Gewaltexzess in der Mönckebergstraße – vor Gericht sehen sich Täter und Opfer wieder

Eine ganze Gruppe von Männern prügelt auf ihr Opfer ein.
Eine ganze Gruppe von Männern prügelte auf das Opfer ein.

„Moin!“, ruft Tawfik A. den Zuschauern vor Saal 378 des Landgerichts zu. Kurz darauf sitzt er im Gerichtssaal – und blickt den Männern ins Gesicht, die ihn fast totgeprügelt haben sollen. Der 20-Jährige trägt einen hellen Pulli und eine Cap, unter der dunkle Locken hervorschauen. In einer Oktobernacht 2025 wurde er an der Mönckebergstraße brutal attackiert. Jetzt ist er Opfer und Hauptzeuge im Prozess wegen versuchten Totschlags.

Tawfik A. nimmt Platz. Die Sonne fällt ihm auf den Hinterkopf. Dem recht kleinen und schmalen Mann sitzen zwei Männer aus der Untersuchungshaft gegenüber: Lamin M. (25) und Ihssane A. (22). Sie sind wegen versuchten Totschlags angeklagt. Die beiden sollen zu der Gruppe gehört haben, die auf ihn einschlug und eintrat.

Video der Tat zeigt brutalen Angriff

Der Vorfall ereignete sich am 31. Oktober 2025 gegen 5 Uhr morgens vor der Diskothek „die Insel“ im Levantehaus an der Mönckebergstraße. Nach MOPO-Informationen soll Tawfik A. unter Drogeneinfluss gewesen sein, sich an wartenden Gästen vorbeigedrängt haben. Offenbar fühlte er sich dort wie ein Stammgast mit Sonderrechten. Das kam nicht gut an.

Ein Video zeigt die Eskalation: Mehrere Männer schlagen und treten auf den am Boden liegenden Mann ein. „Du Hurensohn. Ich ficke deine Mutter“, brüllt einer. Das Opfer wird über die Straße getreten, hochgerissen, wieder zu Boden geworfen. Umstehende schreien, die Täter sollen aufhören.

Gewaltexzess an der MÖ. Mann geschlagen und fast tit getreten
Immer wieder traten die Täter auf den am Boden liegenden Mann ein.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Ihssane A. (22) vor, den bereits bewusstlosen Mann hochgezogen und wieder zu Boden gestoßen zu haben. Dabei habe er tödliche Verletzungen in Kauf genommen. Mehrfach soll er auf ihn eingetreten haben, mindestens einmal gegen den Kopf. Der 25-jährige Angeklagte M. habe zudem nach Absprache dreimal von oben wuchtig auf den Kopf des Opfers eingetreten. Die Staatsanwältin spricht von einem „gemeinsamen Tatplan“.

Angriff in der Mönckebergstraße – Opfer möchte aussagen

Während die Anklage verlesen wird, blickt Lamin M. auf seine Hände. Erst danach hebt er den Kopf. Ihssane A. starrt regungslos geradeaus.

Die Staatsanwältin erklärt, dass schließlich Passanten dazwischen gingen. Das Opfer erlitt Schwellungen und blutende Wunden an Kopf und Gesicht. Es wurde im Asklepios St. Georg behandelt. Knapp ein halbes Jahr später möchte der Mann vor Gericht eine Aussage machen, doch zum Prozessbeginn am Dienstag darf er noch nicht.

Die Angeklagten stehen mit verdeckten Gesichtern neben ihren Verteidigern.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten versuchten Totschlag vor.

Stattdessen geht es um Organisatorisches. Die Richterin stimmt mit den Verteidigern den weiteren Ablauf ab. Beide Angeklagten wollen sich äußern – allerdings erst beim nächsten Termin. Einer der Anwälte steht unter Zeitdruck. Gleichzeitig soll das Verfahren möglichst schnell gehen.

Vor Gericht: Anwalt fordert Laptop für Angeklagten

Dann wird es technisch: Ein Verteidiger beantragt, seinem Mandanten im Gefängnis einen Laptop zur Verfügung zu stellen, um die Akten digital lesen zu können.

„Da muss ich Sie enttäuschen“, sagt die Richterin sofort. „Wir können nicht jedem Häftling einen PC zur Verfügung stellen, einfach weil wir sie nicht haben“, erklärt sie. Zudem sei dem Angeklagten nur das Lesen bestimmter Dokumente gestattet, nicht die vollständige Akte.

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Der Prozessauftakt ist bereits nach 25 Minuten beendet. Zum nächsten Termin am 18. Mai werden die beiden Angeklagten sowie das Opfer ihre Erklärungen abgeben. Auch das Video der Tat soll dann eine zentrale Rolle spielen.