Verdacht auf Millionenbetrug: Hamburger Apotheker müssen vor Gericht
Das Hamburger Landgericht hat die umfangreiche Anklage gegen zwei Apotheker und vier Angestellte der Alanta Group wegen Bestechung und bandenmäßigem Abrechnungsbetrug zur Hauptverhandlung zugelassen. Den Männern wird vorgeworfen, Ärzte bestochen zu haben, damit diese teure Krebsmedikamente bei ihnen bestellen. Es sollen Rezepte in Höhe von 75 Millionen Euro zu Unrecht abgerechnet worden sein.
Die sechs Angeklagten gehören zur Alanta Health Group. Mittels Bestechung sollen sie Ärzte dazu gebracht haben, Patienten hochpreisige Krebsmedikamente – sogenannte Zytostatika – aus Herstellung der eigenen Apotheken zu verordnen. Die Anklage hatte die Staatsanwaltschaft im Juni erhoben, das Gericht hat sie unverändert zugelassen.
Anklage gegen Alanta: Krebsmittel für 75 Millionen zu Unrecht abgerechnet?
Der Prozess wird vor einer Wirtschaftsstrafkammer stattfinden und soll frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen. Sollten in der Zwischenzeit eilige Haftsachen bei der Kammer landen, könnte sich der Prozessbeginn auch noch weiter nach hinten verschieben.
Dass die Patienten unsachgemäß behandelt wurden, wird den Apothekern ausdrücklich nicht vorgeworfen, es geht nur um Geld: In 340 Fällen hätten sie nicht abrechnungsfähige Rezepte bei den gesetzlichen Krankenkassen eingereicht und auf diese Weise über 75 Millionen Euro eingenommen. Auch gegen 47 Ärzte wird derzeit noch in einem gesonderten Verfahren wegen Bestechlichkeit ermittelt.
Stadtteilklinik Mümmelmannsberg übernommen
Die Alanta Health Group wies die Vorwürfe zurück. Man gehe davon aus, dass die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft vor Gericht ausgeräumt werden, hieß es im Juni in einer Mitteilung des Unternehmens.
Laut Anklagebehörde sollen die Beschuldigten die Stadtteilklinik Mümmelmannsberg (Billstedt) übernommen und als Betreiberin mehrerer medizinischer Versorgungszentren eingesetzt haben, „um möglichst viele Abnehmer für ihre Medikamentenzubereitungen zu gewinnen und zugleich das gesetzliche Verbot der Zusammenarbeit von pharmazeutischen Leistungserbringern und Vertragsärzten zu umgehen“.
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Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Apotheker, Ärzte und Pharma-Manager laufen seit Jahren. Bei Razzien in den Räumen der Alanta Health Group, der zu ihr gehörenden Zytoservice GmbH und der Stadtteilklinik Mümmelmannsberg im Jahr 2019 wurden mehr als 6000 Aktenordner und etwa 100 Datenträger beschlagnahmt.
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