Funken, Stahl, Riesenbögen: Die umstrittene Sternbrücke nimmt Form an
Das riesige Planen-Gebilde an der Max-Brauer-Allee ist nicht zu übersehen. Dahinter wird seit Monaten der Neubau der umstrittenen Sternbrücke zusammengesetzt: 108 Meter lang und 25 Meter hoch soll sie einmal werden. Die MOPO konnte einen Blick hinter die Planen, auf Funkenfeuer und die gigantischen Bögen werfen. Und erfuhr Details zum baldigen Transport der tonnenschweren Brücke.
Zusammenfassung:
- Neubau der Sternbrücke: 108 Meter lang, 25 Meter hoch
- Bis zu 100 Arbeiter täglich im Einsatz
- Transport im Juli/August: Brücke wiegt 4500 bis 5000 Tonnen
„Wir stehen jetzt direkt unter der künftigen Brücke“, erklärt Janna Widmaier, als wir die Baustelle betreten. Die 35-jährige Projektleiterin der Deutschen Bahn schreit, denn die täglich bis zu 100 Mitarbeiter sorgen für einen konstanten Lärmpegel. Allein 70 sind als Schweißer und Schlosser damit beschäftigt, die Stahlteile zusammenzuschweißen. Dafür muss der Stahl vorgewärmt werden.
Neubau Sternbrücke: Bis zu 100 Arbeiter täglich im Einsatz
„Bei eisigen Temperaturen ist es besonders herausfordernd, den Stahl warm zu halten“, sagt Widmaier. Die Arbeiter tragen Lederkluft, damit ihre Kleidung bei dem starken Funkenflug nicht schmilzt. Rund 4500 bis 5000 Tonnen Stahl werden für die Brücke insgesamt verarbeitet.
Unter der nächsten Plane steht ein bereits fertiger Teil der Brücke. „Hier wurde der Stahl gesandstrahlt und der Korrosionsschutz aufgetragen. Die Sandstrahlung kann man sich ein bisschen wie bei einer Zahnreinigung vorstellen“, erklärt die 35-Jährige grinsend. Der Korrosionsschutz soll verhindern, dass der Stahl bei Kontakt mit Sauerstoff und Wasser anfängt zu rosten. Die neue Brücke soll rund 100 Jahre halten.
Dieses Alter hat auch die jetzige Sternbrücke erreicht, die 1926 eröffnet wurde. Mehr als 900 S-Bahnen, Regional- und Fernzüge fahren täglich darüber. Damit die Verbindung „zuverlässig und fit“ bleibe, brauche es einen Neubau, argumentiert die Deutsche Bahn. Kritiker, darunter die „Initiative Sternbrücke“ und „Prellbock Altona“, sprechen von einem „städtebaulichen Skandal“, einer „Monsterbrücke“, die nicht in das dicht bebaute Viertel passe.
Widmaier versteht die Bedenken. „Klar, dieser Neubau ist erst einmal eine große Veränderung“, sagt sie. „Aber unter der Brücke soll eben ein breiterer Straßenraum mit Radwegen entstehen, den die Verkehrsbehörde plant. Deshalb wird es untenrum weniger Stützen geben – für die Tragfähigkeit brauchen wir dann aber oben die größeren Bögen.“ Alternativ wäre nur noch eine Fachwerkbrücke möglich gewesen. „Die wäre aber noch wuchtiger.“
Die 35-Jährige ist als Abteilungsleiterin auch für andere Brücken-Baustellen in der Hansestadt, wie am Berliner Tor oder an der Holstenstraße, verantwortlich. Die Sternbrücke sei aber etwas Besonderes. „Nicht nur wegen des öffentlichen Interesses“, sagt sie. „Auch der enge Platz, auf dem wir rangieren müssen, ist eine große Herausforderung.“
Transport der neuen Sternbrücke wird Herausforderung
Mit Bauleiter Torsten Kremser geht es über eine wackelige Treppe eine Etage höher. „Hier stehen wir jetzt auf der Fahrbahn, wo künftig die S-Bahnen auf zwei Gleisen fahren“, erklärt der Stahlbauer. „Auf der anderen Seite ist Platz für die Regionalzüge und ICEs.“ Fehlen nur noch der Schotter, Schwellen und Gleise. Die werden allerdings erst verbaut, wenn die Brücke an ihrem eigentlichen Standort an der Stresemannstraße angekommen ist.
Das soll im Juli und August passieren: Innerhalb von nur vier Wochen will die Bahn die vorhandene Brücke abreißen, die neue dorthin bugsieren und schließlich einbauen. „Das ist ein sportlicher Zeitplan, aber ich bin optimistisch“, sagt die Projektleiterin. Für den Schwertransport wird die circa 4500 Tonnen schwere Brücke auf sogenannte „Tausendfüßler“ gesetzt, das sind Fahrzeuge für extrem schwere und sperrige Lasten. Die „pumpen“ die Brücke dann in die entsprechende Höhe, für Kräne ist das Bauwerk viel zu schwer.
Auch dieser Transport ist den Sternbrücken-Kritikern ein Dorn im Auge: Immerhin muss die Bahn 86 Bäume fällen, damit die Fahrzeuge überhaupt durch die Straße kommen. Über 200 Bäume werden dafür an anderen Orten neu gepflanzt.
Noch eine Etage höher auf der Baustelle sind die Arbeiter jetzt damit beschäftigt, die markanten, riesigen Bögen zu verschrauben und zu verschweißen. „Unter den vielen Planen kann man noch nicht erkennen, wie groß die Brücke wirklich ist“, sagt Torsten Kremser. „Das wird ein echtes Spektakel, wenn wir sie vollständig enthüllen können.“
Er und auch die meisten Arbeiter hätten natürlich von dem Unmut der Kritiker mitbekommen, es habe schon mal Schmierereien oder vergrabene Nägel in der Baustelleneinfahrt gegeben. „Ich hoffe, dass sich am Ende alle mit der Brücke anfreunden können.“