Gericht
Tod der Hamburger Zwillinge: Unfallzeugen und Widersprüche im Prozess
Der Prozess gegen den 24-jährigen Angeklagten Mohammad S. geht weiter. Mehrere Zeugen beschrieben den schrecklichen Unfall, der Quang und Minh Nguyen aus Hamburg das Leben kostete.
Ein Jahr, nachdem die Hamburger Zwillinge Quang und Minh Nguyen bei einem E-Scooter-Unfall in Frankfurt starben, muss sich der 24-jährige Autofahrer vor dem Landgericht in der Mainmetropole verantworten. Am Dienstag sagten mehrere Zeugen aus, die den Unfall gehört oder gesehen hatten. Im Prozess beschrieben sie jetzt erneut die schrecklichen Bilder von damals. Gleichzeitig offenbarten sich Widersprüche in den Aussagen der Unfall-Autoinsassen.
„Ich hab’ einen Knall gehört, nach links geguckt und eine Person gesehen, die auf der Motorhaube lag“, erzählt der Zeuge am Dienstagvormittag. Er ist 21 Jahre alt, Student und wohnt eigentlich in Kiel.
Damals, vor einem Jahr, habe er Freunde in Frankfurt besucht und mit ihnen in einer Shisha-Bar gesessen. „Dann hab’ ich gesehen, dass das Auto weitergefahren ist“, ergänzt er. Was vorher passiert war, wisse er nicht, da er mit dem Rücken zur Straße gesessen habe.
Zeugen beschreiben den schrecklichen Unfall vom Juli 2025
„Ich bin dann rausgerannt aus der Bar und habe noch eine andere Person gesehen, die auf der Straße lag. Ihr Kopf hat stark geblutet“, erinnert er sich.
Die Staatsanwaltschaft rekonstruiert den Unfall am 6. Juli 2025 wie folgt: Gegen 2.33 Uhr soll der 24-jährige Angeklagte Mohammad S. auf der Mainzer Landstraße die Kontrolle über sein Auto verloren und auf den Radweg gefahren sein, wo zu diesem Zeitpunkt die Zwillinge (23) sowie ihr 27-jähriger Freund Trung Hieu Hoang auf ihren E-Scootern unterwegs waren. Der Angeklagte aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) soll die Zwillinge mit seinem Toyota mit 75 Kilometern pro Stunde „unvermittelt überfahren haben“. Die Brüder flogen durch die Luft und schlugen auf dem Asphalt auf. Einer starb noch an der Unfallstelle, sein Bruder wenig später im Krankenhaus.
Wenige Sekunden später soll der Angeklagte auch Trung Hieu Hoang erfasst haben. Der 27-Jährige wurde gegen die Windschutzscheibe geschleudert und blieb nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf der Motorhaube liegen, bevor er auf die Straßenbahnschienen stürzte. Er erlitt schwerste Verletzungen und tritt als Nebenkläger im Prozess auf. Sein Anwalt schilderte am ersten Verhandlungstag, wie schlimm es Hoang heute noch geht.
Zeuge: „Das Bein stand in unnatürlichem Winkel ab“
Ein weiterer Zeuge (33) beschrieb am Dienstag, wie auch er einen Menschen „auf der Motorhaube oder am Fahrzeug eingeklemmt“ gesehen habe. „Ich war mit einem Freund in Frankfurt vorher auf dem Konzert von Kendrick Lamar, wir wollten mit dem Taxi zurück ins Hotel“, erzählte er. Auf der Strecke dorthin habe der Fahrer an einer roten Ampel gehalten, dann habe er plötzlich einen Knall gehört.
„Die Person hat sich dann vom Auto gelöst, das Fahrzeug hat beschleunigt, die Person wurde dann auf die Straßenmitte auf Höhe der Gleise geschleudert und ist da reglos liegengeblieben.“ Er sei sofort zu dem Verletzten hingelaufen, erinnert sich der Zeuge. „Dieser war sehr stark verletzt, vor allem im Gesicht. Und das Bein stand in einem unnatürlichen Winkel ab.“ Der rechte Unterschenkel von Hoang musste später amputiert werden. Das Fahrzeug sei weggefahren.
Angeklagter und Freunde sollen vorher Lachgas konsumiert haben
Der Angeklagte Mohammad S. saß nicht alleine im Auto: Drei Bekannte, mit denen er den Abend in Frankfurt verbracht hatte, waren ebenfalls dabei und treten im Prozess als Zeugen auf. Einer davon, ein guter Freund von S., schilderte, wie die vier Männer sich vor der Autofahrt Lachgas am Kiosk im Bahnhofsviertel gekauft und anschließend am Main konsumiert hätten. S. hätte so fünf bis sechs Ballons gezogen, erinnert sich der Zeuge, der später auch Beifahrer war. Er selbst bis zu zwanzig.
Das Einatmen von Lachgas verändert kurzzeitig die Wahrnehmung der Umgebung und Zeit. Viele müssen kichern oder lachen, daher der Name. Ein Toxikologe beschreibt vor Gericht einen starken Rausch, der allerdings nur wenige Minuten anhält. Sogenannte Überhandeffekte, wie niedriger Blutdruck und Schwindel, seien allerdings auch 30 bis 60 Minuten später möglich.
Das ist der Widerspruch zwischen den Auto-Insassen vor Gericht
Dann widersprechen sich die Auto-Insassen allerdings: Während der Beifahrer aussagt, nur einer der Mitfahrer auf der Rückbank hätte während der Fahrt weiter Lachgas gezogen, erzählt just der, auch der Fahrer und Angeklagte Mohammad S. hätte während der Fahrt Lachgas konsumiert. Die Kartusche hätte S. zwischen den Beinen gehabt.
Das stimme nicht, beharrt wiederum der Beifahrer-Zeuge. Der Bekannte auf der Rückbank hätte Lachgas konsumiert und er selbst hätte diesen noch ermahnt, das nicht in dem Familienauto des Angeklagten zu tun. Der Prozess wird am Freitag, 3. Juli, in Frankfurt fortgesetzt.
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