ibrahim E. zurück in die U-Haft geführt.