Gastro im Alsterpavillon wird neu vergeben – für aberwitzige Millionen-Summe
Vor fast genau 225 Jahren wurde eines der berühmtesten Kaffeehäuser der Welt eröffnet – unser Alsterpavillon am Jungfernstieg. Passend zu diesem Jubiläum will die Stadt diese Gastro-Ikone an der Binnenalster neu vergeben – und das im Rahmen eines Erbbaurechts für 40 Jahre. Das Mindestgebot: 58 Millionen Euro!
Die enorme Summe ist zurzeit das Thema bei Hamburgs Gastronomen. Und viele schütteln über den Betrag den Kopf. Ein 58-jähriger Top-Gastronom, der seit mehr als 30 Jahren in der Hansestadt große Restaurants führt: „Haben die im Senat den Schuss nicht gehört? Die Gastronomie befindet sich seit Corona im Dauer-Krisenmodus. Niemand, der auch nur ansatzweise rechnen kann, geht in der aktuellen Lage so finanziell ins Risiko.“
Doch gemach, die Ausschreibungsbedingungen der Finanzbehörde sehen nicht vor, dass 58 Millionen Euro sofort auf den Tisch gelegt werden. Bei dieser Summe handelt es sich um den Bodenwert des 1882 Quadratmeter großen Grundstücks Jungfernstieg 54.
Alster-Pavillon Hamburg: Ab 1. August nutzbar
Der Bewerber mit dem höchsten Gebot kann wählen, ob er sofort 31,26 Millionen Euro zahlt und den Pavillon ab 1. August 2025 dann 40 Jahre lang nutzen kann. Alternativ kann der neue Betreiber aber auch über 40 Jahre lang einen sich steigernden Erbbauzins von mindestens 932.800 Euro jährlich entrichten, das wären dann oben genannte 58 Millionen Euro.
Obwohl bis zu 1000 Gäste im Lokal Platz finden, wollen solche Beträge erst mal erwirtschaftet werden. Und die Stadt fordert von Bewerbern auch deutlich ein „hochwertiges gastronomisches Konzept“, welches durch Alleinstellungsmerkmale als zusätzlicher Magnet für den Standort Jungfernstieg fungiert.
Damit nicht genug: Der Senat verlangt auch jedes Jahr die Ausrichtung von mindestens 50 „anspruchsvollen Kulturveranstaltungen“. Der Alsterpavillon soll künftig nicht nur ein gastronomischer Anziehungspunkt werden, sondern sich laut Ausschreibung zu einem „in der Stadt wahrgenommenen Kulturstandort“ entwickeln.
Seit 2001 befindet sich das „Alex“ im Alsterpavillon. Der Betreiber, das britische Unternehmen „Mitchells & Butlers“, will sich nach MOPO-Informationen erneut bewerben.
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Zu wünschen wäre es natürlich, dass der Betreiber den Alsterpavillon wieder zu dem macht, was er einmal war: einer der gesellschaftlichen Treffpunkte der Stadt. Begründet hat diese Tradition ein französischer Adeliger, dem es gerade noch gelungen war, seinen Kopf vor der Guillotine der Revolution zu retten und der in Hamburg den Neuanfang gewagt hatte.
Heine war Stammgast: Geschichte des Hamburger Alsterpavillons
Dieser Augustin Lancelot de Quatre Barbes eröffnete also am 20. August 1799 den allerersten Alsterpavillon – und der wurde bald Stadtgespräch. Der Vicomte brachte nämlich Kenntnisse der Speiseeisherstellung mit. So gilt der Alsterpavillon heute als erste deutsche Eisdiele.
Verbürgt ist das nicht. Wohl aber der Name eines berühmten Stammgastes: Heinrich Heine (1797-1856). Und der Dichter schrieb diesen schönen Vers über den Alsterpavillon: „Da läßt sich gut sitzen, und da saß ich gut manchen Sommernachmittag und dachte, was ein junger Mensch zu denken pflegt, nämlich gar nichts, und betrachtete, was ein junger Menschen zu betrachten pflegt, nämlich die jungen Mädchen, die vorübergingen.“