Fußgänger fühlen sich bedroht: Sind die Hamburger wirklich Fahrrad-Rüpel?

Lidia Gurenkos (39) Lastenrad wurde von hinten gerammt – ihre Tochter wurde verletzt.
Lidia Gurenkos (39) Lastenrad wurde von hinten gerammt – ihre Tochter wurde verletzt.

Wo viel Verkehr ist, ist auch viel Anspannung. Besonders auf den Hamburger Bürgersteigen wird es oft eng: Manche Fußgänger fühlen sich von Radfahrern bedroht, die die Regeln nicht beachten oder aus Angst vor Pkw nicht auf der Straße fahren wollen. Wir haben uns umgehört auf Hamburgs Straßen: Wer gibt zu, dass er nicht immer regelkonform unterwegs ist – und wie begründen Hamburger das?

Für Rentnerin Monika Landmann (72) aus Ottensen war das Fahrrad schon immer das wichtigste Fortbewegungsmittel. „Ich bin damit zur Arbeit im UKE gefahren“, erzählt sie. „Und heutzutage radel’ ich zum Ehrenamt auf der ,Cap San Diego‘.“ Sie gibt zu, nicht immer jede Regel zu beachten: „Eben bin ich über Rot gefahren, weil kein Auto in Sicht war. Von solchen Verstößen kann ich mich nicht freisprechen.“ Vorsichtig sei sie in ihrer eigenen Straße, wo sich eine Schule befinde.

Unfälle und Beschimpfungen: Verkehr immer angespannter

„Meiner Meinung nach sollten alle mal einen Schritt zurücktreten und mehr Rücksicht aufeinander nehmen“, sagt Sebastian. Der 44-Jährige legt beruflich jährlich bis zu 25.000 Kilometer mit dem Auto zurück und ist viel mit dem Lastenrad in Altona unterwegs, kennt also verschiedene Perspektiven. „Viele Menschen sind durch die unzähligen Baustellen im Hamburger Westen frustriert“, sagt er. „Das sollten wir nicht an den anderen auslassen.“

Dass Diplom-Volkswirtin Gunda Cramer (64) ihr Fahrrad heute durch die Fußgängerzone in der Ottenser Hauptstraße geschoben und sich damit an die Vorschriften gehalten hat, ist eine Ausnahme. „Ich halte mich längst nicht an alle Regeln“, sagt sie. „Ich fahre auch mal auf dem Fußweg, wenn mir die Straße zu gefährlich erscheint, oder in die falsche Richtung auf dem Fahrradweg. Ich finde es schlimm, wie genervt manche Menschen reagieren. Wir sollten uns alle mal etwas entspannen.“

Karin (63) ärgert sich über den rauen Ton im Straßenverkehr.
Karin (63) ärgert sich über den rauen Ton im Straßenverkehr.

Lidia Gurenko (39) aus Stellingen hat schon gefährliche Erfahrungen mit anderen Radfahrern gemacht. „Vor einigen Wochen ist ein Mann auf mein Lastenrad aufgefahren. Meine achtjährige Tochter wurde verletzt und musste zum Arzt, mein Fahrrad in die Reparatur. Der Fahrer beging Fahrerflucht.“ Insbesondere wegen ihrer beiden Kinder halte sich Gurenko immer an die Verkehrsregeln, berichtet sie. „Es ist teilweise wirklich gefährlich mit dem Rad oder zu Fuß in Hamburg.“

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Auch der Floristin Karin (63), die den Großteil ihrer Wege auf dem Rad zurücklegt, ist eine Beachtung der Verkehrsregeln sehr wichtig. Sie bedauert, dass der Ton im Straßenverkehr rau geworden sei. „Ich habe einmal eine Frau darauf hingewiesen, dass sie nicht auf dem Fußweg fahren sollte. Sie hat geantwortet, ich solle mich nicht anstellen.“