Gericht
Block-Prozess gerät zur Vater-Tochter-Therapie: „Ich habe mich sehr geschämt“
Wie Christina Block ihre Einlassung für eine bittere Abrechnung mit ihrem dominanten Vater nutzt.
Wutausbrüche, Starrsinn, keinerlei Respekt vor den Wünschen seiner Tochter – es ist ein desolates Bild, das Christina Block (53) von dem Verhältnis zu ihrem dominanten Vater Eugen Block (86) zeichnet. Die Rollen: klar verteilt. Er der Patriarch, sie „nur eine Frau“.
Man stelle sich vor: Die eigene Tochter ist zutiefst verzweifelt, weil sie ihre Kinder nicht mehr sehen kann. Ein schrecklicher Sorgerechtsstreit, alles furchtbar. Man könnte sie trösten und auffangen – oder man beschämt sie noch zusätzlich und gibt ihr das Gefühl, versagt zu haben. Eugen Block hat sich für Letzteres entschieden, jedenfalls hat seine Tochter Christina es so empfunden.
Eugen Block ist als Unternehmer höchst erfolgreich, jeder kennt sein Imperium. Als Vater aber scheint er ein Totalausfall zu sein. Die beiden Söhne sind aus dem Unternehmen ausgeschieden, Tochter Christina, seine Älteste, ist die einzige, die noch für ihn tätig ist. Irgendwie. Sie repräsentiert im „Elysée“-Hotel, in der Block-Holding aber hat sie nach eigenen Worten nichts zu melden. Das traut der Patriarch keinem seiner Kinder zu.
Ein Foto zeigt die verteilten Rollen: Sie auf dem Sofa sitzend, er stehend, eine überragende Vaterfigur. Seit einem Jahr verteidigt die loyale Tochter sich vor dem Landgericht gegen den Vorwurf, sie habe die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023 in Auftrag gegeben. Die Kinder, Klara und Theo, lebten seit August 2021 beim Vater, auf eigenen Wunsch, wie dänische Behörden festgestellt hatten.
Christina Block: „Habe seine Enttäuschung deutlich gespürt“
In ihrer Einlassung im Prozess beschreibt sie sich als verzweifelte Mutter, die mit ihrer Sorge um die Kinder allen auf die Nerven gegangen und in viele Vorgänge gar nicht eingebunden gewesen sei. Eigentlich habe sie immer nur den ebenfalls angeklagten Familienanwalt machen lassen. Mit der Entführung habe sie jedenfalls nichts zu tun.
Was sie zwei Tage lang vorträgt, ist auch eine Abrechnung mit ihrem Vater, der ihr den Verlust der Kinder offenbar als persönliches Versagen ankreidete: „Ich habe seine Enttäuschung deutlich gespürt und mich sehr geschämt. (...) Meine Kinder blieben verschwunden und nun war auch noch mein Vater verärgert.“ Sie habe sich bei ihren Eltern entschuldigt.
Ein Brief aus dem Dezember 2022 zeigt, wie sehr Christina Block die Anerkennung ihres Vaters gebraucht hätte: „Wieso vertraust du nicht darauf, dass ich klug genug bin, alles Menschenmögliche zu tun, um meine Kinder zu retten? Wieso meinst du, du musst mit deinem Halbwissen Dinge regeln, die du nicht regeln kannst?“
Eugen Block und sein Frauenbild
Und Eugen Block? Der setzte die Alleingänge fort: Der Patriarch wollte die Enkel zurückhaben, auf Biegen und Brechen, und als teure Sicherheitsfirmen nichts ausrichteten, nahm er die Sache, zum Schrecken seiner Tochter, selbst in die Hand. So wie es im Unternehmen läuft.
Frauen, lässt Christina Block mit bitteren Worten durchblicken, haben bei Eugen Block nichts zu melden: „Ich bin ‚nur seine Tochter‘, außerdem ‚nur eine Frau‘ und sei eben ‚emotional‘. Ich dringe da nicht durch.“
Er rief ohne Absprache bei den Kindern in Dänemark an, sagte der ältesten Enkelin am Telefon, sie lüge über ihre Mutter. Sie sei „keine Block“ mehr, denn „eine Block“ würde niemals lügen. Er postierte sich mit „Wir vermissen euch“-Schildern vor dem Haus der Kinder. Fotos davon landeten bei der Presse, seine Tochter hatte keine Ahnung.
Eugen Block zwang Sicherheitsleute, den Kindern Weihnachtsgeschenke zu übergeben, wieder: Biegen und Brechen. Die Geschenke-Aktion eskalierte in einem Polizeieinsatz.
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Christina Block hatte Angst vor der brachialen Vorgehensweise des Vaters: „Wenn mein Vater die Zügel in die Hand nehmen wollte, machte ich mir Sorgen, ob das für die Lage meiner Kinder gut war.“ Sie habe auch befürchtet, er könne einen „gesalzenen Brief an die Familienrichterin“ schreiben.
Dass der Patriarch sich berechtigt fühlt, der Justiz ihre Arbeit zu erklären, zeigt sich auch im Entführungsprozess: Immer wieder greift Eugen Block die Kammer öffentlich an.
Derzeit klagt der Großvater in Dänemark auf Umgang mit seinen Enkeln. Als Klara und Theo im Januar 2024 nach der Entführung einige Tage bei ihrer Mutter waren, hat Christina Block den Opa nicht eingeladen.
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