Mann tagelang in Wohnung festgehalten – SEK beendet Geiselnahme

SEK-Einsatz in Billstedt
Die Beamten stürmten das Haus an der Legienstraße und nahmen den mutmaßlichen Geiselnehmer fest. (Archivbild)

Im Sommer rennt in Billstedt ein halbnackter Mann auf die Straße. Er trägt Unterhose und Handschellen und ruft laut um Hilfe. Offenbar wurde er tagelang in einer Wohnung festgehalten. Kurz darauf stürmt das SEK das Wohnhaus an der Legienstraße und nimmt einen Mann fest. Der 29-Jährige muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft ihm gemeinschaftliche Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz vor. Zusammen mit mindestens vier weiteren Komplizen soll er das spätere Opfer, einen 51-jährigen Niederländer, unter dem Vorwand eines Autohandels am Abend des 7. Juni in das Haus an der Legienstraße gelockt haben. Dort sollte er angeblich das Geld für den Wagen in Empfang nehmen. Doch in der Wohnung warteten laut Anklage bereits drei maskierte Männer auf ihn, die mit Fäusten und einer Schusswaffe auf ihn einschlugen.

Sie quälten ihn mit einem Elektroschocker, fesselten und knebelten ihn und legten ihn anschließend in eine Badewanne. Laut Anklage soll er dort tagelang festgehalten und immer wieder geschlagen worden sein. Zwei mit Schusswaffen und Messer bewaffnete Personen sollen ihn fortwährend bewacht haben, mutmaßlich zeitweise auch der Angeklagte, wie es in der Anklage heißt.

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Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Männer ihn dazu bringen wollten, einen weiteren Mann nach Deutschland zu locken, der hier offenbar noch Schulden aus Drogengeschäften offen hatte. Mehrfach musste die Geisel Textnachrichten an ihn verschicken.

Erst am Mittag des 15. Juni gelang dem Mann die Flucht. Wie Anwohner später berichten, rannte er nur mit Unterhose bekleidet und mit Handschellen gefesselt auf die Straße und schrie laut um Hilfe. Sofort rückte die Polizei mit einem Sondereinsatzkommando (SEK) an und umstellte das Haus. Als die Beamten Blendgranaten warfen und das Gebäude stürmten, trafen sie dort nur den Angeklagten an. Er wurde in Handschellen abgeführt und zur Wache gebracht.

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Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten vier Kilogramm Kokain, die er dort zum Abverkauf verwahrt haben soll. Außerdem lag in einem Zimmer griffbereit eine Selbstladepistole mit Patronen, zwei Outdoormesser sowie ein Teleskopschlagstock.

Am Donnerstag muss sich der 29-Jährige vor dem Hamburger Landgericht verantworten.