Hamburg

Überraschende Wende im Fall „White Tiger II“: Anwältin Yüksel legt Mandat nieder

Dr. Christiane Yüksel liest in ihrem Büro eine rote Akte am Schreibtisch.
Die Hamburger Anwältin Dr. Christiane C. Yüksel steigt aus der Verteidigung von Fabian Z. (18), besser bekannt als „White Tiger II“, aus.

Kurz vor dem Prozess gegen Fabian Z. steigt die Anwältin aus der Verteidigung aus. Nach MOPO-Informationen will der 18-Jährige ein Geständnis ablegen.

Sadismus via Internet. Täter, die sich in Chatrooms psychisch labile Opfer suchen und sie dazu drängen, sich zu verletzen, ja, sich das Leben zu nehmen. Nachdem sich der inzwischen 21-jährige Shahriar J. aus Marienthal alias „White Tiger“ bereits seit Januar vor Gericht verantworten muss, beginnt am kommenden Dienstag erneut ein Prozess: gegen den 18-jährigen Fabian Z. aus Finkenwerder – die Rede ist von „White Tiger II“. Nun gibt es im Vorfeld des Verfahrens eine verblüffende Neuigkeit.

Noch vor wenigen Tagen hatte Dr. Christiane C. Yüksel, die Anwältin von „White Tiger“, erklärt, auch im Fall von Fabian Z. die Verteidigung übernehmen zu wollen, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Rechtsanwalt Yussof Sarwari. Doch am Freitagabend teilte Yüksel der MOPO mit, sie lege das Mandat nieder.

Mann mit Hut zeigt in nächtlicher Umgebung ein Friedenszeichen in die Kamera.
Ab Dienstag muss sich der 18-jährige Fabian Z. aus Finkenwerder vor Gericht verantworten. Er soll unter anderem psychisch labile Mädchen via Internet-Chatrooms gequält haben.

Ein ungewöhnlicher Schritt, so kurz vor Beginn der Hauptverhandlung. Einen Grund nannte sie nicht. Sie sagte der MOPO lediglich, sie könne über das, was vorgefallen sei, im Moment nicht reden. Yüksel stellte in Aussicht, dass sie in Kürze eine Erklärung abgeben werde.

Noch vor wenigen Tagen hatte Yüksel der MOPO gesagt, einen Interessenkonflikt sehe sie nicht

Noch vor wenigen Tagen hatte Yüksel der MOPO gegenüber erklärt, es stelle für sie keinen Interessenkonflikt dar, gleichzeitig „White Tiger“ und „White Tiger II“ zu vertreten, . „Vorsorglich habe ich auch bei der Anklageverfasserin nachgefragt, und diese hat bestätigt, dass es keine Verbindung zu meinem laufenden Fall gibt.“

Außerdem hatte Yüksel der MOPO gesagt: Gerade weil sie sich durch den „White Tiger“-Prozess bereits intensiv mit dieser Art von Online-Delikten, Chatstrukturen und Tätergruppen befasst habe, halte sie sich für besonders geeignet, die Verteidigung von Fabian Z. zu übernehmen, „zumal es dessen ausdrücklicher Wunsch war, dass der Kollege mich hinzuzieht“.

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Nun die Wende. Der Prozess am Dienstag wird ohne Verteidigerin Yüksel starten. Fabian Z. wird nach derzeitigem Stand allein von Rechtsanwalt Yussof Sarwari vertreten, der in Strafsachen als wenig erfahren gilt.

Warum der Prozess gegen Fabian Z. unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft

Das Verfahren, für das bislang 17 Verhandlungstage angesetzt sind, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Da Fabian Z. zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten minderjährig war, wird gegen ihn nach Jugendstrafrecht verhandelt. Insgesamt werden ihm 54 Taten zur Last gelegt. Die Vorwürfe reichen von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte über Nötigung, Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Raub bis hin zu Drogen- und Waffenhandel, Betrug, Verkehrsdelikten, Notrufmissbrauch und falscher Verdächtigung.

Nach MOPO-Informationen will Fabian Z. sich in der Hauptverhandlung äußern – und sich offenbar weitgehend geständig einlassen. Das könnte für den Prozess erhebliche Bedeutung haben: Sollte der Angeklagte tatsächlich Angaben machen, dürfte es nicht nur um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gehen, sondern auch um die Hintergründe der Taten und um das sogenannte Com-Netzwerk, in dem sich nach Überzeugung der Ermittler Täter und Mitwisser bewegt haben sollen.

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