Riesige Geldsummen, neue Enthüllungen: Der Druck auf Christina Block ist jetzt immens
Es ist eine Aussage, die in den Block-Prozess geplatzt ist wie eine Bombe: David Barkay (68), Chefstratege hinter der Entführung der Block-Kinder, hat sich überraschend bereiterklärt, gegenüber der Hamburger Staatsanwaltschaft auszupacken (MOPO berichtete). Er hat geschildert, wie die Verschleppung geplant wurde, wer aus dem Block-Umfeld welche Rolle gespielt haben soll, wie viel Geld er von wem in bar bekommen haben will – und welche entscheidende Bitte Christina Block an die Entführer gerichtet haben soll. Damit steigt der Druck auf Christina Block gewaltig – und zugleich auf einen Vertrauten, der bislang versucht hat, im Hintergrund zu bleiben.
Er habe über einen israelischen Geschäftsmann von einer Hamburger Mutter erfahren, deren Kinder vom Vater seit Jahren widerrechtlich festgehalten werden, so will Barkay an den Fall gekommen sein. Ende Januar 2023 habe er Christina Block, Gerhard Delling (Barkay nennt ihn nicht beim Namen, erwähnt aber den Lebensgefährten und dass dieser viel über Fußball gesprochen habe) sowie den Anwalt der Blocks zum ersten Mal getroffen.
Er will sich gewundert haben, dass er, der Spezialist für Cybersicherheit, sich um die Rückholung zweier Kinder kümmern sollte. Mit seiner Firma Cyber Cupula sollte er Hintergrundchecks zum Leben der Kinder in Dänemark durchführen und sie gegebenenfalls aus der Gefahr retten.
Barkay will Entführung für legal gehalten haben
Barkay will davon überzeugt gewesen sein, die Verschleppung des damals 13-jährigen Mädchens und ihres damals zehnjährigen kleinen Bruders sei eine legale Aktion gewesen, das habe ihm der nun angeklagte Familienanwalt der Blocks immer wieder bestätigt: Der Vater habe die Kinder rechtswidrig in Dänemark behalten, das Sorgerecht liege bei der Mutter, die Rückholung der Kinder nach Deutschland sei keine Straftat. Er fühle sich von dem Familienanwalt getäuscht, klagt Barkay in seiner Aussage.
Im Prozess tritt der promovierte Anwalt und enge Vertraute Eugen Blocks stets betont seriös auf, mit Goldknöpfen am Jacket und siegessicherem Habitus. Er hat bislang von seinem Recht auf Schweigen Gebrauch gemacht, sein Name darf nicht genannt werden, sein Gesicht muss auf Fotos aus dem Gerichtssaal unkenntlich gemacht werden. Nun aber wird er durch den Kopf der Entführerbande als zentrale Figur beschrieben: So soll er den späteren Entführern etwa Räume in seiner Kanzlei zur Verfügung gestellt haben. Barkay soll sogar noch einen Schlüssel zu den Räumlichkeiten besessen und der Polizei übergeben haben.
Block: Gigantische Barzahlungen
Der Anwalt sei es auch gewesen, der Barkay zunächst 150.000 Euro und später noch einmal 50.000 Euro in bar übergeben habe. Christina Block habe im September 2023 weitere 20.000 Euro übergeben, in kleinen Scheinen. Auch die monatelangen Gratis-Übernachtungen samt Gratis-Verpflegung für das Cyber-Cupula-Team im Elysée-Hotel im Wert von gut 200.000 Euro seien Teil der Vereinbarung gewesen. Sie hätten nicht übertrieben und nicht einmal Wein bestellt, lobt Barkay gegenüber der Staatsanwaltschaft die eigene Bescheidenheit.
Christina Block wusste Bescheid: Kameras in der Hecke installiert
Christina Block habe ihn einmal ihrem Vater vorgestellt, als den Mann, der die Enkelkinder zurückholen werde, so die Aussage des Israelis. Auch die Überwachungskameras, die Stephan Hensel, der Vater der Kinder, bei der Gartenarbeit in der Hecke des Hauses in Dänemark gefunden hatte, sind Thema der Aussage. Diese seien mit Wissen Christina Blocks dort installiert worden, die Aufnahmen habe er sich später mit Christina Block und dem Familienanwalt im Elysée-Hotel angesehen, so Barkay. Christina Block hatte in ihrer Aussage bestritten, etwas mit den Hecken-Kameras zu tun zu haben.
Gerhard Delling bei Treffen mit Entführern anwesend
Gerhard Delling, so Barkay, habe ebenfalls an Treffen mit den Cyber-Cupula-Leuten teilgenommen und wiederholt das Thema Pädophilie aufgebracht: Stephan Hensel sei ein gefährlicher Pädophiler und eine Gefahr für die Kinder. Tatsächlich lieferte Christina Block später gefälschtes „Beweismaterial“ bei der Polizei ab, das ihr von Barkay übergeben worden sei. In diesem Punkt bleibt der Chef-Entführer vage: Die Recherche im Darknet habe er an einen russischen Hacker delegiert, der habe dieses gefälschte Material geliefert. Geld habe der Russe dafür aber nicht bekommen.
Nach dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 hätten die Israelis nach Hause fahren wollen, so Barkay, aber die Blocks und der Familienanwalt hätten kein Verständnis gezeigt. Christina Block habe sehr geweint, der Anwalt habe darauf gepocht, dass die Kinder an Weihnachten zu Hause sein sollten: Das sei der Wunsch des Patriarchen, der habe bereits Geschenke besorgt.
Christina Block: eine Bitte an die Entführer
Am 28. Dezember 2023 schließlich, wenige Tage vor der Entführung, sei es zu einem Meeting in einem Konferenzsaal des Hotels Elysée gekommen. Mit dabei: Barkay, seine „rechte Hand“ Keren Tenenbaum, sowie die kampfsporterprobten Männer, die kurz zuvor in Israel für die Aktion angeheuert worden waren. Sie, die Männer im Konferenzsaal, seien die einzigen, die ihr noch helfen könnten, habe Christina Block erklärt und eine Bitte geäußert: Ihren Kindern solle nichts über den Kopf gezogen werden.
David Barkay war lange beim Nachrichtendienst des israelischen Militärs, man kann davon ausgehen, dass er in Manipulationstechniken geübt ist – was die Verteidiger sicher verwenden werden, um seine Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Sollte Barkay die Aussagen wiederholen, wenn er im Dezember als Zeuge im Prozess gegen Christina Block auftritt, dann wird die Angeklagte extrem unter Druck geraten, hatte sie doch unter Tränen im Prozess immer wieder beteuert, dass sie unschuldig sei.
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Ihr Anwalt Ingo Bott erklärt dazu, dass für die Mutter „weiterhin die Unschuldsvermutung“ gelte: „Wenn jetzt Teile der Akte veröffentlicht werden, mag das der Unterhaltung dienen. Mit der Wahrheitsfindung hat es nichts zu tun.“ Seine Mandantin werde in den Medien „massiv vorverurteilt“, dennoch habe sie sich entschieden, keine Anfragen zu beantworten. Auch der von der Familie Bock als Krisenmanager beauftragte Ex-Regierungssprecher Bela Anda äußert sich auf dem Netzwerk LinkedIn: Es liege nahe, dass David Barkay „eigene Interessen verfolge“.