Jeder gegen jeden – Drogenschmuggler gehen aufeinander los

Drogenprozess vor dem Hamburger Landgericht
Die Angeklagten (halten sich schützend was vors Gesicht) sind wegen des Verstoßes gegen das Cannabisgesetz und wegen versuchten schweren Raubes angeklagt.

Wenn 100 Kilo Marihuana verschwinden, ist im Milieu schnell die Hölle los. Das zeigt ein aktueller Prozess vor dem Hamburger Landgericht: Dort stehen vier Männer vor Gericht, die nach dem Drogenverlust mit Eisenstangen, Schusswaffen und Morddrohungen loszogen. Jeder verdächtigte den anderen – mit blutigen Folgen.

Angeklagt vor dem Hamburger Landgericht sind vier Männer zwischen 20 und 49 Jahren aus Russland, der Türkei, Afghanistan und Albanien. Die vier sollten mit einer Gruppe von drei weiteren Männern im November 2023 einen Sack voller Cannabis aus einem Container bergen, der zuvor von anderen Männern in Lagerräume eines Groß- und Außenhandels im Gewerbegebiet in der Billstraße in Rothenburgsort gebracht worden war. Doch als die Angeklagten am 17. November 2023 den Container durchsuchten, war der Drogensack verschwunden. Die Aufregung war groß. Was niemand der Beteiligten wusste: Das Zollamt Bremerhaven hatte die Schmuggelware bereits am Vortag bei einer Kontrolle sichergestellt.

Gewalt-Eskalation: Mit Eisenstangen und Waffen auf der Billstraße

Doch irgendwer musste die Drogen ja an sich genommen haben, dachte sich offenbar ein jeder der Beteiligten vor Ort – und verdächtigte den jeweils anderen. Also kamen die Angeklagten und die weiteren Schmuggler wenige Tage später erneut in die Billstraße und konfrontierten den Chef der Lagerfläche mit ihren Forderungen: „Wo ist mein Geld“, wollte einer der Angeklagten von dem Lagerhallenchef wissen. Und dann kippte die Stimmung.

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Brutale Abrechnung: Schädel-Hirn-Trauma nach Angriff in Lagerhalle

Drei der Angeklagten und zwei gesondert verfolgte Männer schlugen mit Eisenstangen auf den Lagerhallenchef und drei weitere Anwesende ein, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Sie prügelten auf Arme, Beine, Hände und Köpfe ein. Einer der Geschädigten erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, der andere eine Schädel-Fraktur. Auch eine Schusswaffe wurde gezogen und dem Lagerhallenchef mit den Worten „Ich will mein Geld. Wir kommen wieder“ an die Schläfe gedrückt.

Morddrohungen nach Drogendiebstahl: „Ich kann noch 100 Leute umlegen!“

Im Anschluss an die Prügelei fuhren die Schläger zur OIL-Tankstelle in der Nähe und besprachen laut Anklage ihr weiteres Vorgehen. Ein Telefonat mit den obersten Auftraggebern verschärfte die Stimmung. Morddrohungen wurden ausgesprochen, sollte die Gruppe die Drogen nicht beschaffen. Sogar ein Anruf beim Zoll wurde von einem der Beteiligten angekündigt. Bis der Zoll die Ware herausrücke, könne er noch 100 Leute umlegen, soll einer der Angeklagten großspurig gesagt haben. Doch dazu kam es nicht mehr. Einer der Angeklagten sitzt bereits in Haft. Wie es für die anderen drei ausgeht, wird sich im Laufe des Prozesses zeigen. Neun weitere Verhandlungstage sind angesetzt.