Verhängnisvoller Fehler: 16-Jährige steigt nach Kiezbesuch zu Mann ins Auto

Der 25-Jährige (rechts, verdeckt, mit seinem Verteidiger Klaus Hüser) ist wegen sexueller Nötigung angeklagt, er befindet sich in Untersuchungshaft.
Der 25-Jährige (rechts, verdeckt, mit seinem Verteidiger Klaus Hüser) ist wegen sexueller Nötigung angeklagt, er befindet sich in Untersuchungshaft.

Fatale Entscheidung: Eine 16-Jährige ist nachts auf der Reeperbahn unterwegs, sie steigt zu einem fremden Mann ins Auto. Dort soll er übergriffig geworden sein. Rund vier Monate ist der Vorfall her, seit Dienstag steht der Mann vor dem Landgericht, angeklagt wegen sexueller Nötigung. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der 25-Jährige wegen eines solchen Vorwurfs verantworten muss.

Der Angeklagte, ein dicker Mann mit langen dunklen Haaren und einem schwarzen Pullover, sitzt zu Beginn des Prozesses mit verschränkten Händen am Tisch. Doch je länger die Verhandlung dauert, desto mehr gestikuliert er und unterstreicht seine Aussagen mit seinen Händen. Immer wieder blickt er der Vorsitzenden Richterin in die Augen, fast so, als suche er Bestätigung für die schrecklichen Dinge, die er sagt.

Angeklagter soll sie mit dem Tod bedroht haben

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an der damals 16-Jährigen am frühen Morgen des 31. Oktobers 2024 sexuelle Handlungen gegen ihren Willen vorgenommen zu haben. Nach einem Gespräch mit der ihm bis dahin Unbekannten soll er ihr angeboten haben, sie nach Hause zu fahren. Im Auto habe er sie dazu aufgefordert, ihn sexuell zu befriedigen, indem sie ihm „einen runterholen“ und an ihm „rumlecken“ soll. Als das Mädchen ablehnte, habe er sie gegen ihren Willen an intimen Körperstellen berührt und sich dabei auf sie gesetzt. Anschließend soll er ihr mit dem Tod gedroht haben, sollte sie jemanden von dem Geschehen berichten. Doch das Mädchen ging zur Polizei.

Der Angeklagte streitet alle Vorwürfe ab. Er könne sich die unberechtigte Anschuldigung nicht erklären, sagt er beim Prozessauftakt. Seine Version: Er habe im Auto auf der Reeperbahn auf seine Freunde gewartet, als die 16-Jährige humpelnd und aufgebracht an ihm vorbeigekommen sei. Auf seine Nachfrage, ob alles in Ordnung sei, habe sie ihm gesagt, dass eine Freundin es für einen Mann habe stehen lassen. Nach einem kurzen Gespräch sei die 16-Jährige weitergegangen, bis er kurz darauf einen Hilfeschrei von ihr gehört haben will. Er habe ihr dann geholfen, als ein Blumenverkäufer sie bedrängt haben soll.

Das Mädchen habe ihn daraufhin nach einem Ladekabel gefragt. Da habe er ihr angeboten, sie mit dem Auto mitzunehmen und am Bahnhof Altona rauszulassen und ihr Handy im Auto zu laden. Unterwegs sei das Mädchen plötzlich still geworden und habe gesagt, dass es Angst habe. Die 16-Jährige soll ihn aus dem Nichts gefragt haben „du bist kein Vergewaltiger oder?“. Das habe den einschlägig vorbestraften Angeklagten irritiert und wütend gemacht – tatsächlich hat er wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einst eine Freiheitsstrafe verbüßt. „Ich wollte keine Probleme bekommen durch das Mädchen“, sagt er. Am nächsten Bahnhof, an den Landungsbrücken, habe er sie dann aufgebracht herausgelassen.

Schockierendes Prahlen im Chatverlauf

Der Angeklagte beteuert: Es sei zu keinen sexuellen Handlungen und Übergriffen gekommen. Am nächsten Tag schickte er seinen Freunden allerdings eine Nachricht, dass er die junge Frau „geknallt“ habe. Das habe er gemacht, um vor seinen männlichen Freunden zu imponieren, „das macht man vor den Jungs so“, so der Angeklagte.

Laut einer Analyse des Landeskriminalamts konnten keine eindeutigen DNA-Spuren gefunden werden. Zwar gebe es Mischspuren auf der Kleidung, doch diese seien nicht aussagekräftig. Lediglich die Unterhose des Angeklagten wurde bisher nicht untersucht.

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Auch das minderjährige Opfer sagte am Dienstag aus. Dabei wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Es folgen noch weitere Gerichtstermine, der nächste Termin ist am Donnerstag kommender Woche.