Gericht
TikTok-Fälscher aus Einbürgerungs-Skandal erneut vor Gericht
Eine Investigativsendung von RTL brachte Abas A. (26) vor Gericht. Wegen Handels mit gefälschten Sprachzertifikaten und Deutsch-Tests wurde er zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Gegen die legte er Berufung ein – und erhält nun einen neuen Prozess.
Ein 26-Jähriger muss sich im Berufungsverfahren erneut vor Gericht verantworten. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft Abas A. Geldwäsche sowie gewerbs- und bandenmäßige Urkundenfälschung vor. Weil er gefälschte Sprachzertifikate und Bescheinigungen für den Test „Leben in Deutschland“ hergestellt und über TikTok vertrieben haben soll, verurteilte ihn das Amtsgericht im Dezember zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Weil er jedoch Berufung gegen das Urteil einlegte, wird der Fall nun erneut verhandelt.
Abas A. hatte beim Prozess im November ein Geständnis abgelegt. Laut seinem Anwalt war der 26-Jährige damals von Bekannten angesprochen worden, die gefälschte Zertifikate und andere Urkunden herstellen können. „Es war eine rein finanzielle Motivation“, sagt er. Er habe ein TikTok-Profil eröffnet und Bestellungen weitergeleitet. Zwischen 900 und 4000 Euro sollen pro Urkunde geflossen sein. Normalerweise müssen die zur Einbürgerung notwendigen Zertifikate und Tests regulär in Kursen erworben werden. Nach Erkenntnissen der Ermittler begann das Geschäft mutmaßlich im Juli 2025. Über Hintermänner schwieg der Angeklagte auf direkte Nachfrage der Staatsanwaltschaft.
Sein Mitangeklagter Ibrahim A. hätte sich als Fahrer ebenfalls etwas dazuverdienen wollen, erklärte dessen Anwalt vor Gericht. Die Angeklagten hätten genau gewusst, dass die Urkunden gefälscht waren – die Tragweite ihres Tuns hätten sie aber nicht erfasst, so die Verteidiger.
Am 19. Juli 2025 erfolgte die Festnahme am Zeughausmarkt in der Hamburger Neustadt. Den entscheidenden Hinweis lieferte eine RTL-Reporterin, die im Rahmen einer investigativen Recherche über Social Media in Kontakt mit den Angeklagten gekommen war. Bei einem fingierten Treffen sollte eine Übergabe der bestellten Urkunden stattfinden. Der Lockvogel des Senders stieg in ein Auto, danach griff die Polizei zu.
Im Fahrzeug fanden die Beamt:innen mehrere Handys und zahlreiche gefälschte Zertifikate – nicht nur Sprachzertifikate, auch Gabelstaplerscheine waren dabei. Daraufhin durchsuchte die Polizei die Wohnungen der mutmaßlichen Fälscher in Berlin, wo sie gemeldet waren. Am Dienstag beginnt vor dem Hamburger Landgericht die Berufungsverhandlung.
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