Wegen lauter Musik: Streit unter Nachbarn eskaliert – Mann verblutet im Treppenhaus
Laute Musik dröhnt durch das Treppenhaus an der Bramfelder Chaussee. Einem Bewohner in der zweiten Etage reicht es. Er will seinen Nachbarn zur Rede stellen. Doch Carsten F. (Name geändert) erwartet ihn bereits – mit Pfefferspray und einem 28 Zentimeter langen Küchenmesser. So steht es in der Anklage, die am Freitag zum Prozessauftakt verlesen wurde. Noch ist unklar, ob der Angeklagte überhaupt für die Tat verantwortlich gemacht werden kann.
Carsten F. nimmt neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank Platz. Auf den ersten Blick wirkt er eher wie ein Anwalt als wie ein Angeklagter: Durch seine schwarze Lesebrille studiert er noch behutsam einige Unterlagen. Er trägt ein blaugraues Sakko, darunter ein Hemd, die grau-schwarzen Haare sind ordentlich gescheitelt. Nichts an seinem Auftreten deutet auf die brutale Tat hin, die Carsten F. begangen haben soll.
Carsten F. wegen Mordes vor Gericht
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 30. Juni einen Menschen heimtückisch umgebracht zu haben. Gegen 22 Uhr dreht er in seiner Wohnung in der Bramfelder Chaussee damals die Musik auf – angeblich mit dem Ziel, seinen Nachbarn aus dem Stockwerk über ihm nach unten zu locken. Als dieser um 22.17 Uhr bei Carsten F. klingelt, soll der 49-Jährige ihn zunächst mit Pfefferspray attackiert haben. Danach soll er seinem Opfer mit einem 28 Zentimeter langen Küchenmesser in den Oberkörper gestochen haben.
Nachbar stirbt noch im Treppenhaus
Der Nachbar versucht, sich zurück in seine Wohnung zu retten. Doch der 54-Jährige bricht noch im Treppenhaus zusammen und stirbt. Bei dem Messerangriff werden sowohl die Leber, als auch die Bauchschlagader getroffen. Nachbarn entdecken die Leiche gegen 1 Uhr im Treppenhaus und rufen die Polizei.
Der Angeklagte wird am Nachmittag des 1. Juli festgenommen. Er soll zu dem Tatzeitpunkt allerdings nicht schuldfähig gewesen sein. Laut Staatsanwaltschaft leidet er an paranoider Schizophrenie. Die Öffentlichkeit werde in dem Sicherungsverfahren daher bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen, verkündet der Richter nach Anklageverlesung. Damit endet der erste Verhandlungstag.
Prozess wird am 14. Januar fortgesetzt
Carsten F. steht auf, greift nach seinem Brillenetui und verstaut es vorsichtig in seiner Jackeninnentasche. Dann führt ein Justizbeamter ihn zurück in Untersuchungshaft.
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Die Verhandlung wird am 14. Januar fortgesetzt, dann wird sich der Angeklagte voraussichtlich selbst zu den Vorwürfen äußern.