Polizist angefahren: Crash-Tour durch St. Pauli – Überraschung im Gericht

Landgericht Hamburg
Der Angeklagte soll betrunken und unter Drogeneinfluss durch St. Pauli gerast sein – dabei soll er einen großen Schaden angerichtet und einen Polizisten verletzt haben.

Betrunken, unter Kokain-Einfluss und ohne Fahrerlaubnis: Ein 48-Jähriger soll mit seinem Wagen durch St. Pauli gerast sein, ein Kind nur knapp verfehlt und einen Polizisten verletzt haben. Dabei soll er mit mehreren Autos kollidiert sein. Schaden: 28.000 Euro. Im Gerichtssaal wirkt der Angeklagte ruhig, während sein Verteidiger in Erklärungsnot gerät.

Weißes Hemd, Tattoos an Händen und Nacken: So sitzt Rahman O. am Montag vor der Richterin. Neben dem deutschen Staatsbürger sitzt sein Verteidiger – der gar nicht hier sein wollte. „Was machen Sie hier?“, fragt die Richterin den Juristen verwundert. Offenbar hatte der Anwalt zum Prozessbeginn einen Stellvertreter angekündigt. Nun sitzt er doch hier. Über die Gründe möchte er „nicht vor der Öffentlichkeit sprechen“.

Angeklagter soll durch St. Pauli gerast sein

Rahman O. sitzt ruhig neben seinem Anwalt. Er redet an diesem ersten Prozesstag nicht viel, beantwortet nur kurz und knapp Fragen zu seiner Person. Er muss sich wegen einer filmreifen Verfolgungsfahrt durch St. Pauli vor dem Landgericht verantworten.

Laut Anklage soll er am 10. September 2025 nachmittags mit einem geklauten Pkw auf der St. Pauli Hafenstraße in Richtung Fischmarkt unterwegs gewesen sein – ohne Fahrerlaubnis. Dabei soll er mindestens 1,59 Promille Alkohol im Blut gehabt und unter Kokain-Einfluss gestanden haben.

Er hätte fast ein Kind überfahren

Während der Fahrt soll Rahman O. in den Gegenverkehr geraten sein, rote Ampeln missachtet und zeitweise einen Gehweg befahren haben. Ein Kind sei nur deshalb unverletzt geblieben, weil es rechtzeitig stehen geblieben sei. Zudem habe es Kollisionen mit anderen Fahrzeugen gegeben. Rahman O. soll seine Fahrt trotz lauter Knallgeräusche fortgesetzt haben.

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Mehrere Streifenwagen nahmen die Verfolgung auf. Er ignorierte Haltesignale der Polizei und fuhr auch bei einem Anhalteversuch weiter, bei dem die Polizei sein Fahrzeug rammte, heißt es in der Anklage. Auf der Max-Brauer-Allee sei der Wagen schließlich von drei Streifenwagen zunächst gestoppt worden. Er soll versucht haben, durch eine Lücke zwischen den Streifenwagen zu entkommen – dabei seien erneut mehrere Autos beschädigt worden.

St. Pauli: Filmreife Verfolgungsjagd

Als ein Polizeibeamter ihm nun mit gezogener Waffe gegenüberstand, soll Rahman O. erneut versucht haben, davonzufahren. Der Beamte habe sich nur durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen können. Er wurde jedoch leicht getroffen und erlitt starke Schmerzen sowie einen Cut am Ellenbogen.

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Erst mit Einsatz eines Tasers sei es schließlich gelungen, Rahman O. festzunehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor.

Der erste Prozesstag ist für die Zuschauer schon schnell vorbei. Sie müssen nach nur 15 Minuten den Raum verlassen, weil der Verteidiger nun wie gewünscht seinen überraschenden Auftritt erklären soll.

Der 48-jährige Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage angesetzt.