Rassismus? Chinesische Studenten am Bahnhof verprügelt – Angeklagte genervt
Für Jiang Liu (Name geändert) und seine Freunde startete die Silvesternacht 2023/2024 in einer Karaokebar – und endete bei der Polizei. Am Bahnhof Altona wurden sie von drei Männern rassistisch beleidigt. Sie zogen an Lius Geigenkasten, schlugen ihm und seinen Freunden ins Gesicht. Der 27-Jährige erlitt mehrere Verletzungen. Die drei Verdächtigen standen am Donnerstag vor dem Amtsgericht Altona – und verkauften ihre Reue unglaubwürdig.
Am Donnerstagmorgen sitzen Liu und seine zwei Freunde im Saal 245. Sie warten auf die Angeklagten. Die drei jungen Männer (21/21/22) kommen fast 30 Minuten zu spät. Sie hätten unabhängig voneinander im Stau gestanden, so die Erklärung. Sie kommen aus Hamburg und dem Umland. Liu hingegen ist aus Münster angereist und hat in einem Hotel übernachtet. Es ist nicht das letzte Mal, dass er für den Fall, der knapp zwei Jahre zurückliegt, eine so weite Strecke fahren muss.
Die Angeklagten sprechen von Reue
Den Angeklagten wird schwere Körperverletzung vorgeworfen. Die Tat räumen sie ein und sprechen von Reue. An rassistische Beleidigungen wollen sie sich alle nicht erinnern können. Sie waren an dem Abend angetrunken, hätten Cannabis konsumiert. Heute könnten sie ihr Verhalten nicht mehr erklären, sagen sie.
„Wir hatten Angst“, beschreibt Liu (27) die Nacht. Er war für Silvester mit seinen Freunden in Hamburg. Gegen 2 Uhr nachts kamen sie aus einer Karaoke-Bar in Altona und wollten zurück nach Bremen fahren, wo sie studieren. Auf der Treppe zu den Gleisen der S-Bahn am Bahnhof Altona habe dann jemand unvermittelt von hinten an Lius Geigenkasten gezogen, den der Musikstudent dabei hatte.
Kurz darauf sollen Liu und seine Freunde rassistisch beleidigt worden sein: „Chinesen raus!“ oder „Fuck off China“ wurde laut Staatsanwaltschaft gerufen. Auch einen vermeintlich chinesischen Akzent hätten die Täter laut nachgemacht. Liu und seine Freunde bekamen mehrere Schläge ins Gesicht. Sie erlitten unter anderem Jochbeinprellungen und blaue Flecken.
Angeklagte wirken genervt
Die drei Angeklagten wirken während der Verhandlung leicht genervt. Sie selbst beantworten keine Fragen. Leise murmelt einer der Angeklagten immer wieder Kommentare vor sich hin, während Liu spricht. Von der Reue, die er angeblich für die Tat empfindet, ist wenig zu spüren.
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Der 21-Jährige ist zusätzlich zu der Tat in der Silvesternacht angeklagt, im September 2024 bekifft und ohne Führerschein in Eimsbüttel einen Streifenwagen beim Ausparken angefahren zu haben. Der Schaden: rund 8400 Euro.
Es ist bereits der dritte Versuch, über die Körperverletzung am Bahnhof Altona zu verhandeln. Beim ersten Mal erschien einer der Angeklagten nicht. Beim zweiten Mal wurden die Zeugen nicht rechtzeitig informiert und waren in den Semesterferien in China. Obwohl der Prozess für einen Tag angesetzt war, wird er an diesem Donnerstag nicht zu Ende verhandelt. Ein letzter Zeuge sowie mehrere Beweisvideos sollen am 5. Januar Aufschluss über den Fall geben. Dafür wird Liu erneut den Weg von Münster antreten müssen.