Gericht

18-Jähriger rast mit 150 km/h durch Wandsbek: „Das war alles ziemlich dämlich“

Person in grauem Hoodie sitzt am Tisch und verdeckt das Gesicht mit einer schwarzen Box.
Omar K. lieferte sich im Juni 2024 mit der Polizei eine Verfolgungsjagd durch Wandsbek. Jetzt sitzt er vor Gericht.

Ein 18-Jähriger rast in einer Juninacht 2024 durch den Bezirk Wandsbek und erreicht wohl bis zu 150 Km/h. Vor Gericht wird er mit den Unfallbildern konfrontiert.

Auf der Robert-Schuman-Brücke in Wandsbek reihen sich drei Polizeiwagen nebeneinander. Es ist nachts, kurz vor Mitternacht. Wegen einer Verfolgung an der Wandsbeker Marktstraße sperren die Beamten die Brücke mit Blaulicht ab.

Wenige Meter vor ihnen stehen nur wenige Pkw. Ein Streifenwagen fährt langsam vor. Plötzlich wendet ein in der Schlange stehender Audi A4 des Carsharing-Anbieters Miles. Der Wagen hatte mit der ursprünglichen Verfolgung nichts zu tun, setzt aber plötzlich zurück und fährt davon. Die Polizei nimmt die Verfolgung auf. Doch selbst mit vier Streifenwagen gelingt es den Beamten zunächst nicht, den damals 18-Jährigen zu stoppen.

Omar K. ist heute 21 Jahre alt. Der Unfall im Alten Teichweg, den er verursacht haben soll, liegt mehr als zwei Jahre zurück. Im Amtsgericht Barmbek sitzt er in einem grauen Kapuzenpulli neben seinem Verteidiger. Auf dem Flur haben sie sich noch freundlich gegrüßt, jetzt schweigt K. Seine Arme sind verschränkt, der Blick geht nach unten.

Vor Gericht: Polizist berichtet von schnellster Verfolgungsjagd, die er je hatte

Im Gericht werden verschiedene Videos von der Tatnacht am 6. Juni 2024 abgespielt. Sie zeigen die Verfolgungsjagd, die ein als Zeuge geladener Polizist als „die mit Abstand schnellste“ beschreibt, die er je erlebt hat. Laut Staatsanwaltschaft sei der Angeklagte mit teilweise 150 km/h unterwegs gewesen.

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Auf der Höhe der Kreuzung Norschleswiger Straße/Alter Teichweg endete die Fahrt schließlich. Dort verlor Omar K. beim Linksabbiegen die Kontrolle über sein Fahrzeug und kollidierte mit einem Poller, einem Stromkasten und einer Hauswand. Der entstandene Sachschaden lag bei rund 48.500 Euro. Omar K. flüchtete vom Tatort. Nachdem Ermittler ihn unter anderem anhand eines Fingerabdrucks identifiziert hatten, soll er die Tat bestritten haben. Am Donnerstag räumt er sie durch seinen Verteidiger ein. „Das war alles ziemlich dämlich“, sagt dieser.

Verfolgungsjagd in Wandsbek – Stromkasten zerstört

Die Richterin projiziert verschiedene Bilder vom Unfallort an die Wand. Darauf zu sehen sind ein vollständig zerstörter Stromkasten, eine beschädigte Hausfassade, ausgelöste Airbags und Trümmerteile auf der Straße.

Auf der Flucht vor der Polizei verlor der Fahrer des „Miles“-Audi die Kontrolle und raste gegen einen Stromkasten.
Auf der Flucht vor der Polizei verlor der Fahrer des „Miles“-Audi die Kontrolle und raste gegen einen Stromkasten.

„Wie geht’s Ihnen denn, wenn Sie diese Bilder sehen?“, fragt die Richterin. „Scheiße“, antwortet Omar K. Die Richterin fährt fort: „Da hätten ja auch Menschen stehen können. Unschuldige, Unbeteiligte.“

Omar K. ist noch in einem weiteren Verfahren angeklagt. Er soll mehr als ein Jahr nach dem Unfall in Hamburg mit einem gefälschten Aufenthaltstitel ein Auto gekauft haben. Auf dem Dokument sollen sein Nachname rückwärts geschrieben und sein Geburtsjahr um drei Jahre verändert worden sein. Mit diesem Fahrzeug soll es später ebenfalls zu einem Unfall gekommen sein. Der Angeklagte bestreitet jedoch, dass er am Steuer saß.

Die Richterin fragt ihn, warum er die Schadenssumme von 48.500 Euro noch nicht gezahlt habe. Sein Verteidiger erklärt, dass das Geld dafür nicht vorhanden sei. „Wer hat denn dann das Auto gekauft?“, entgegnet die Richterin. Der Kauf zeige schließlich, dass Geld vorhanden gewesen sei. „Ich finde es schade, dass von Ihrer Seite keine Bemühungen da sind, sich darum zu kümmern“, fährt sie fort.

Der Prozess wird am 11. August fortgesetzt. Dabei soll es vor allem um den Unfall 2025 gehen und die Frage, ob Omar K. wirklich nicht am Steuer saß.

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