Mann kann nach Messerattacke in Billstedt kaum noch sprechen – fünf Männer angeklagt
Ein Familienstreit eskaliert brutal mitten in Billstedt. Fünf Männer sollen gemeinsam auf einen Mann losgegangen sein – mit Tritten, Fäusten und einem Messer. Das Opfer überlebte knapp, ist aber bis heute schwer gezeichnet. Jetzt landet der Fall vor Gericht.
Die Hamburger Staatsanwaltschaft wirft dreien von ihnen (30, 38 und 37) gemeinschaftlichen versuchten Totschlag in Tateinheit mit schwerer und gefährlicher Körperverletzung vor. Ein 35-Jähriger ist wegen Beihilfe angeklagt. Einem weiteren (33) wird gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt.
Zu der brutalen Attacke gegen einen 27-Jährigen in Billstedt kam es am 3. Januar 2024 gegen 18.30 Uhr. Nach einem Streit zwischen zwei Familien flüchtete der junge Mann vor einer Gruppe von rund 15 Personen in eine Tankstelle an der Billstedter Hauptstraße.

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Der 33-jährige Beschuldigte soll als Erster in der Tankstelle angekommen sein und dem Opfer einen Tritt verpasst haben. Kurz darauf kam der älteste der Angeklagten, schlug mehrfach mit der Faust zu und hielt den Mann fest. Dann wurde es lebensgefährlich: Zwei weitere Angeklagte betraten den Verkaufsraum, einer von ihnen (30) bewaffnet mit einem Messer. Während der 35-Jährige Schmiere stand und der 33-Jährige die Tankstelle wieder verließ, sollen die anderen Angeklagten das Opfer in den hinteren Bereich der Tankstelle gedrängt und festgehalten haben. Dort stach der Messerangreifer zu – laut Anklage nahm er dabei den Tod des Opfers billigend in Kauf. Erst als sein Komplize am Eingang vor Gefahr warnte, flohen die Täter laut Polizei mit drei Fahrzeugen, darunter eine schwarze Mercedes S-Klasse.
Messerattacke auf 27-Jährigen in Billstedt: Fünf Männer vor Gericht
Der 27-Jährige überlebte nur knapp. Er erlitt schwere Stichverletzungen am Oberschenkel und am Becken. Muskeln wurden teilweise, eine Arterie, Venen und ein Nerv komplett durchtrennt. Durch den enormen Blutverlust kam es zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn. Die Folgen sind dramatisch: Das Opfer kann heute kaum noch sprechen und leidet unter Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.
Nach dem Angriff kümmerte sich ein Kriseninterventionsteam des Deutschen Roten Kreuzes um die psychosoziale Betreuung von Augenzeugen. Unter ihnen war laut Polizei auch ein Kind im Alter von 13 Jahren.
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Die Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern gestaltete sich langwierig. Trotz einer sofort eingeleiteten Großfahndung und einem öffentlichen Zeugenaufruf, konnten die Männer zunächst nicht gefasst werden. Erst Anfang Dezember 2024 konnte der 30-jährige mutmaßliche Haupttäter in der Türkei aufgespürt und verhaftet werden. Er wurde im August 2025 nach Deutschland ausgeliefert und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft in Hamburg. Die anderen Tatverdächtigen wurden erst im Dezember vergangenen Jahres an ihren Wohnadressen in Lüneburg und Dortmund verhaftet.
Ab Freitag müssen sie sich vor dem Hamburger Landgericht verantworten.
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