Entführer-Chef packt aus: Kronzeuge widerspricht Christina Block

Christina Block mit ihrem Anwalt Ingo Bott.
Christina Block mit ihrem Anwalt Ingo Bott.

Seine Aussage ist die größte Überraschung im Prozess um die Entführung der Block-Kinder: David Barkay, 68 Jahre alt, Ex-Mossad-Agent und Kopf der Entführerbande. Seit der Tat wurde der Israeli per internationalem Haftbefehl gesucht, niemand, schon gar nicht die Verteidiger, rechnete damit, dass er sich aus der Deckung wagt und sich als Zeuge zur Verfügung stellt. Aber nun ist er da – und was er in öffentlicher Hauptverhandlung zu Christina Blocks Rolle bei der Entführung ihrer Kinder sagt, lässt ihre eigene Aussage in einem ganz neuen Licht erscheinen. Vier zentrale Widersprüche:

Das erste Treffen

Das sagt David Barkay: Er habe Christina Block und Gerhard Delling, sowie den mitangeklagten Familienanwalt und dessen Sohn Anfang 2023 in einem italienischen Restaurant getroffen. Bei diesem ersten Treffen sei es „nur um das Thema der Kinder gegangen“, sagt Barkay, Chef der Sicherheitsfirma Cyber Cupula. Er habe sich schon bei der ersten Anfrage gewundert, warum er mit seiner israelischen Firma in einem deutschen Sorgerechtsfall tätig werden soll. Einige Tage vor dem Treffen sei einer seiner Mitarbeiter nach Hamburg geflogen und habe 150.000 Euro in bar von dem Anwalt bekommen, als Anzahlung auf die vereinbarten 250.000 Euro Honorar für Cyber Cupulas Hilfe bei dem Vorhaben, die Block-Kinder zurück zur Mutter zu bringen. Der Anwalt der Blocks habe Barzahlung „bevorzugt“.

Das sagt Christina Block: Sie schildert ein erstes Treffen mit Barkay in einer Hotellobby nahe Rödingsmarkt. Es sei in dem Gespräch nur um die Cybersicherheit ihres Grandhotels Elysée gegangen. Barkay habe erklärt, seine Firma sei auf Hotels spezialisiert und habe auch viel mit dem Hamburger Hafen zu tun.

David Barkay
David Barkay

Die Tage vor der Entführung

Das sagt David Barkay: Im Spätherbst 2023 habe Christina Block immer mehr Angst bekommen, ihre Kinder niemals wiederzusehen, auch der Anwalt der Blocks habe viel Druck gemacht: „Wir wurden angewiesen, die Kinder zurückzubringen.“ Er habe sich daran gemacht, Teams zusammenzustellen, aus Fahrern und Kampfsportlern. Dabei sei wichtig gewesen, dass der Plan mit möglichst geringer Gewalt durchgeführt wird. Am 28. Dezember 2023 habe er ein Meeting mit dem Team und Christina Block im Elysée-Hotel einberufen: „Das Team sollte auch von ihr hören, dass wir im Namen der Familie handeln und auf deutscher Seite keinerlei rechtliche Probleme haben.“ Christina Block habe dem Team gedankt und versichert, dass alles legal sei: „Ich bin ganz sicher, dass sie in dem Moment wirklich dachte, sie tut das Richtige“, sagt Barkay.

Das sagt Christina Block: Nach ihrer Darstellung waren die Mitarbeiter von Cyber Cupula nur für die Cybersicherheit des Hotels angeheuert, was genau die machten, habe sie nicht gewusst. Sie habe sich auch gewundert, warum die ihre Rechnungen nicht bezahlt haben. Dass diese Männer in der Silvesternacht 2023 ihre beiden Kinder nach Deutschland verschleppt haben, das hätten die Israelis auf eigene Faust entschieden, ohne ihr Wissen, ohne Auftrag, ohne Bezahlung.

Wie Christina Block von der Entführung erfuhr

Das sagt David Barkay: Nachdem die Kinder während des Silvesterfeuerwerks ihrem Vater entrissen und von einem Teil der Bande über die Grenze geschleppt worden seien, hätten er und seine Mitarbeiterin Keren Tenenbaum den Jungen und das Mädchen auf deutscher Seite in Empfang genommen, in einem bereit gestellten Wohnmobil: „Christina wurde von Keren benachrichtigt, dass es vollbracht sei.“ Für die Kinder hätten Kleidungsstücke der Mutter im Wohnmobil gelegen: „Sie sollten schnell erkennen, dass wir im Namen ihrer Mutter handeln.“

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Das sagt Christina Block: In ihrer Aussage schilderte die Angeklagte, dass sie am Neujahrsmorgen 2024 in einem Hotelzimmer eine Box mit einem Handy gefunden habe, über das ihr mitgeteilt worden sei, dass ihre Kinder sich in Süddeutschland befänden. Sie sei verstört gewesen und habe eilig die Anreise per Zug für sich und die bei ihr lebende Tochter organisiert. Sie habe von nichts gewusst, hatte sie unter Tränen beteuert.

Der Bauernhof, auf dem die Kinder übergeben wurden

Das sagt David Barkay: Ein Kinderpsychologe habe Christina Block geraten, das erste Treffen mit den Kindern nach so langer Zeit auf „neutralem Boden“ stattfinden zu lassen. Er, David Barkay, sollte darum einen geeigneten Ort für die „Wiedervereinigung“ finden und habe sich für den Alpakahof von Bekannten in Süddeutschland entschieden: „Das hörte sich für mich nach einem guten Ort an, weil sie dort mit den Alpakas Kindern helfen.“

Das sagt Christina Block: Als einen Beweis für ihre Unschuld gab Christina Block an, dass es ja gar keinen Sinn ergebe, die Kinder in ihrem Auftrag nach Süddeutschland zu bringen und dann erst nach Hamburg. Es wäre ja viel logischer gewesen, die Kinder in das Ferienhaus an der Ostsee bringen zu lassen oder gleich ins Ausland.