Nach Angriff in Billstedt: Opfer kann „nur noch Laute von sich geben“

Die Angeklagten sitzen neben ihren Verteidiger:innen und halten sich Mappen vor das Gesicht.
Zu Prozessbeginn sagten die fünf Angeklagten nichts über die Tat.

In Saal 237 des Landgerichtes liegt am Freitagmittag Spannung in der Luft. Es fliegen Luftküsse und recken sich Mittelfinger. Es geht um zwei zerstrittene Familien und einen brutalen Angriff in Billstedt, der bereits zwei Jahre zurückliegt. Fünf Männer gingen auf einen 27-Jährigen los und verletzten ihn so schwer, dass er heute nicht mehr sprechen kann.

Obwohl die Verhandlung zum Prozessauftakt nur für 30 Minuten angesetzt ist, warten vor der verschärften Sicherheitskontrolle zu Saal 237 rund 15 Besucher:innen. Sie stellen sich brav in eine Schlange und lassen sich von dem Sicherheitspersonal abtasten. Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen sind wohl auf die Familienstreitigkeiten zurückzuführen, die dem Fall zugrunde liegen.

Was trug sich im Januar 2024 in Billstedt zu?

Drei der fünf Angeklagten (30, 37, 38) wird von der Staatsanwaltschaft versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Der Vierte (35) ist wegen Beihilfe angeklagt und der Fünfte (33) wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.

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Sie sollen am 3. Januar 2024 gegen 18.28 Uhr das ihnen bekannte Opfer in Billstedt angegriffen haben. Der 27-Jährige sei in eine Tankstelle geflüchtet – doch die Angreifer holten ihn ein. Mit einem Messer sollen sie mehrfach auf ihn eingestochen haben. Mehrere Augenzeugen mussten nach der Tat durch das Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes psychosozial betreut werden. Unter ihnen soll auch ein 13-jähriges Kind gewesen sein.

Billstedt: Opfer leidet unter „einer Art Demenz“

Das Opfer trug lebensgefährliche Verletzungen davon. Infolge eines sauerstoffmangelbedingten Hirnschadens verlor er sein Sprechvermögen nahezu vollständig. Auch soll der 27-Jährige seit dem Vorfall an dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses leiden. „Er kann nur noch Laute von sich geben und leidet unter einer Art Demenz“, sagt der Staatsanwalt bei Verlesung der Anklageschrift.

In dieser Tankstelle in Billstedt wurde der 27-Jährige niedergestochen.
In dieser Tankstelle in Billstedt wurde der 27-Jährige niedergestochen. (Archivbild)

Im Landgericht: Unruhe in den Zuschauerreihen

Hintergrund der Tat soll ein Streit zwischen zwei Familien sein. Genaueres erfährt man am ersten Verhandlungstag nicht. Als der Vorsitzende Richter mit den Verteidigern anstehende Termine diskutiert, kommt es im Zuschauerraum zu Unruhen. Bereits zu Beginn zeigten sich einige Besucher und vermutlich Angehörige der Angeklagten laut und mussten von einem Justizbeamten verwarnt werden.

Als einer der Angeklagten nach Ende des Termins an der Glaswand vorbeigeht, die den Verhandlungssaal vom Zuschauerraum trennt, werfen ihm seine Angehörigen mehrere Luftküsse zu, die er lächelnd erwidert.

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Dann kommt es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen den Reihen, sodass die Gruppen getrennt den Saal verlassen müssen. Ein Mann beschwert sich bei dem Beamten über eine Zuschauerin. Sie habe seiner Familie den Mittelfinger gezeigt. „Das geht gar nicht“, sagt er. Der Justizbeamte nimmt den Vorfall ernst und versichert, ihn zu melden. Für den Prozess hat das Landgericht 18 Termine angesetzt. Der nächste findet am 23. Februar statt. Dann sollen Videoaufnahmen aus der Tankstelle in Augenschein genommen werden.