Block-Prozess: Irankrieg bringt Pläne des Gerichts durcheinander
Der Krieg im Nahen Osten hat erste Auswirkungen auf den Block-Prozess: Der für Donnerstag geladene Kronzeuge David Barkay kann Israel nicht verlassen. Das Gericht musste das Zeugenprogramm ändern.
Die Nachricht kam am Dienstag: David Barkay ließ dem Gericht über seinen Anwalt mitteilen, dass er aufgrund der Lage in Israel das Land derzeit nicht verlassen und am Donnerstag nicht in Hamburg aussagen könne. Die Kammer hat ihn für die folgenden Verhandlungstage, den 12. und den 17. März abgeladen, in der Hoffnung, dass eine Ausreise später wieder problemlos möglich sei.
Block-Prozess: Änderung wegen Irankrieg
Derzeit ist der israelische Luftraum zwar teilweise wieder geöffnet, aber vorrangig für Rückholflüge für im Ausland gestrandete Israelis. Abflüge vom Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv gehen unregelmäßig und aktuell nur mit einer begrenzten Anzahl an Passagieren.
Statt des Israelis, dem Kopf hinter der Entführung der Block-Kinder in der Silvesternacht 2023, sollen nun am Donnerstag nach MOPO-Informationen zwei Polizistinnen vernommen werden. Sie sollen am Neujahrstag 2024 mit dem Fall der entführten Kinder zu tun gehabt haben. An dem Tag ist Christina Block nach Süddeutschland gereist und hat auf einem Alpakahof ihre Kinder in Empfang genommen. Laut Barkays Darstellung war sie darüber informiert, dass vermummte fremde Männer ihre Kinder während des Silvesterfeuerwerks in ein Auto zerren würden. Nach ihrer eigenen Aussage jedoch sei sie völlig überrascht gewesen, dass ihre Kinder am Neujahrstag plötzlich in Deutschland waren.
Kronzeuge David Barkay sollte weiter vernommen werden
David Barkay hat nach eigenen Angaben das Team für die Entführung der Block-Kinder zusammengestellt, nach seiner Darstellung im Auftrag der Mutter Christina Block und des Familienanwaltes Andreas Costard. Er hat bereits tagelang Fragen des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage beantwortet. Nun sollte er erneut einreisen, um sich dem Kreuzverhör der Verteidiger zu stellen. Denn: Christina Block sagt, die Israelis seien auf eigene Faust nach Dänemark gereist und hätten ihre Kinder ohne Auftrag über die Grenze nach Deutschland verschleppt. Die Verteidiger müssen die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen also nach Kräften erschüttern.
Israel: Ausreise derzeit unmöglich
Neben David Barkay stehen auch seine Mitarbeiterin und „rechte Hand“, Keren Tennenbaum, sowie zwei israelische Fahrer noch auf der Zeugenliste des Gerichts. Allein für die Vernehmung von Keren Tennenbaum, die in den Monaten vor der Entführung eine enge Vertraute von Christina Block geworden ist, waren fünf Verhandlungstage reserviert.
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Sollte der Irankrieg noch Wochen oder gar Monate andauern und eine Ausreise der Israelis unmöglich machen, dann könnte das Gericht zu Plan B greifen: Alle haben bereits bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt (weil sie nicht nur Zeugen, sondern auch Beschuldigte der Kindesentführung sind), und statt ihrer könnte die Kammer die Vernehmungsbeamten anhören. Das würde weniger Zeit in Anspruch nehmen, der Beweiswert einer Aussage ist aber viel höher, wenn ein Zeuge im Gerichtssaal von allen Beteiligten befragt werden kann.
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