Schlechter Schnitt? Friseur soll unzufriedenen Kunden mit Schere angegriffen haben
Unzufriedenstellende Friseurbesuche kennt fast jeder. Manche lassen ihrem Ärger zu Hause freien Lauf, andere sprechen ihn direkt beim Friseur an. Für A. endete eine solche Kritik mit lebensgefährlichen Verletzungen. Zwischen ihm und seinem Friseur Mohanad G. eskalierte der Streit. Jetzt steht G. wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht St. Georg – der Prozess umfasst mehrere Vorfälle, darunter den Angriff im Salon und weitere Prügeleien.
Von einem Justizbeamten begleitet, wird Mohanad G. (30) in Saal 107 geführt. Er sitzt in Haft, trägt zum Prozessauftakt Jeans und Flanellhemd. Am Hals prangt eine Scheren-Tätowierung. G. ist Friseur in Billstedt. Am 28. November 2020 soll er auf seinen Kunden A. eingestochen haben, nachdem dieser den Haarschnitt kritisierte. Dreimal habe er zugestochen, erklärte die Staatsanwältin – mit den Worten, er wolle A. „umbringen und abschlachten“.
Dabei traf er A. auf Höhe der Achsel und fügte ihm lebensgefährliche Verletzungen zu. Auch das Opfer ist geladen, muss sich aber gedulden. Denn: Offenbar war dies nicht der einzige Gewaltausbruch. Beim Verlesen der Anklageschriften wird klar, dass G. schon häufiger wegen Gewalttaten auffiel. Eigentlich sollte es in dem Prozess um die Attacke im Friseursalon gehen – doch weil der Angeklagte so viele weitere Vorfälle auf dem Kerbholz hat, dominiert erst einmal seine lange Gewaltliste.
Mehrere gewalttätige Ausraster
Vier weitere Male 2020 sowie einmal im Juli 2021 soll G. Menschen attackiert haben – mit Kopfnüssen, Glasflaschen oder Messern. Am 10. August 2020 habe er auf ein Opfer eingeschlagen und dabei gedroht: „Ich werde dich abstechen und deine Familie und dein Land ficken“, so die Staatsanwältin.
Zum Prozessauftakt am 18. September sind zehn Zeugen und fünf Dolmetscher geladen. Als erstes wird ein Vorfall am Bahnhof Billstedt verhandelt. Dort soll G. im August 2020 in eine Prügelei verwickelt gewesen sein. Welche Rolle er spielte, ist unklar. Seine Verteidigerin verliest seine Einlassung: G. sei auf dem Weg zum Media Markt im Billstedt Center gewesen, habe auf der Rolltreppe Schreie gehört.
Das könnte Sie auch interessieren: Mit einem TV-Trick: Wie die Polizei einen Mörder und Vergewaltiger überführte
„Ich habe mich umgedreht und bin die Treppe wieder runtergelaufen“, sagt G. selbst in einem kurzen Statement. Dort habe er eine Gruppe Männer gesehen, die auf jemanden am Boden einschlugen und -traten. Laut Verteidigerin sei G. dazwischengegangen, habe zwei Angreifer weggezogen – und dann erkannt, dass der Mann am Boden ein Bekannter und Kunde war. „Mein Mandant wollte nur helfen“, so die Verteidigerin.
Mehrere Zeugen schildern den Vorfall, ihre Aussagen bleiben jedoch bruchstückhaft. Die Tat liegt fast fünf Jahre zurück, Erinnerungen verblassen. Während die Zeugen mal mehr, mal weniger überzeugend wirken, vergräbt der Anwalt des Nebenklägers frustriert das Gesicht in seinen Händen. Schließlich fragt er den Richter, ob er und sein Mandant heute noch zu Wort kommen – vergeblich. An diesem Tag geht es nur um die Schlägerei.
Insgesamt sind vier Prozesstermine angesetzt. Der nächste findet am 30. September statt.