55 Kilo Gras weg: Komplizen gefoltert – Dealer verurteilt
Wegen eines Transporters, der samt 55 Kilo Marihuana verschwand, soll ein 25-Jähriger einen Mann über Stunden gefoltert haben. Nach einem Urteil des Landgerichts Hamburg muss der Angeklagte nun für fast zehn Jahre hinter Gitter.
Wegen einer blutigen Bestrafungsaktion im Drogenmilieu und weiterer Taten hat das Landgericht Hamburg einen Angeklagten zu neun Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der 25-Jährige soll zusammen mit einem Komplizen einen Mann gedemütigt und schwer misshandelt haben.
Das Gericht sprach den Mann wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und dem bewaffneten Handelstreiben mit Cannabis schuldig.
Zu fast zehn Jahren Haft verurteilt
Wie ein Gerichtssprecher sagte, setzt sich die Haftstrafe allerdings aus insgesamt drei Urteilen zusammen – zwei früheren und dem jüngsten. So war der Angeklagte unter anderem bereits wegen Drogenhandels zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden.
Die Staatsanwaltschaft hatte dem 25-Jährigen in dem jüngsten Prozess neben gefährlicher Körperverletzung und dem bewaffneten Handel mit Cannabis auch erpresserischen Menschenraub vorgeworfen.
Auslöser war das Verschwinden von 55 Kilo Marihuana
Vor knapp drei Wochen begann der Prozess über die Tat, die mehr als zwei Jahre zurückliegt: Nach dem Verschwinden von 55 Kilo Marihuana habe der Angeklagte von einem Hintermann den Auftrag bekommen, vier Beteiligte zur Rede zu stellen, sagte der Vorsitzende Richter Immo Graf. Auf einer Art „Dienstbesprechung“ am Abend des 30. Januar 2024 in Hamburg-Lurup habe der Angeklagte dem vermeintlich Schuldigen ein Messer mit einer 30 Zentimeter langen Klinge gezeigt und gedroht, ihn zu töten.
Was die Männer nicht wussten: Die Polizei hatte die Drogen sichergestellt. Die Beamten fanden das Marihuana in Umzugskartons, die in einem Transporter vor einem Fitnessstudio im Stadtteil Dulsberg lagen. Allerdings gab die Polizei den Fund erst zwei Tage später am 1. Februar 2024 bekannt.
Opfer wurde ausgepeitscht
Einer der Männer, der den Transporter bewachen sollte, wurde von dem Angeklagten und einem „Tschetschenen“ – wie der Richter sagte – in einen Nebenraum geführt. Dort musste er sich ausziehen und sich mit dem Bauch auf den Boden legen. Die Augen wurden ihm verbunden. Dann schlugen ihn der deutsche Angeklagte und sein Mittäter mit Elektrokabeln rund 20 Mal auf den Rücken.
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Anschließend drohten sie allen vier Männern, sie hätten nun 24 Stunden Zeit, das abhandengekommene Marihuana zurückzubringen. Dabei trug der Angeklagte das Messer griffbereit bei sich. Durch die Schläge mit den Kabeln hatte das Opfer fünf Wochen lang Wunden und Schmerzen und behielt Narben zurück.
Angeklagter geständig
Der 25-Jährige habe ein umfassendes Geständnis abgelegt, das die Kammer für glaubhaft halte, sagte der Richter. Der Angeklagte habe sich der versuchten besonders schweren räuberischen Erpressung, der gefährlichen Körperverletzung, des bewaffneten Handelstreibens mit Cannabis und der Freiheitsberaubung schuldig gemacht. Die Tat sei Selbstjustiz in einer Art Parallelgesellschaft gewesen, sagte Graf. (mp/dpa)
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