Bestechung mit Krebsmedikamenten? Arzt und Apotheker vor Gericht
Ein Onkologe soll gezielt Rezepte an einen Apotheker ausgestellt und dafür abkassiert haben. Eine Krankenkasse zahlte, obwohl die Absprachen illegal waren, und blieb auf rund 1,2 Millionen Euro Schaden sitzen. Jetzt stehen drei Männer vor dem Landgericht Hamburg.
Ein Krebsspezialist aus Reinbek (65), ein Apotheker (60) aus Harburg und ein Unternehmensberater (66) müssen sich wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Zwei von ihnen sind zudem zusätzlich wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs in 32 Fällen angeklagt.
Der angeklagte Mediziner soll laut Anklage mit dem Apotheker vereinbart haben, Rezepte für teure Krebsmedikamente immer gezielt für dessen Apotheke auszustellen. Dieser stellte die Medikamente dort selbst her. Im Gegenzug habe er für die Zytostatikazubereitungen über mehrere Jahre hinweg 157.500 Euro in Form von „Darlehen“ bekommen. Die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden dauerte demnach von Juni 2016 bis April 2021.

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Besonders brisant: Zwischen 2017 und 2021 sollen Arzt und Apotheker die Medikamente ganz normal mit einer gesetzlichen Krankenkasse abgerechnet haben, obwohl sie wussten, dass die Rezepte wegen der Bestechungsabsprachen eigentlich nicht gültig waren.
Onkologe und Apotheker vor Gericht
Im Vertrauen in die rechts- und vertragskonforme Verordnungsstellung beglich die Krankenkasse die Rechnungen. Der Schaden: rund 1,2 Millionen Euro.
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Ursprünglich hatte die Hauptverhandlung am 4. Juni begonnen. Das Verfahren wurde jedoch nur kurze Zeit darauf am 15. Juni wieder ausgesetzt. Nun startet der Prozess erneut vor dem Hamburger Landgericht.
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