Block-Prozess: Wird der Familienanwalt jetzt zum Sündenb(l)ock?

Mann mit gepixeltem Gesicht
Anwalt und Mitglied im Aufsichtsrat der Block-Holding: Dr. Andreas C. ist zusammen mit Christina Block wegen Kindesentführung angeklagt.

„Problemlöser“, „verlängerter Arm der Familie Block“, „Ziehsohn von Eugen Block“ – dem Angeklagten Dr. Andreas C. (63) sind im Prozess um die Entführung der Block-Kinder schon viele Rollen zugeschrieben worden, von Zeugen und von seiner Mitangeklagten Christina Block. Er selbst, Jurist, schweigt eisern. Nun allerdings scheint sich abzuzeichnen, dass Christina Block auf Distanz zu dem engen Vertrauten ihres Vaters geht und dem Anwalt einen Großteil der Verantwortung zuschieben will.

Wenn Christina Block im Prozess über ihren Mitangeklagten Andreas C. spricht, dann stets mit Hochachtung und Doktortitel. Die morgendliche Begrüßung im Gerichtssaal: herzlich. Dr. C., (Medien, die seinen Namen nennen, müssen sich auf juristischen Ärger einstellen) strahlt die Selbstsicherheit eines erfolgreichen hanseatischen Advokaten aus. Er sitzt im Aufsichtsrat der Block-Holding und des Hotels Grand Elysée. Ihm, nicht seinen Kindern, will Eugen Block sein Lebenswerk in die Hände legen: Dr. C. soll sein Testamentsvollstrecker werden, hat der „Patriarch“ verfügt.

Christina Block mit ihrem Vater Eugen beim Neujahrsempfang der Firmengruppe im Hotel Grand Elysée.
Christina Block mit ihrem Vater Eugen beim Neujahrsempfang der Firmengruppe im Hotel Grand Elysée.

Den „Ziehsohn“ ihres Vaters hatte Christina Block ihn genannt. Ihr selbst sei der Anwalt eine wichtige Stütze gewesen, auch emotional, hatte sie in ihrer Aussage erklärt. Mit ihrem Vater habe sie über Gefühle nicht reden können, mit Dr. C. schon.

Block-Prozess: Christina Block distanziert sich von Mitangeklagtem

Umso überraschender ihre Erklärung am vergangenen Verhandlungstag. Ehemalige Hotelmitarbeiter hatten dem Gericht geschildert, wie groß die Verwunderung in der Belegschaft des Grand Elysée gewesen sei, dass ab Frühjahr 2023 zwei Gäste anonym einchecken durften und monatelang gratis im Hotel übernachten, essen und trinken durften. Christina Block will nichts davon gewusst haben, dass Keren Tennenbaum und David Barkay – die mutmaßlichen Anführer der Entführerbande – ihre Rechnung im Hotel der Block-Group nicht bezahlen mussten. Eilig geht sie auf Distanz zu ihrem Mitangeklagten: Das mit den Gratiszimmern, damit habe sie nichts zu tun, so etwas habe es noch nie gegeben, das sei allein Sache des Anwalts gewesen: „Ich glaubte, er macht alles richtig, so wie immer, und bin Dr. C. gefolgt.“

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Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • U-Bahn-Mord: Geschichte eines sinnlosen Todes

  • Block-Prozess: Wird der Patriarch doch noch angeklagt?

  • Streit um Haus-Sanierung: Erst Leerstand, jetzt Brandstiftung

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag

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812 Übernachtungen kamen am Ende zusammen, rund 220.000 Euro gingen dem Hotel durch die Lappen. Die Vorsitzende Richterin hat bereits angekündigt, dass dem Anwalt wegen dieser Summe zusätzlich zur Kindesentführung auch noch eine Verurteilung wegen Veruntreuung droht. Christina Block könnte als Anstifterin zur Untreue verurteilt werden – was möglicherweise eine Erklärung für die Distanzierung ist. Ein Prozessbeobachter stellte nach ihrer Erklärung trocken fest: „Jetzt schubsen die Blocks ihren Anwalt unter den Bus.“

Block-Prozess: Israeli bringt Verteidigungsstrategie ins Wanken

Christina Block hatte auch ausgesagt, dass der Familienanwalt die späteren Entführer ins Hotel gebracht habe. Sie selbst habe geglaubt, dass diese nur die Cybersicherheit des Elysée überprüfen sollten, so, wie Dr. C. es gesagt habe.

Dr. C., der Problemlöser, der zu allen Anklagevorwürfen schweigt, und Christina Block, die von nichts wusste – diese Verteidigungsstrategie krachte zusammen, als überraschend der Israeli David Barkay bei der Staatsanwaltschaft auftauchte: Der Kopf der international gesuchten Kindesentführer beschrieb die Mutter und den Familienanwalt als Auftraggeber des Kidnappings. Sie seien in alles eingeweiht gewesen.

Entführer belastet den Familienanwalt schwer

So habe Andreas C. den späteren Entführern Büroräume in seiner Kanzlei zur Verfügung gestellt, außerdem immer wieder erklärt, dass die „Rückführung“ der Kinder völlig legal sei. Und: Er habe David Barkay rund 200.000 Euro in bar übergeben. Wusste keiner aus der Familie von den Barzahlungen? Handelte Eugen Blocks „Ziehsohn“ ohne Auftrag? Das bleibt ein Rätsel, solange der Anwalt die Blocks mit seinem Schweigen schützt.

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Kürzlich wurde bekannt, dass auch Keren Tennenbaum, die zusammen 2023 mit Barkay für lau im Elysée residieren durfte, bei der Staatsanwaltschaft ausgepackt hat. Sie gilt als seine rechte Hand und hatte einen großen Raum in Christina Blocks Aussage eingenommen: Keren Tennenbaum habe sich unter dem Namen „Olga“ ihre Freundschaft erschlichen und Christina Blocks verstorbene Mutter angeblich als Auftraggeberin für die Entführung der Blick-Kinder in der Silvesternacht 2023 genannt.

„Problemlöser“, „verlängerter Arm der Familie Block“, „Ziehsohn von Eugen Block“ – dem Angeklagten Dr. Andreas C. (63) sind im Prozess um die Entführung der Block-Kinder schon viele Rollen zugeschrieben worden, von Zeugen und von seiner Mitangeklagten Christina Block. Er selbst, Jurist, schweigt eisern. Nun allerdings scheint sich abzuzeichnen, dass Christina Block auf Distanz zu dem engen Vertrauten ihres Vaters geht und dem Anwalt einen Großteil der Verantwortung zuschieben will.