„Ich hab‘ gedacht, jetzt fackelt einer ab“: Silvesternacht in Hamburg eskaliert

Amtsgericht Hamburg, Feuerwerk, Prügelei
Der Angeklagte muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Diese Silvesternacht in Hamburg lief völlig aus dem Ruder: In der Nacht zum 1. Januar 2023 ist es zu solchen Ausschreitungen gekommen, dass diese nun Thema vor dem Amtsgericht sind. Einem 23-Jährigen wird vorgeworfen, bei der Station Baumwall (Neustadt) Böller in eine Menschenmenge geworfen zu haben. Doch am Dienstag präsentiert der Angeklagte eine ganz andere Version der Wahrheit.

Er wirkt gelassen, als der Staatsanwalt ihn mit den Vorwürfen konfrontiert: Danial A. (23) wird beschuldigt, in der Silvesternacht 2023 mehrere Menschen verletzt zu haben. Ihm wird nun gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll unter anderem auf dem dicht gedrängten Platz nahe der U-Bahnstation Baumwall ein Feuerwerk angezündet haben, das den Fuß des damals 15-jährigen Zeugen Elias N. getroffen haben soll.

Angeklagter stellt Geschehnisse anders dar

Danial A. dementiert diese Schilderung: „Ich und meine Freunde waren zusammen und hatten Spaß. Als wir bei der U-Bahn waren, hat einer die Rakete angezündet und ist sofort verschwunden“, vermittelt eine Dolmetscherin aus dem Arabischen.

„Ich bin nicht derjenige, der die Rakete angezündet hat“, möchte der Angeklagte klarstellen. Eine Familie habe ihn daraufhin beschuldigt, der Verantwortliche zu sein und ihn geschlagen. „Dann kam mein Bruder, um mir zu helfen“, so Danial A.

Zeuge: „Ich hab‘ gedacht, jetzt fackelt einer ab“

Der Angeklagte will also nichts mit den Vorwürfen, wie sie in der Anklage stehen, zu tun gehabt haben. Die einzige Sache, die an diesem Prozesstag somit festzustehen scheint: die Situation war mehr als unübersichtlich. Auch, wenn es nach den Berichten der Zeugen geht. Es war „brechend voll“, berichtet ein Zeuge, der das Geschehen aus der Ferne beobachtet haben soll.

Plötzlich sei ein Feuerwerkskörper auf eine Traube von Menschen geflogen. „Ich hab‘ gedacht, jetzt fackelt einer ab“, sagt der Zeuge. Ein Mann habe dann versucht, die Personengruppe, die den Feuerwerkskörper mutmaßlich gezündet hat, zu konfrontieren: „Die Gruppe fing sofort an, aggressiv auf ihn loszugehen“, sagt der Zeuge. Es folgte eine wilde Prügelei.

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Der von dem Zeugen benannte Mann, der vergeblich versuchte, die Situation zu entschärfen und dann in die Prügelei geriet, ist ebenfalls im Gerichtssaal anwesend. Er ist der Onkel des Geschädigten Elias N.: „Ich meinte, ‚mach das nicht, das ist gefährlich – hier sind Kinder und alte Menschen’“, berichtet er. Daraufhin sei er von einem aus der Gruppe geschlagen und mit Pfefferspray attackiert worden.

Der Bruder des Angeklagten war in der Silvesternacht auch vor Ort. Er ist als Zeuge geladen und hat die Situation, ähnlich wie sein Bruder, ganz anders wahrgenommen: „Ich habe mitbekommen, dass jemand eine Rakete angezündet hat. Dann habe ich gesehen, dass Personen in einem Halbkreis um meinen Bruder standen. Ich habe gesehen, wie er seine Hände hoch gemacht hat. Sie haben ihn geschlagen. Ich habe versucht, ihm zu helfen, dann haben sie mich geschlagen.“

Ein Fortsetzungstermin mit einigen weiteren Zeugen ist für den 29. Juli angesetzt.

Diese Silvesternacht in Hamburg lief völlig aus dem Ruder: In der Nacht zum 1. Januar 2023 ist es zu solchen Ausschreitungen gekommen, dass diese nun Thema vor dem Amtsgericht sind. Einem 23-Jährigen wird vorgeworfen, bei der Station Baumwall (Neustadt) Böller in eine Menschenmenge geworfen zu haben. Doch am Dienstag präsentiert der Angeklagte eine ganz andere Version der Wahrheit.