Hamburg
„Hätte die Verteidigung anders geführt“: Blocks Ex-Anwalt rechnet mit Ingo Bott ab
Kurz nach Prozessbeginn trennte sich Christina Block von ihrem langjährigen Rechtsanwalt Otmar Kury, seitdem wird sie allein von Ingo Bott vor Gericht vertreten. Jetzt meldet sich der Fachanwalt für Strafrecht wieder zu Wort.
Kurz vor Beginn der Hauptverhandlung vor knapp einem Jahr stellte Christina Block ihrem langjährigen Rechtsanwalt Otmar Kury einen jungen Kollegen zur Seite. Und dann der Paukenschlag kurz nach Prozessbeginn: Kury sollte plötzlich gar keine Geige mehr spielen. Ingo Bott, Anwalt und Krimiautor, verteidigt die Steakhouse-Erbin seitdem alleine gegen den Vorwurf der Kindesentführung. Jetzt meldet sich Kury seit langem wieder zu Wort – und kritisiert seine Kollegen in dem Verfahren deutlich.
Otmar Kury gilt als einer der hoch angesehensten Verteidiger Hamburgs, wenn nicht sogar Deutschlands. Als jahrelanger Präsident der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer eilte ihm der Beruf eines Top-Juristen voraus, der stets durch seine gehobene Wortwahl auffiel. Niemand sonst sprach von der „angeklagten Dame Block“.
Christina Block trennte sich kurz nach Prozessbegin von Otmar Kury
Nach nur drei Prozesstagen ließ diese angeklagte Dame dann allerdings über ihren neuen Verteidiger Ingo Bott ausrichten, dass sie sich von Kury nicht mehr vertreten lasse. „Seit einiger Zeit habe ich festgestellt, dass unsere beiden Welten sehr unterschiedlich sind. Mir ist daran gelegen, als der Mensch gesehen und gehört zu werden, der ich tatsächlich bin. Die fachkundige und hochprofessionelle Kompetenz von Herrn Kury stelle ich dabei nicht infrage“, hieß es in der Erklärung.
„Plötzlich war ein neuer Rechtsanwalt gekommen, ohne dass ich das wusste“, sagt Kury jetzt im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Aus seiner Sicht habe dieser neue Anwalt sehr häufig mit den Medien gesprochen. Er, Kury, habe verdeutlicht, dass seine Beweisanträge nicht intern weitergegeben werden dürften, damit sie nicht an die Medien weitergegeben würden. „Das hat dann zu Problemen geführt. Trotzdem war es mir wichtig, dass hier zwischen den Rechtsanwälten keine Streitigkeiten ausgeführt werden, weil die gemeinsame Verteidigung ordentlich stattfinden muss.“
„Ein Prozess dient nicht dazu, einen Verteidiger bekannter zu machen“
Er hätte die Verteidigung anders geführt, erklärt Kury jetzt im Interview. Die Vorgeschichte und die Rolle des Kindsvaters Stephan Hensel hätten stärker in die Beweisaufnahme gebracht werden müssen. „Dazu gehört aus meiner Sicht auch, dass das Oberlandesgericht Hamburg dem Vater angeordnet hatte, die Kinder sofort zur Mutter zurückzubringen, und der Mutter das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder zugesprochen hatte.“ Kury hatte Christina Block schon lange vor Prozessbeginn im jahrelangen Sorgerechtsstreit vertreten.
Und einen weiteren Seitenhieb auf seine Kollegen kann er sich jetzt nicht verkneifen: Ständige Erklärungen gegenüber Medien abzugeben, gehöre nicht zu den Aufgaben als Verteidiger. „Die Verteidigung hat ihre Arbeit in der Hauptverhandlung zu leisten. Ein Prozess dient nicht dazu, einen Verteidiger bekannter zu machen, sondern dazu, die Verteidigung korrekt zu führen.“ Der Rechtsanwalt verdeutlichte außerdem noch einmal, dass er Christina Block für unschuldig halte.
Block-Prozess: Ingo Bott kämpft für Freispruch seiner Mandantin
Als er sie noch im Hauptverfahren vertrat, hatte Kury zu Beginn verkündet, die verstorbene Großmutter Christa Block stecke hinter dem Auftrag an die israelischen Entführer – was in der Presse und auch allgemein für ungläubiges Staunen sorgte. Christina Block selbst betonte in ihrer ersten Einlassung dann allerdings mehrfach: „Ich beschuldige meine Mutter nicht.“
Ingo Bott verfolgt währenddessen vor Gericht eine kämpferische Freispruch-Verteidigung für seine Mandantin: Laut ihm habe David Barkay, Chef der israelischen Entführungsgruppe, auf eigene Faust gehandelt und die Kinder nach Deutschland verschleppen lassen. Am Neujahrestag seien die Kinder dann der völlig ahnungslosen Mutter übergeben worden. Barkay habe sich laut Bott davon erhofft, dass die Block-Gruppe ihm lukrative IT-Aufträge vergeben würde.
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