Die tote Oma und das ominöse Handy: Block-Entführerin „Olga“ packt aus

Christina Block am 13. Januar vor dem Landgericht Hamburg.
Christina Block am 13. Januar vor dem Landgericht Hamburg.

Keren Tennenbaum, Deckname „Olga“, israelische Ex-Soldatin und zentrale Figur bei der Entführung der Block-Kinder, hat gegenüber der Hamburger Staatsanwaltschaft ausgesagt – und dabei Christina Block und den mitangeklagten Familienanwalt der Blocks als Mitwisser beschuldigt. Insbesondere ging es bei ihrer Aussage auch um die verstorbene Großmutter der Kinder als angebliche Auftraggeberin und das ominöse Handy, das Christina Block nach der Entführung in einem Hotelzimmer gefunden haben will. Auch über die Rolle Eugen Blocks spricht die Entführerin.

„Your Mama“, das soll Keren Tennenbaum auf Christina Blocks Frage nach dem Auftraggeber der Silvester-Entführung geantwortet haben. So hatte es die Unternehmerin vor Gericht geschildert. Wegen Kerens Worten habe ihr damaliger Anwalt Otmar Kury im Frühjahr 2024 verkündet, die verstorbene Großmutter habe die Kidnapper ihrer Enkelkinder losgeschickt – mit einem verheerenden Echo in der Öffentlichkeit.

Stimmt alles nicht, wenn man Keren Tennenbaum glaubt: Sie gibt nun gegenüber der Staatsanwaltschaft an, sie habe die Großmutter niemals getroffen, nie irgendeinen Auftrag mit ihr besprochen. Sie wisse nur, dass sie verstorben sei und Christina Block verzweifelt gewesen sei, weil ihr Ex-Mann die Kinder weder zum Abschiednehmen noch zu der Trauerfeier nach Hamburg gelassen habe. Christina Block habe ihre Mutter sehr geliebt, schildert Tennenbaum, während vom Vater keine Liebe gekommen sei.

Tennenbaum alias „Olga“ widerspricht Christina Block

Auch bei der Sache mit dem Handy widerspricht Keren Tennenbaum alias „Olga“ den Block-Behautungen: Christina Block hatte zu Prozessbeginn geschildert, wie sie ahnungslos im „Elysée“-Hotel in das Jahr 2024 gefeiert und am nächsten Morgen die Anweisung bekommen habe, in einem bestimmten Hotelzimmer nach einem Handy zu suchen.

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Sie habe eines in einer verpackten Box gefunden und darüber zu ihrer eigenen Überraschung erfahren, dass ihre Kinder in Deutschland seien. Über dieses geheime Handy habe sie auch die Anweisung erhalten, nach Süddeutschland zu kommen, um Sohn Theo, damals 10, und Tochter Klara, damals 13 Jahre alt, abzuholen.

Tennenbaum sagt, sie habe mit Block einen Code vereinbart

Keren Tennenbaum schildert die Situation ganz anders: Sie habe mit Christina Block einen Code vereinbart, den sie ihr am Silvesterabend schicken würde: einen unverfänglichen Neujahrsgruß, der das Signal sein sollte, dass die Kinder in Deutschland seien.

Das „Grand Elysée“ in Hamburg (Archivfoto).
Das „Grand Elysée“ in Hamburg (Archivfoto).

Christina Block möge daraufhin mit ihrem Generalschlüssel in Tennenbaums Zimmer gehen und sich das Handy nehmen, das dort bereitliege. Alle weitere Kommunikation sollte dann über dieses geheime Gerät erfolgen.

Zeugin: Block habe gewusst, dass Kinder entführt werden sollten

Christina Block habe gewusst, dass ihre Kinder in der Nacht entführt werden sollten. Sie habe den Entführern Kleidung von sich und Spielsachen für die Kinder mitgegeben, Hinweise zum Ort der Entführung mitgeteilt und dem Team vor der Fahrt nach Dänemark viel Glück gewünscht und sich bedankt.

Auch der mitangeklagte Familienanwalt der Blocks nimmt in der Aussage der mutmaßlichen Entführerin großen Raum ein: Der Jurist habe ihr und dem mutmaßlichen Kopf der Entführer, David Barkay, immer wieder versichert, dass die Aktion legal sei, da Christina Block das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder habe.

Block-Anwalt soll mutmaßlichen Entführer unter Druck gesetzt haben

Er habe Barkay unter Druck gesetzt, die Kinder endlich zurückzuholen, habe aber selbst unter immensem Druck vom „Patriarchen“ gestanden. Der „Patriarch“, also Eugen Bock, habe über den Anwalt etwa ausrichten lassen, er erwarte, dass die Kinder an Weihnachten zu Hause sind. Er habe bereits Geschenke besorgt. Und er, Eugen Block, wolle der erste sein, der die Kinder sehe.

Eugen Block beim Neujahrsempfang seiner Firmengruppe am 5. Januar 2026.
Eugen Block beim Neujahrsempfang seiner Firmengruppe am 5. Januar 2026.

In der Silvesternacht 2023 waren die Geschwister dann von maskierten Männern in Dänemark überfallen und verschleppt worden. Sie hatten seit Sommer 2021 dort bei ihrem Vater gelebt, weswegen gegen ihn ein Verfahren wegen Kindesentzuges läuft.

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Keren Tennenbaum und David Barkay waren nach dem Verbrechen monatelang mit internationalem Haftbefehl gesucht worden, bevor sie sich freiwillig bei der Staatsanwaltschaft Hamburg meldeten. Beide erwartet ein Prozess vor dem Hamburger Landgericht wegen Kindesentführung.

Für ihre Aussagen in Hamburg war der internationale Haftbefehl ausgesetzt worden, sodass beide zunächst nach Israel zurückkehren konnten. Der Prozess gegen Christina Block, den Familienanwalt und andere wird am 19. Januar fortgesetzt.