„Sonst kommen böse Jungs“: Wurde Chef von Traditions-Italiener in Hamburg erpresst?
Das italienische Restaurant „L’Espresso Bar“ liegt im Grindelviertel im schicken Stadtteil Rotherbaum. Unweit der Uni reihen sich hier elegante Altbauvillen aneinander. Auf der Terrasse des Lokals werden unter anderem Pizza und Pasta serviert. Doch an einem Sonntag im Mai des vergangenen Jahres ist die Stimmung an einem Tisch angespannt. Ein Gast und der Chef des Restaurants reden über Geld. Es geht um Zehntausende Euro, die der Wirt einem alten Geschäftspartner angeblich noch schuldet. Der Gast soll als Geldeintreiber agiert haben, mit „bösen Jungs“ gedroht haben, die „wüssten, was sie zu tun haben“, falls der Wirt nicht zahlt.
So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft – sie wirft dem mutmaßlichen Geldeintreiber versuchte räuberische Erpressung vor. Der Angeklagte Patrik D., der sich nun vor dem Hamburger Amtsgericht verantworten muss, kommt am Freitagmorgen mit einer unförmigen, schwarzen Lederjacke ins Strafjustizgebäude. Im Gerichtsflur beschwert er sich lautstark über die Sicherheitsvorkehrungen im Gebäude. „Ich musste mich ausziehen“, sagt er unüberhörbar zu seinem Anwalt.
Patrik D. soll Gastronom in Rotherbaum erpresst haben
Patrik D., das ist ein 41-jähriger Mann, der ein großes „F“ auf der Hand tätowiert hat und der selbstbewusst und kerzengerade auf der Anklagebank sitzt. Ab und zu lässt er fast aufmüpfig seinen Blick durch den Zuschauerraum schweifen. Seine Augenbrauen hat er hochgezogen, als der junge Staatsanwalt die Vorwürfe gegen ihn vorliest.
Am 12. Mai 2024 soll er sich gegen 20.30 Uhr gemeinsam mit einem anderen Mann an einen Tisch auf der Terrasse des Restaurants „L’Espresso Bar“ an der Straße Grindelhof gesetzt und nach dem Chef gefragt haben. Als dieser sich dann zu ihnen setzte, soll Patrik D. auf Rumänisch gesagt haben, dass er als Geldeintreiber in der Branche bekannt und im Auftrag von einem alten Geschäftspartner des Wirtes gekommen sei. Er soll Schulden in Höhe von 45.000 Euro begleichen – andernfalls würden „böse Jungs“ kommen, die „wüssten, was sie zu tun haben“.
Ein paar Tage später, am 21. Mai, soll Patrik D. wieder zur „L’Espresso Bar“ gekommen sein – dieses Mal soll er aus einem Auto heraus auf ein Treffen zwischen dem Restaurant-Besitzer und seinem ehemaligen Geschäftspartner gedrängt haben.
Als ein „moralisches Ins-Gewissen-Reden“ bezeichnet der Anwalt von Patrik D. die Gespräche zwischen seinem Mandanten und dem Wirt. Drohungen habe es nie gegeben.
Der Wirt hat das auf jeden Fall anders wahrgenommen. Er ist am Freitag als Zeuge geladen und erzählt der Richterin, dass er die Situation als bedrohlich wahrgenommen habe. „Meine Mitarbeiter und ich waren in den Tagen und Wochen danach in Alarmbereitschaft. Immer, wenn ein Auto langsam an der Terrasse vorbeigefahren ist, kam ein mulmiges Gefühl hoch“, sagt er.
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Hat Patrik D. dem Wirt gedroht? Am Freitag lässt sich diese Frage nicht klären. Eine Antwort soll nun Mitte Juli gefunden werden – dann sagt der ehemalige Geschäftspartner aus, der den Angeklagten seinen Angaben nach beauftragt haben soll. Bis dahin heißt es: Aussage gegen Aussage.