Geflüchtete dürfen wohl doch im Villenviertel Harvestehude bleiben

Geflüchtete kommen 2016 in der Unterkunft Sophienterrasse in Harvestehude an.
Geflüchtete kommen 2016 in der Unterkunft Sophienterrasse in Harvestehude an.

Überraschende Wende auf den letzten Drücker: Die Flüchtlingsunterkunft Sophienterrasse im vornehmen Harvestehude muss möglicherweise doch nicht in wenigen Wochen geschlossen werden. Einige Anwohner hatten der Stadt im Jahr 2015 einen Nachbarschaftsvertrag abgerungen, wonach Flüchtlinge nur bis zum 26. September 2024 in ihrer Mitte leben dürfen – und dann 50 Jahre lang keine soziale Einrichtung in dem Gebäude betrieben werden darf. Nun scheint es Hoffnung für die knapp 190 Bewohner zu geben, wie der Senat verkündet.

„Eine Verlängerung des Standortes Sophienterrasse als öffentlich-rechtliche Unterbringung ist nicht geplant und rechtlich auch nicht möglich“, hieß es noch vor einem Jahr seitens des Senats. Nun klingen die Äußerungen ganz anders: Die Anwohner hätten über ihren Anwalt Verhandlungsbereitschaft gezeigt und seit Ende 2023 verhandele die Sozialbehörde mit der Nachbarschaftsvereinigung: „Diese Verhandlungen werden mit dem Ziel geführt, den Betrieb der Einrichtung zu verlängern“, schreibt der Senat auf Anfrage der Linken.

Sophienterrasse: Verhandlungen mit einstigen Klägern

Die Gespräche mit den einstigen Klägern seien so konstruktiv, dass bisher keine Vorbereitungen für die Schließung angelaufen seien. Sprich: Die Bewohner werden noch nicht auf andere Unterkünfte verteilt. Derzeit sind in dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt überwiegend Familien aus Syrien und Afghanistan untergebracht.

Für die Stadt wäre der Erhalt der Unterkunft mit den 190 Plätzen eine Erleichterung zu einer Zeit, in der händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete gesucht wird – und in der es um nahezu jeden neuen Standort Streit mit einem Teil der Anwohner gibt. In Flottbek etwa kündigen Nachbarn eine Klagewelle gegen die Unterbringung von 144 Flüchtlingen auf dem Parkplatz des Botanischen Gartens an .

Als 2013 in Harvestehude einige Anwohner juristisch alle Register zogen, bildete sich in der Nachbarschaft ebenso schnell auch eine Gegenbewegung: In der „Flüchtlingshilfe Harvestehude“ sind auch zehn Jahre später noch mehr als 200 Ehrenamtliche aktiv. Nachdem sich Stadt und Kläger 2015 nach zweijährigem Ringen auf eine kleinere, zeitlich befristete Unterkunft geeinigt hatten, legte sich die anfängliche Aufgeregtheit und das Zusammenleben im Stadtteil lief weitgehend geräuschlos ab.

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Laut der Linken waren es die Ehrenamtlichen, die den Impuls für neue Verhandlungen um die Sophienterrasse gegeben haben. Fluchtpolitische Sprecherin Carola Ensslen: „Der Senat befand sich in Schockstarre und wurde erst durch die scharfe Kritik der Ehrenamtlichen dazu gebracht, Verhandlungen aufzunehmen. Die Ehrenamtlichen wollen wissen, woran sie sind – und für die Geflüchteten ist diese Lage sehr belastend. Der Senat muss endlich Klarheit schaffen, wie es nun mit diesem Standort weitergeht.“