Hamburger Bodybuilder-Pärchen dealt mit Doping – vor Gericht fließen plötzlich Tränen

Mehrere Packungen und Ampullen Doping- und Arzneimittel liegen sichergestellt auf einem Tisch
Diese Dopingmittel wurden im Oktober 2017 bei einer Razzia im Haus von Torben T. sichergestellt.

Einem Hamburger Bodybuilding-Paar wird vorgeworfen, mit Dopingmitteln gedealt zu haben. Gemeinsam mit einem Bekannten standen die Eheleute nun vor dem Landgericht – bei allen Angeklagten flossen Tränen der Reue.

Es geht um rund 650 Ampullen sowie 100 Tabletten. Michelle und Torben T. (Namen aller Angeklagten geändert) müssen sich unter anderem wegen bandenmäßigen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Dopingmitteln verantworten. Dies wird auch dem dritten Angeklagten, Max F. vorgeworfen. Mit ihm soll der Hauptbeschuldigte Torben T. von April bis Mitte November 2015 die Mittel gekauft haben, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die Liste der Mittel ist lang – als die Staatsanwältin die Namen vorliest, dauert das mehrere Minuten.

Erste Durchsuchung war 2016

Bevor sich Torben T. zu den Vorwürfen äußert, spricht seine Anwältin. Sie sagt, dass die „lange Zeit der Verfahrensverzögerung“ ihrem Mandanten sehr zu schaffen mache. Bereits seit der ersten Durchsuchung seiner Wohnung im Dezember 2016 würde ihn die Angst vor einer möglichen Verurteilung begleiten. Mittlerweile arbeite er als Physiotherapeut. Eine Haftstrafe könne ihn aus dem Leben reißen.

„Ich räume die Taten vollumfänglich ein“, sagt Torben T. Er berichtet der Richterin von Geldproblemen, die ihn in seiner Kindheit belastet hätten, wie er dann mit 16 Jahren zum Kraftsport gefunden habe, was ihm zu Selbstbewusstsein verholfen habe. Im Internet fände man leicht Präparate, die beim Muskelaufbau helfen sollen. Zunächst habe er diese erst nur für sich konsumiert. Irgendwann wären dann auch andere Interessenten auf ihn zugekommen. So habe sich ungeplant ein Geschäft entwickelt, in das er dann später auch seine jetzige Ehefrau mit hereingezogen habe. Michelle habe ihn schließlich ein Ultimatum gestellt, woraufhin er alle Kontakte sofort abbrach und keine Bestellungen mehr entgegennahm, so Torben T. „Ich bereue alles zutiefst“, sagt er.

Tränen im Gerichtssaal

Als Michelle T. ihr Geständnis vorliest, wirkt sie nervös. „Ich würde sofort alles rückgängig machen, wenn ich könnte“, sagt sie. Als sie über ihren aktuellen seelischen Zustand spricht, kommen ihr die Tränen. Sie leide an Schlafstörungen und Angstzuständen wegen der Hausdurchsuchungen, die öffentliche Berichterstattung habe ihr erschwert, einen Job zu finden. Morgens könne sie nicht mehr unbeschwert aufstehen, der Kontakt zu einigen Familienmitgliedern sei abgebrochen. Es sei die schlimmste Zeit ihres Lebens gewesen. Ihr Ehemann Torben sei ein herzensguter Mensch. Als seine Frau redet, weint auch er.

Torben T. nimmt seine Ehefrau immer wieder in Schutz. Beide geben an, mittlerweile ihrer bisherigen Disziplin im Kraftsport den Rücken gekehrt zu haben. Der Doping-Konsum habe zudem zu Komplikationen bei ihrem derzeitigen Kinderwunsch geführt.

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Max F. räumt ebenfalls seine Schuld ein. Torben T., den er im Fitnessstudio kennengelernt habe, sei eine Art Vorbild für ihn gewesen. Als er anfing Pakete für ihn anzunehmen, sei ihm bewusst gewesen, dass sie illegalen Inhalt hatten. Am Verkaufsgewinn sei er jedoch nicht wesentlich beteiligt gewesen – er habe Steroide für den Eigenbedarf erhalten. Auch er zeigt Reue, und auch ihm kommen die Tränen, als er auf die psychisch belastenden Konsequenzen des Verfahrens zu sprechen kommt. Am kommenden Mittwoch soll der Prozess fortgeführt werden.