Homophobe Attacke in U-Bahn – dann eskaliert die Situation

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger beim Prozessauftakt am Donnerstag.
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger beim Prozessauftakt am Donnerstag.

Der Angegriffene trug auffällige Lackschuhe – und geriet so ins Visier des Angeklagten: Vor anderthalb Jahren soll Michael W. einen gegenübersitzenden Mann in der U3 als „Bazille, Krankheit und Schwuchtel“ beleidigt haben. Später kam es zu Handgreiflichkeiten. Jetzt muss der 40-Jährige sich wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Michael W. sitzt breitbeinig in der U3. Es ist der 20. Oktober 2024, gegen 3.40 Uhr. Der 40-Jährige ist gerade auf dem Heimweg vom Kiez, wie viele andere Fahrgäste. Ihm gegenüber sitzt ein Mann. Er soll auffällige, schwarze Lackstiefel getragen haben, so schildern es Zeugen, und wurde dadurch zur Zielscheibe von queerfeindlichem Hass.

Verteidiger: „Er weiß, dass das unter aller Sau war“

Als „Bazille, Krankheit und Schwuchtel“ soll W. den Geschädigten beleidigt haben. Ton ist auf den Überwachungsaufnahmen aus der U-Bahn nicht zu hören, die am Donnerstag im Gerichtssaal gezeigt werden. Aber Michael W. räumt die homophoben Beleidigungen in einer Erklärung ein, die von seinem Verteidiger verlesen wird.

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„Warum er meinte, das an diesem Tag auf diese Weise ausdrücken zu müssen, kann er heute auch nicht mehr so richtig sagen“, sagt sein Anwalt. „Er weiß, dass das unter aller Sau war.“ Der Angeklagte sitzt ruhig neben seinem Verteidiger, nickt gelegentlich. Seine Hände hat er gefaltet und vor sich auf dem Tisch abgelegt.

Rangelei startet im Waggon – und verlagert sich auf Bahnsteig

In der U-Bahn schalteten sich damals Passanten ein. „Ich habe ihn gefragt, was er mit den Beleidigungen erreichen will“, sagt ein Zeuge (32) vor Gericht. Der Angeklagte soll den Zeugen und seine Begleiterin laut Anklage aufgefordert haben, die „Fresse zu halten“, und drohte, ihnen sonst die Zähne auszuschlagen.

Dann soll W. zugeschlagen haben. Der Zeuge wehrte sich: „Ich lasse mich ja nicht einfach schlagen“, sagt er. Es kam zur Rangelei, die sich schließlich aus dem Waggon auf den Bahnsteig verlagerte. Der Zeuge wurde am Auge getroffen, aber nicht schwer verletzt. Nach einigen Minuten wurden die beiden von Umstehenden getrennt, wenig später kam der Sicherheitsdienst.

Prozess wird am 30. März fortgesetzt

Den Vorwurf der Körperverletzung weist Michael W. zurück. Er streitet über seinen Verteidiger ab, ohne gerechtfertigten Grund auf jemanden losgegangen zu sein. Es sei eine gegenseitige Prügelei gewesen, bei der beide Seiten zugeschlagen und eingesteckt haben. Das Verfahren gegen den Zeugen war im Januar seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

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Der Hauptgeschädigte, der ursprünglich in der Bahn beleidigt wurde, war am Donnerstag ebenfalls als Zeuge geladen, doch er erschien nicht. Der Prozess muss deswegen am 30. März fortgesetzt werden.