Erstochen im Phoenix-Center: Sie waren beste Freunde – jetzt ist einer tot

Einsatzkräfte stehen nach der Messerattacke im Food-Court des Phoenix-Centers.
Blutflecken am Tatort: Im Food-Court des Phoenix-Centers kam es im Juni zur tödlichen Auseinandersetzung. (Archivbild)

„Das durftest Du mit mir nicht machen“, schreit Omar N. (25, alle Namen geändert) durch den Foodcourt des Phoenix-Centers. Einige Meter entfernt sitzt Ahmed M. (25) auf einer Bank. Ersthelfer versuchen, seine schweren Stichverletzungen am Hals zu versorgen. Wenig später stirbt der Mann auf dem Weg ins Krankenhaus. Am Donnerstag startete der Prozess wegen Totschlags, jetzt sagte die Frau des Angeklagten als Zeugin aus – und erzählte, wie sich die Tat über Monate angebahnt habe.

„Hat Ihr Mann einmal gesagt, dass er jemanden umbringen will?“, fragt die Richterin die junge Frau am Montag. „Nein, so etwas macht er nicht“, antwortet sie. Ihr Blick schweift nach links zu ihrem Mann Omar N., dann setzt sie nach: „Eigentlich“. „Hat er mal gesagt, dass er sich selbst umbringen will?“, fragt die Vorsitzende weiter. „Ja“, sagt die 23-Jährige. Sie schluchzt, der psychiatrische Gutachter reicht ihr ein Taschentuch.

Bei der Polizei erzählte sie kurz nach der Tat, ihr Mann habe gesagt, dass es „nur eine Lösung gebe“. Entweder er sterbe oder sein ehemals bester Freund Ahmed. „Er war sehr fertig an diesem Tag“, erinnert sie sich zurück an den 26. Juni. Der Tag, an dem ihr Mann seinen ehemaligen Kumpel im Foodcourt des Harburger Einkaufcenters erstochen haben soll.

Opfer soll schlecht über die Ehefrau geredet haben

Die Streitigkeiten zwischen den Männern begannen etwa ein Jahr vor der Tat, so die Ehefrau. Ahmed, der beste Freund ihres Mannes, behauptete, dass sie geschieden seien, berichtete ihre Schwester damals. „Ich war sehr sauer“, erzählt sie. Ihr Mann sei „schockiert“ gewesen und fuhr direkt zu der Wohnung seines Freundes. Er konfrontierte ihn, sie stritten, am Ende zeigten sie sich gegenseitig an. Ahmed hatte eine blutende Nase, woher, wisse sie nicht, sagt die Frau. Er soll der Anfang einer monatelangen Misere gewesen sein.

Einige Wochen später behauptete Ahmed, er würde mit der Ehefrau von Omar N. eine Beziehung führen. „Ich glaube, er war angepisst nach dem Streit“, vermutet die 23-Jährige. Da war nichts, beteuert sie heute vor Gericht und damals auch vor ihrem Mann – doch der glaubte ihr nicht. „Das hat unsere Familie zerstört“, sagt sie. Die Schwangere zog mit ihrer Tochter zurück zu ihrer Familie. Trotz allem hatte sie immer viel Kontakt zu ihrem Mann, auch wegen der ersten Tochter. Ob sie ihn immer noch liebe, fragt die Richterin. „Ja“, antwortet die Frau, ohne zu zögern.

Immer wieder soll das spätere Opfer ihren Mann angerufen und ihn aufgefordert haben, vorbeizukommen. Dann würde er ihm Beweise zeigen. So erzählte ihr Mann es, selbst miterlebt hat sie diese Anrufe nie. Nur ein Telefonat hörte sie selbst mit an, da behauptete Ahmed, er habe eine Affäre mit der Schwester von Omar N.

Omar N. soll von seinem Opfer „besessen“ gewesen sein

Ein anderer Zeuge soll gesagt haben, Omar N. sei von Ahmed „besessen“ gewesen. In den Monaten gab es diverse Anzeigen gegen N. und letztendlich eine richterliche Anordnung, die ihm verbot, sich dem späteren Opfer zu nähern. „Ich habe ihn nicht mehr erkannt in den Wochen davor“, erzählt die Frau. „Er hatte sehr viele Gedanken, hat ständig geweint und geschrien. Er sagte, er hört Stimmen.“

Auch Drogen habe er laut seiner Frau genommen. Er habe sich kurz vor der Tat bei einer Suchtklinik vorstellen wollen, erzählte er damals. Doch dazu kam es nie. Stattdessen erhielt sie gegen 19 Uhr einen Anruf der Polizei, die ihr erzählte, was ihr Mann getan haben soll.

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Ob sie eine Erklärung dafür hat, dass ihr Mann Ahmed erstochen hat, will die Richterin zum Schluss der Befragung noch wissen. „Nein, als ich das gehört habe, konnte ich es erst gar nicht glauben“, sagt die 23-Jährige. Dann wird die Frau entlassen. Sie steht auf, wirft ihrem Mann einen Kuss durch die Luft zu und verlässt den Saal.