Hamburg
„Gefahr für die Gesundheit“: Hitze-Streit in der HafenCity – das steckt dahinter
Wie hitzetauglich ist Hamburgs jüngster Stadtteil? Während Anwohner vor zu wenig Grün und gesundheitlichen Folgen warnen, verweist die HafenCity GmbH auf Parks, Bäume und weitere Planungen.
Im Sommer staut sich die Hitze zwischen Betonfassaden und versiegelten Promenaden, nachts kühlen die Viertel kaum ab: Ein Quartiersnetzwerk wirft der HafenCity zu wenig Grün vor. Die HafenCity GmbH widerspricht – und verweist auf Parks, Tausende Bäume und weitere geplante Grünflächen.
Marianne Wellershoff wohnt seit zehn Jahren in der HafenCity. „Vor allem nachts kühlt es hier deutlich weniger ab, als in anderen Hamburger Stadtteilen“, sagt sie. „Das liegt am fehlenden Grün, dem Wasser und der starken Versiegelung. Tagsüber kühlen umliegende Gewässer zwar ein wenig, aber nachts geben sie gespeicherte Wärme wieder ab.“
Wie viel Prozent der HafenCity sind Grünflächen?
Damit bezieht sich die 63-jährige Vorsitzende der AG Grün im Netzwerk HafenCity auf die Stadtklimaanalyse von 2024. „Der Grünanteil in der HafenCity liegt gerade einmal bei 7,4 Prozent, das ist knapp die Hälfte im Vergleich zum Rest des Bezirks Hamburg-Mitte. Dort liegt der Grünanteil durchschnittlich bei 15 Prozent.“
Eine Sprecherin der HafenCity GmbH hält dagegen: Insgesamt sollen neun Prozent Grünflächen in der HafenCity entstehen. In Zahlen entspricht das elf von 127 Hektar. Die zitierte Statklima-Analyse bilde zudem ein „Worst-Case“ Szenario ab und basiere nicht auf Vor-Ort-Messungen. „Im Vergleich zu ähnlich dicht bebauten innerstädtischen Quartieren stellt die Situation in der HafenCity keine Besonderheit dar. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider“, so die Sprecherin.
AG Grün benennt Negativbeispiel Strandkai in der HafenCity
Wellershoff spricht in Bezug auf die neun Prozent wiederum von einer „Schön-Rechnerei“, da die Fleete zu den Grünflächen gezählt würden. „Liegen, lesen oder spielen kann man auf Fleeten übrigens auch nicht, im Gegensatz zu Parks.“ Sie wünscht sich viel mehr kleinere Grüninseln, die im Stadtteil verteilt werden.
Als Negativ-Beispiel nennt Wellershoff den Strandkai, das jüngste Viertel der HafenCity. „Und auch das heißeste.“ Die Promenaden seien zu stark versiegelt, es gebe zu wenig Bäume. „Viel Fläche verbrauchen dagegen die betonierten Sitzbänke, zwischen denen es kleinere Grasflächen und ein paar Bäume gibt.“ Auch der Überseeboulevard falle durch fehlendes Grün auf.
Für die Bewohner und vor allem für ältere Menschen sei all das ein Problem. „Die Hitze ist wirklich eine Gefahr für die Gesundheit und führt, wie die Umweltbehörde selbst schon festgestellt hat, auch in Hamburg zur Übersterblichkeit“, warnt die 63-Jährige. „Ich verstehe einfach nicht, weshalb die Stadtentwicklungssenatorin hier seit Jahren nur zuschaut, statt zu handeln.“
HafenCity GmbH spricht von über 2000 Bäumen – aber spenden die Schatten?
Der Stadtteil sei mit einem hohen Anteil öffentlicher Freiräume geplant und umgesetzt worden, betont die HafenCity-Sprecherin. Die Bewertung einzelner Straßenzüge oder Freiräume greife zu kurz. Der Überseeboulevard sei etwa nicht als Grünanlage, sondern als zentrale Fußgängerzone und urbaner Stadtraum konzipiert worden.
Zu den bereits realisierten Grünprojekten zählten der Sandtor- und der Grasbrookpark, der Lohsepark, der Baakenpark sowie die Promenade Kirchenpauerkai. Insgesamt seien rund 2140 Bäume gepflanzt worden.
Wellershoff bezweifelt jedoch, dass genügend dieser Bäume wirksam Schatten spenden. „Die exotischen Baumarten in den Mittelstreifen, die als Klimabäume in der HafenCity gepflanzt wurden, haben große Probleme und bilden sehr lichte Kronen.“ Sie fordert die Politik auf, den Masterplan der HafenCity von 1999 an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Zwar sei der Plan 2011 aktualisiert worden, zusätzliches Grün sei dadurch aber nicht entstanden.
Netzwerk fordert: Masterplan HafenCity muss überarbeitet werden
Die HafenCity GmbH widerspricht auch hier. Der überarbeitete Masterplan habe den grünen Charakter der Quartiere bereits gestärkt. Künftig sollen unter anderem der Bille-Park und der Alster-Bille-Elbe-Grünzug hinzukommen. Mit der Eröffnung der neuen Fuß- und Radwegbrücke werde die HafenCity zudem an den Elbpark Entenwerder angebunden.
Fest steht: Mit steigenden Temperaturen wächst auch der Druck, die HafenCity klimaresilienter zu gestalten.
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