Für günstige Mieten in Hamburg: Diese Häuser werden von Robotern gebaut
Lassen sich in Hamburg noch bezahlbare Mietwohnungen bauen? Im Rathausviertel in Wilhelmsburg will der Senat beweisen, dass das möglich ist. Dort entstehen in den nächsten Jahren 1900 Wohnungen, ein Teil davon soll deutlich günstiger sein als aktuell üblich. Jetzt erfolgte der Zuschlag für ein zentrales Grundstück direkt neben dem alten Rathaus. Um massiv Kosten zu sparen, setzt der Bauherr auf den Einsatz von 50 Robotern, viel Digitaltechnik – und ein riesiges Zelt.
Etwa in zwei Jahren werden die ersten Mieter im Neubau in der Mengestraße auf ihren Sofas sitzen. Und zwar teils dort, wo vor Jahren noch täglich tausende Autos über die Wilhelmsburger Reichsstraße gebraust sind. Umgeben sind sie dann von Wänden und Decken, die nicht in Hamburg, sondern in Heilbronn gefertigt wurden. Jedenfalls im Neubau des Hamburger Bauherrn INP, der den Zuschlag für ein zentrales Gebäude direkt neben dem alten Rathaus erhalten hat.
Entstanden sind Decken und Wände des Holzbaus in einer riesigen Fabrikhalle des Bauunternehmens Gropyus, in der die Bauteile für Wohngebäude nahezu vollautomatisch von Robotern gefertigt und zusammengesetzt wurden: In Riechen in der Nähe von Heilbronn läuft diese weltweit einzigartige Fabrik zur Vorfertigung von Bauelementen. In der Anlage können jährlich rund 3.500 Wohnungen gefertigt werden.
Hamburger Wohnhaus entsteht am Fließband
Über diese Serienproduktionsanlage wie in der Autoindustrie werden die Wand- und Deckenelemente für das Mietshaus in Wilhelmsburg zu mehr als 80 Prozent industriell vorgefertigt. Die Fertigteile werden dann per LKW nach Hamburg transportiert, wo am Standort bereits ein riesiges Zelt wartet. „Unter diesem Zelt entsteht dann das Gebäude und ist dabei von der Witterung weitgehend unabhängig“, schildert Tim Cronenberg, Projektentwickler bei INP. Das Unternehmen hat seinen Sitz direkt an der Reeperbahn und hat bisher primär Erfahrungen mit dem Bau von Pflegeheimen und anderen Sozialeinrichtungen.
Entstehen werden 47 Wohneinheiten für verschiedene Zielgruppen, wie Senioren, Familien und auch kleine Wohnungen für Singles oder Studierende. Auch zwei Wohngemeinschaften sind im Gebäude geplant. „Im Erdgeschoss ist direkt entland der Straße ein Café vorgesehen, das als Treffpunkt im Quartier dienen soll“, schildert Cronenberg. Außerdem soll soziales Gewerbe Platz finden, etwa ein ambulanter Pflegedienst.
Das könnte Sie auch interessieren: Becken baut in der City Nord – Ist das Teil des Elbtower-Deals?
Das vom stadteigenen Unternehmen IBA Hamburg geplante Rathausviertel ist Hamburger Modellregion für das sogenannte „kostengünstige Wohnen“, das der Senat gemeinsam mit vielen Akteuren aus der Baubranche entwickelt hat. Der dadurch entstandene „Hamburg-Standard“ soll durch schlankere Verfahren, weniger Bürokratie und Standardisierungen dazu führen, dass die Kosten für den Bau eines Gebäudes um bis zu 30 Prozent sinken. Das soll sich dann in günstigeren Neubaumieten niederschlagen.
Beim INP-Gebäude und vielen anderen bedeutet das auch, dass auf den Bau von Kellern verzichtet wird und – was viele nicht freuen wird – oft auch komplett auf den Bau von Parkplätzen. So auch beim INP-Mietshaus. Das ist überhaupt erst seit diesem Jahr möglich, durch die Änderungen im Zuge des „Bau-Turbo“ bei Bund und Ländern. Allerdings: Vor der Tür halten Busse und nur fünf Minuten zu Fuß die Straße runter liegt die S-Bahnstation Wilhelmsburg.