„Geht ums Überleben!“ Hamburgs Gastronomen drohen: Jetzt wird Essen noch teurer

Shin-Won Kang (59), Inhaber von sieben Restaurants, darunter drei „Bok“-Filialen
Shin-Won Kang (59), Inhaber von sieben Restaurants, darunter drei „Bok“-Filialen.

Hamburgs Gastronomen in Angst: Die drohende Mehrwertsteuererhöhung lässt viele von ihnen verzweifeln. „Es geht ums Überleben!“, warnt Dehoga-Chef Jens Stacklies – und sagt ein enormes Gastro-Sterben in der Hansestadt voraus. Müssen die Gäste das am Ende ausbaden? Ihnen steht der Teuer-Schock bevor: Wird der Restaurant-Besuch kaum noch bezahlbar?

„Wir Gastronomen sind nicht gierig – es geht ums Überleben“, sagt Jens Stacklies (60), Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Hamburg. Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wurde in der Corona-Pandemie von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Anfang 2024 soll diese Regelung nun auslaufen, die Entscheidung fällt im November. Zurück zu 19 Prozent – für Jens Stacklies eine „Katastrophe“. „20 Prozent der Gastro-Betriebe in Hamburg werden dann aufgeben müssen“, sagt er. „Die Verzweiflung ist groß.“

Jens Stacklies (60), Hamburgs Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga)
Jens Stacklies (60), Hamburgs Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga)

Stacklies, Inhaber der „Gröninger Gasthaus-Brauerei“ in der Altstadt, wünscht sich, dass die Erhöhung nicht komplett an die Gäste weitergegeben wird. „Gastronomien sind ja auch sozialer Kitt. Und alle haben weniger Geld in der Tasche.“ Er habe das mal durchkalkuliert: Eine Scholle müsste dann, zum Beispiel, mehr als 30 Euro kosten. „Die Inflation müssen wir ja auch noch mittragen.“

„La Sepia“-Chef: „Das wird ein teures Erwachen für die Gesellschaft“

Vielen Restaurant-Inhabern wird wohl aber nichts anderes übrig bleiben – so wie Bendix Sander-Knauer (38), Chef des portugiesischen Szene-Lokals „La Sepia“ am Neuen Pferdemarkt (Sternschanze). „Wenn die Erhöhung kommt, werden wir sie leider 1:1 an die Gäste weitergeben müssen. Das wird ein teures Erwachen für die Gesellschaft“, sagt er zur MOPO. „Die Gastronomen, die das so nicht umsetzen, werden über kurz oder lang wohl verschwinden.“ Ein Hauptgericht im „La Sepia“ werde dann 22,50 statt 20 Euro kosten. „Dabei merken wir jetzt schon, dass die Gäste zaghafter konsumieren. Viele teilen sich eine Vorspeise. Das wird 2024 eine heftige Nummer.“

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Besonders absurd findet Sander-Knauer: „Bei Take Away zahlen wir nur sieben Prozent Steuer, für Essen vor Ort 19 Prozent. Aber wer will seine Dorade schon zu Hause essen? Die Gäste kommen doch ins Restaurant, um die Stimmung und den Service zu genießen. Mal ganz abgesehen von dem Verpackungsmüll, der beim Mitnehmen entsteht.“

Shin-Won Kang (59) gehören sieben Restaurants in Hamburg, darunter das „Bok“ und „Kkokki“. „Wenn wir die jetzigen Preise beibehalten, würden wir nach der Mehrwertsteuererhöhung null Prozent Gewinn haben“, sagt der erfahrene Gastronom. „Trotzdem möchte ich erst mal unsere Lieferanten um Mithilfe zu bitten, dass wir günstiger einkaufen können.“ Klappt das nicht, werden seine Gäste am Abend zehn Prozent mehr zahlen – 1,50 Euro oben drauf. „Das wäre ein harter Schlag für unsere Kunden“, so Kang. „Ich habe Sorge, einige zu verlieren.“

Patrick Rüther: „Vielleicht erkennt die Bundespolitik ja noch, wie wichtig Gastronomie für den Zusammenhalt ist“

Beim Personal einzusparen, sei schließlich auch keine Option. „Das ist das Letzte, was wir wollen. Das Personal hat durch Corona schon so viel gelitten die letzten Jahre“, so Kang. Und Jens Stacklies ergänzt: „Wir haben ja sowieso schon chronisch zu wenig Mitarbeiter, wegen des Fachkräftemangels.“

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Bleibt also nur noch die Hoffnung, dass es doch bei sieben Prozent bleibt. „Vielleicht erkennt die Bundespolitik ja noch, wie wichtig Gastronomie für den Zusammenhalt ist“, sagt Top-Gastronom Patrick Rüther (50) zur MOPO. „Sie ist doch Teil der Kultur. Wenn man die erhalten möchte, muss man dafür auch was tun.“