Nazis in Ungarn verprügelt: Linksradikale vor Gericht – auch Clara W. aus Hamburg
Die Gruppe Antifa-Ost soll in Ungarn Rechtsextremisten attackiert haben. Sechs Angeklagte stehen in Düsseldorf vor Gericht – unter anderem wegen versuchten Mordes. Eine der Angeklagten ist die Hamburgerin Clara W.
Am Düsseldorfer Oberlandesgericht hat am Dienstag der Prozess gegen sechs mutmaßliche Antifa-Aktivisten begonnen, die in Budapest Rechtsextremisten angegriffen und verletzt haben sollen. Die Bundesanwaltschaft wertet dies in zwei Fällen als versuchten Mord.
Clara W. aus Hamburg vor Gericht
Eine der Angeklagten ist Clara W. aus Hamburg, die sich vor einem Jahr bei der Polizei stellte und seitdem in Billwerder in Untersuchungshaft saß.
Ihre Eltern und weitere Unterstützer organisierten regelmäßig Demonstrationen für ihre Freilassung. „Wir stehen das gemeinsam durch und freuen uns schon darauf, wenn du irgendwann wieder bei uns bist“, sagte ihre Mutter bei einer Kundgebung im August. Damals war noch nicht klar, ob das Verfahren in Deutschland oder in Ungarn stattfinden würde.
Prozess in Düsseldorf: Großer Andrang
Der Prozess startete unter großem Andrang der Öffentlichkeit im Hochsicherheitstrakt des Gerichts, dessen großer Saal erstmals fast bis auf den letzten Platz gefüllt war, mit mehr als eineinhalb Stunden Verspätung. Aus den Reihen der Zuschauer kam es vor Prozessbeginn zu Sympathiebekundungen für die Angeklagten, die mit Applaus empfangen wurden.
Zwei Angeklagte zeigten auf Mappen, die sie hochhielten, „Solidarität mit Maja“. Maja T. muss sich wegen der Vorfälle derzeit in Budapest verantworten. Auch in Hamburg hatte es mehrere Demonstrationen gegeben, bei denen eine sofortige Auslieferung von Maja T. gefordert wurde. Ein Prozess gegen weitere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe findet derzeit in Dresden statt.
Vier der sechs Angeklagten waren zur Tatzeit Heranwachsende
Weil vier der sechs Angeklagten zur Tatzeit Heranwachsende waren, unterbrach der Senat die Verhandlung, um über den Ausschluss der Öffentlichkeit zu beraten. Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatten angeregt, zumindest für ihre Berichte die Öffentlichkeit auszuschließen.
Zur Verlesung der Anklage kam es zunächst nicht. Der Senat entschied schließlich, öffentlich zu verhandeln. Das habe man sich nicht leicht gemacht, „weil die US-Regierung möglicherweise auch sie auf die Terrorliste gesetzt hat“, sagte der Vorsitzende Richter Lars Bachler zu den Angeklagten.
Den Angeklagten wird von der Bundesanwaltschaft außer versuchtem Mord die Bildung einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Angeklagt sind fünf junge Frauen und ein junger Mann aus Jena und Leipzig. Sie sind 22 bis 24 Jahre alt und sollen Mitglieder der Antifa-Ost sein.
Antifa-Ost als militante, linksextreme Vereinigung eingestuft
Der Generalbundesanwalt stuft die Antifa-Ost als militante, linksextreme Vereinigung ein. In Budapest seien verschiedene Personen mit Faustschlägen, Schlagstöcken und einem Hammer angegriffen worden. Die US-Regierung hat die Gruppe sogar als terroristische Vereinigung eingestuft.
Neben dem Geschehen in Budapest am Rande eines internationalen Treffens von Rechtsextremisten („Tag der Ehre“) sollen Angeklagte im April 2022 in Erfurt eine Verkäuferin attackiert und verletzt haben, die in einem Laden der Marke „Thor Steinar“ arbeitete. Zudem wurde der Laden verwüstet.
Das könnte Sie auch interessieren: Clara seit Monaten in Hamburg in Haft: Wie ihre Eltern gegen die Auslieferung kämpfen
Die Verteidiger haben die Anklage bereits kritisiert: Sie sei überzogen und lasse eine politische Motivation befürchten. Nicht einmal die ungarische Justiz habe einen Tötungsvorsatz gesehen. (dpa/mp)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.