Gericht

„Warum lachen Sie?“: Kurioser Diebstahlprozess vor dem Landgericht gestartet

Der Angeklagte sitzt mit einer roten Mappe vor dem Gesicht im Amtsgericht.
David T. muss sich wegen verschiedener Diebstähle und Einbrüche vor dem Landgericht verantworten.

David T. ist des Diebstahls und Einbruchs angeklagt. Er soll unter anderem teure Uhren geklaut haben. Vor Gericht herrscht gute Stimmung.

Halbherzig hält sich David T. eine rote Mappe vor das Gesicht. Entgegen der Logik, sich von der Kamera wegzudrehen, schaut er suchend zur Fotografin. Auf Rat seines Verteidigers hebt der 31-Jährige schließlich die Mappe etwas höher, große Augen verschwinden hinter dem Rot. „Steht dir“, witzelt der Verteidiger. Im Saal wird noch einige Male gelacht werden – trotz der Brutalität der Taten, die dem Angeklagten vorgeworfen werden.  

Es sind nur rund 25 Minuten, die David T. neben dem gut gelaunten Juristen sitzt. Lange wird der erste Prozesstag im Landgericht für ihn nicht dauern.

Der Saal liegt im Erdgeschoss, draußen haben die Block-Fans Stellung bezogen. Mit großem Banner stehen sie vor dem Gericht, solidarisieren sich mit Christina Block. Ihr Fall zieht deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als der von David T. Nur zwei Reporter sitzen bei ihm im Zuschauerraum, sonst herrscht gähnende Leere auf den Stühlen.

David T. ist des schweren Raubs sowie des Wohnungseinbruchsdiebstahls angeklagt. Zwischen dem 20. Oktober 2025 und dem 13. Dezember 2025 soll er in mehrere Wohnungen eingebrochen sein. 

Bei einem Einbruch griff David T. wohl zum Gehstock

Am 20. Oktober soll der Angeklagte gegen 4.30 Uhr in ein Männerwohnheim an der Wetternstraße in Harburg eingebrochen sein. Dafür stieg er durch ein offenes Fenster in den Sanitätsräumen, durchsuchte die Gemeinschaftsküche und öffnete schließlich die Zimmertür eines Mannes, der gerade am Schlafen war, so schildert es die Staatsanwältin. 

Satellitenansicht auf die Wetternstraße in Harburg.
In der Wetternstraße soll der Angeklagte durch ein offenes Fenster in den Sanitätsräumen in das Haus gekommen sein.

Der Mann sei allerdings durch David T. wach geworden und hätte die Tür zugetreten. Das habe den Angeklagten allerdings nicht abgehalten. Er öffnete erneut die Tür, schlug mit dem Gummiknauf eines halben Gehstocks auf den Kopf des Anwohners und stahl seine Schlüssel und Armbanduhr, so geht es aus der Anklage hervor.

Auch soll David T. in eine Wohnung in Harburg und in ein Mehrfamilienhaus in Wilstorf eingebrochen sein. Bei Letzterem soll er mehr als zehn Uhren mitgenommen haben, sieben davon von der Marke Diesel. Zu seiner Beute sollen außerdem eine Sporttasche, mehrere Parfums, 2000 Euro Bargeld und ein Goldarmband gehören.

Angeklagter soll Mann mit beiden Beinen ins Gesicht gesprungen sein

Zu Gericht erscheint der Angeklagte in Handschellen. Er sitzt seit dem 30. Januar in Untersuchungshaft. „Das ist lange“, sagt sein Verteidiger. „Wirklich lange“, stimmt die Richterin zu. 

Es ist nicht seine erste Haft. Bereits vor zwei Jahren war der 31-Jährige wegen schweren Diebstahls in der JVA Billwerder untergebracht. Seine Zeit dort ist auch zu Beginn des jetzigen Prozesses am Dienstag ein Thema.

Am 19. April 2024 soll David T. auf dem Flur der Haftanstalt einem Mann mit beiden Füßen ins Gesicht gesprungen sein. Dazu habe er sich wohl am Hals eines anderen Mannes festgehalten, um Schwung zu holen. Auch hierfür muss sich der Angeklagte jetzt verantworten.

Laut der Richterin gibt es ein Video der Tat. „Das werden wir uns noch anschauen“, sagt sie. Am ersten Prozesstag ist David T. still. Es sei aber eine Einlassung geplant. Auf die Frage, in welche Richtung die Einlassung geht, gibt der Verteidiger nur kryptische Antworten. „Wir sind gespannt auf Ihre Einlassung“, sagt die Richterin und lacht. „Warum lachen Sie?“, fragt der Verteidiger grinsend. „Ich bin ein fröhlicher Mensch“, antwortet sie.

Halbherzig hält sich David T. eine rote Mappe vor das Gesicht. Entgegen der Logik, sich von der Kamera wegzudrehen, schaut er suchend zur Fotografin. Auf Rat seines Verteidigers hebt der 31-Jährige schließlich die Mappe etwas höher, große Augen verschwinden hinter dem Rot. „Steht dir“, witzelt der Verteidiger. Im Saal wird noch einige Male gelacht werden – trotz der Brutalität der Taten, die dem Angeklagten vorgeworfen werden.  

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