Genossenschaftswohnungen in Hamburg: Chancen, Hürden, Risiken
Kein Eigenbedarf, vergleichsweise niedrige Mieten, langfristige Sicherheit: Wohnungsbaugenossenschaften gelten in Hamburg für viele als Hoffnung in einem angespannten Wohnungsmarkt. Doch wie realistisch ist der Weg dorthin?
Wer in Hamburg eine Wohnung sucht, hört ihn früher oder später, diesen Satz: „Hast du es mal bei einer Genossenschaft versucht?“ Viele haben das längst getan, doch die Wartelisten sind oft lang, manche Genossenschaften nehmen derzeit gar keine neuen Mitglieder mehr auf.
Dabei spielen Wohnungsbaugenossenschaften im Hamburger Wohnungsmarkt eine wichtige Rolle. Rund 20 Prozent aller Mietwohnungen gehören ihnen. Insgesamt geht es um etwa 135.000 Wohnungen und rund 230.000 Mitglieder, wie der Verein Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften angibt. Das Prinzip: kein Gewinn für externe Investoren. Überschüsse fließen zurück in den Bestand oder in Neubauten.
Bekannte Wohnungsbaugenossenschaften in Hamburg
Zu den bekanntesten Hamburger Genossenschaften zählen der Bauverein der Elbgemeinden, die Allgemeine Deutsche Schiffszimmerer-Genossenschaft, die Baugenossenschaft Bergedorf-Bille, die HANSA Baugenossenschaft sowie die Baugenossenschaft freier Gewerkschafter. Ihre Wohnungen verteilen sich über viele Stadtteile – von Altona bis Bergedorf.
Der größte Vorteil zeigt sich beim Preis. Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete in Hamburger Genossenschaften liegt bei rund 7,10 Euro pro Quadratmeter. Auf dem freien Markt beginnen Neubau-Mieten ohne Förderung bei etwa 16 Euro. Hinzu kommt: Eigenbedarfskündigungen sind ausgeschlossen. Mitglieder erhalten ein dauerhaftes Wohnrecht und Mitbestimmungsrechte.
Lange Wartelisten und begrenzte Chancen
Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist hoch. Wartelisten sind lang, Wartezeiten von mehreren Jahren keine Seltenheit. Neubauten bleiben angesichts hoher Baukosten begrenzt. Genossenschaften sind in erster Linie ihren Bestandsmitgliedern verpflichtet – schnelles Wachstum ist nicht ihr Ziel.
Zudem unterscheidet sich von Genossenschaft zu Genossenschaft, ob und wie Interessierte sich bewerben können. Sowohl beim Bauverein der Elbgemeinden als auch bei der HANSA Baugenossenschaft werden beispielsweise die Mitgliedschaften in der Regel erst dann Voraussetzung, wenn eine Wohnung tatsächlich vergeben wird.
Wer sich bewerben möchte, sollte frühzeitig aktiv werden und sich direkt bei den Genossenschaften informieren, ob Vormerkungen möglich sind. Für den Einzug müssen Genossenschaftsanteile gezeichnet werden – eine Art Einlage, die Voraussetzung für den Mietvertrag ist. Deren Höhe variiert je nach Genossenschaft und hängt meist von der Größe der Wohnung ab.
Kündigungsfristen, Anteile, Risiken
Wer sich entscheidet, eine Genossenschaft wieder zu verlassen, braucht ebenfalls Geduld. Zwar werden die Anteile zurückgezahlt, doch wegen langer Kündigungsfristen können Monate oder sogar Jahre vergehen. Gerät eine Genossenschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten, besteht zudem das Risiko, dass Einlagen verloren gehen.
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Und auch hier gilt: Neben seriösen Genossenschaften gibt es schwarze Schafe. Verbraucherschützer raten daher, vor dem Eintritt die Satzung genau zu prüfen, skeptisch bei hohen Renditeversprechen zu sein und einen Blick in den Jahresabschluss zu werfen. Eine Mitgliedschaft in regionalen Verbänden gilt ebenfalls als Seriositätsmerkmal.
Unterm Strich: Genossenschaftswohnungen bieten in Hamburg langfristige Sicherheit zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Der Weg dorthin ist jedoch nicht immer leicht.
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