Marienkrankenhaus Feuer Prozess

In der Nacht des Feuers mussten Teile des Krankenhauses evakuiert werden, Patienten wurden unter freiem Himmel versorgt. (Archivbild) Foto: NEWS5

Tödliches Feuer in Hamburger Krankenhaus: 73-Jähriger wegen Brandstiftung angeklagt

Mitten in der Nacht bricht im Juni im Hamburger Marienkrankenhaus ein schweres Feuer aus. Drei Menschen kommen dabei ums Leben, viele werden verletzt. Nun muss sich ein 73-Jähriger vor Gericht verantworten.

Der Rentner wird beschuldigt, das Feuer am 1. Juni um kurz nach Mitternacht gelegt zu haben. Dafür soll er als Patient der Klinik an der Angerstraße in seinem Zimmer im Erdgeschoss sein Kopfkissen mit einem Feuerzeug angezündet haben. Das Feuer breitete sich rasch aus. Die Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot an. Etwa 220 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen.

Die breiteten sich schnell auf weitere Zimmer und die gesamte geriatrische Station aus, die auf die Versorgung älterer Patientinnen und Patienten spezialisiert ist. Zeitweise drohte das Feuer auf das nächste Stockwerk überzugreifen. Patienten mussten teilweise über Drehleitern gerettet werden. „An den Fenstern waren mehrere Personen, also Patientinnen und Patienten, die da um Hilfe gerufen haben“, sagte ein Feuerwehrsprecher damals zur MOPO. Das brennende Zimmer im Tiefparterre war nur von außen erreichbar. Der Qualm zog durch alle vier Etagen des Gebäudes. Eine Pflegerin und ein Patient erlitten laut Staatsanwaltschaft schwere Inhalationstraumata. Außerdem erlitten die Frau und ein als Security-Mitarbeiter eingesetzter Mann jeweils einen Herzinfarkt.


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Nach rund 20 Minuten war das Feuer gelöscht. Teile der Klinik mussten evakuiert werden. Verletzte Patientinnen und Patienten wurden in der Notaufnahme versorgt oder in andere Krankenhäuser gebracht. Während der Zimmernachbar des Angeklagten und weitere Patienten von Pflegekräften und Feuerwehr gerettet werden konnten, kam für drei männliche Patienten (84, 85 und 87 Jahre) jede Hilfe zu spät. Sie erlitten eine Kohlenmonoxidvergiftung. Darüber hinaus wurden 18 Menschen schwer und 15 leicht verletzt.

Feuer in Marienkrankenhaus: 73-Jähriger wegen Brandstiftung vor Gericht

Viele Rettungskräfte gingen in jener Nacht an ihre Grenzen. Einige waren nach dem Einsatz traumatisiert und wurden von Seelsorgern betreut. Ein Feuerwehrmann erklärte: „Man weiß, dass da drinnen viele Menschen in Gefahr sind, aber es ist schwer, sie in den verrauchten Fluren zu finden – das setzt einem zu.“

Ein Beamter der Brandermittlung dokumentiert nach dem Brand die Spuren. (Archivbild) RUEGA
Ein Beamter der Brandermittlung dokumentiert nach dem Brand die Spuren. (Archivbild)
Ein Beamter der Brandermittlung dokumentiert nach dem Brand die Spuren. (Archivbild)

Nachdem die Polizei Zeugen befragte, fiel der Verdacht schnell auf den 73-Jährigen. Er wurde am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt, der die vorläufige Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik anordnete.

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Ab Donnerstag muss er sich wegen des Verdachts einer schweren Brandstiftung mit Todesfolge in Verbindung mit Mord mit gemeingefährlichen Mitteln in drei Fällen in einem Sicherungsverfahren vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Sachverständige gehen davon aus, dass er im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat. Die Öffentlichkeit kann für die Hauptverhandlung oder einen Teil davon ausgeschlossen werden.

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