Vier Polizeikugeln trafen ihn – doch vor Gericht bleibt Kay Z. stumm

Kay Z. sitzt in blauem Hemd, mit einem Papier vor dem Gesicht im Landgericht.
Kay Z. sitzt wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht.

Vor dem Landgericht sitzt ein mutmaßlicher Reichsbürger. Er trägt ein blaues Hemd, hat die grauen Haare in einem Zopf zusammengebunden und wirkt unauffällig. Mit lauter Stimme antwortet er auf die Fragen zu seiner Person. Ja, er heißt Kay Z. Ja, er ist 1951 geboren. Als er gefragt wird, ob er etwas zu dem Tatvorwurf des versuchten Mordes an Polizeibeamten sagen möchte, öffnet er erneut den Mund. Doch seine Verteidigerin bringt ihn zum Schweigen.

Mittagszeit im Landgericht. Der Flur vor Saal 378 füllt sich langsam. Ein Kamerateam ist vor Ort, ebenso eine Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft. Alle warten darauf, dass der Prozess gegen den 74-Jährigen beginnt. Der Hamburger soll der Reichsbürgerszene zuzuordnen sein. Bei seinem Wohnhaus in Lurup hat er am 12. Dezember 2025 um kurz nach 14 Uhr mit einer geladenen Waffe auf eine Gerichtsvollzieherin und drei Polizisten gezielt, so der Vorwurf.

Bei einer Zwangsräumung zieht der Angeklagte eine Waffe

Zu dem Vorfall kam es laut Staatsanwaltschaft aufgrund einer Zwangsräumung. Offenbar hatte der 74-Jährige sein Haus an der Jevenstedter Straße, das er seit den 80ern bewohnte, wegen Gebührenschulden verlassen müssen. Es war zur Zwangsversteigerung freigegeben worden. Mit Drohungen und Gewalt soll Kay Z. sich gegen die Räumung gewehrt haben.

So habe er eine geladene halbautomatische Kurzwaffe, für die er keine Erlaubnis hatte, gezogen und mit ausgestrecktem Arm auf die Anwesenden gezielt. Die Waffe des Angeklagten war zwar geladen, doch wohl aufgrund von Rost nicht einsatzbereit, wie sich im Nachgang herausstellte.

Ein Polizist feuerte dennoch vier Schüsse auf den 74-Jährigen ab, und traf ihn an Arm, Bauch, Schulter und Hals. Kay Z. ging zu Boden und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Noch am selben Tag wurde der Haftbefehl erlassen.

Mutmaßlicher Reichsbürger wird Erklärung abgeben

Seit Dezember sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Sein Gesicht verbirgt er zu Prozessbeginn am Dienstag vor den Zuschauern. Nur einmal schaut er auf, als versehentlich ein Computer auf den Boden stürzt und ein lautes Geräusch macht.

Zwangsvollstreckung
Polizisten unterstützten eine Gerichtsvollzieherin. Der Einsatz an der Jevenstedter Straße eskalierte.

Während der Anklageverlesung ist Kay Z. still. Manchmal macht er kurz den Mund auf. Es wirkt, als würde er etwas sagen wollen, dann schließt er ihn wieder. Die Fragen zu seiner Person beantwortet er selbstbewusst. Als die Richterin ihn und seine Verteidigerin fragt, ob er sich zu dem Vorwurf äußern möchte, öffnet er den Mund erneut. Da hebt seine Verteidigerin in einer stummen, aber bestimmten Geste die Hand flach in seine Richtung und Kay Z. schweigt.

Die Verteidigerin erklärt, dass zum nächsten Termin am 9. Juni eine Erklärung von ihrem Mandanten geplant ist. Sie wird zusätzlich eine kurze Einlassung verlesen. Ob Kay Z. Fragen beantworten wird, ist noch unklar.

Immer mehr Reichsbürger in Hamburg

Auf den Zuschauerbänken fragt man sich hingegen, ob ein mutmaßlicher Reichsbürger ein gerichtliches Urteil überhaupt anerkennt. Während des Polizeieinsatzes soll er Aussagen zur angeblichen Illegitimität des Staates getroffen haben. Außerdem soll in seinem Haus Material gefunden worden sein, das den ideologischen Verdacht untermauert.

Die Szene zeichnet sich dadurch aus, dass sie „– unter anderem unter Berufung auf das historische Deutsche Reich, auf verschwörungsideologische Argumentationsmuster oder auf ein selbst definiertes Naturrecht – die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen“, so schreibt es der Hamburger Verfassungsschutz in seinem Bericht für 2025.

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Die Zahl der Reichsbürger ist in Hamburg über die Jahre stetig angestiegen. Während es 2020 noch 175 bekannte Reichsbürger gab, liegt die Zahl 2025 bei 350. Für den Prozess gegen Kay Z. sind sieben weitere Verhandlungstermine geplant.

Vor dem Landgericht sitzt ein mutmaßlicher Reichsbürger. Er trägt ein blaues Hemd, hat die grauen Haare in einem Zopf zusammengebunden und wirkt unauffällig. Mit lauter Stimme antwortet er auf die Fragen zu seiner Person. Ja, er heißt Kay Z. Ja, er ist 1951 geboren. Als er gefragt wird, ob er etwas zu dem Tatvorwurf des versuchten Mordes an Polizeibeamten sagen möchte, öffnet er erneut den Mund. Doch seine Verteidigerin bringt ihn zum Schweigen.